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AUSSERRHODEN: Loslassen ist schwierig

Der Bauernverband setzte an seiner Januartagung die Hofübergabe ins Zentrum. Gute Planung, gegenseitiges Verständnis und viele Gespräche seien wichtig.
Martin Brunner
Hansruedi Thoma, Silvia Hohl und Walter Appert referierten zur Hofübergabe. (Bild: MBR)

Hansruedi Thoma, Silvia Hohl und Walter Appert referierten zur Hofübergabe. (Bild: MBR)

Martin Brunner

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Rund 600 Landwirtschaftsbetriebe gibt es in Appenzell Ausserrhoden. Davon sind 137 Betriebsleiter oder 29 Prozent über 55 Jahre alt. «Daraus ergeben sich pro Jahr zwölf bis 15 Hofübergaben», sagte Jakob Scherrer, Leiter des Landwirtschaftsamtes, an der Januartagung des Bauernverbandes AR (BVAR) in Gais zum Thema «Hofübergabe mit Weitsicht». Er wies darauf hin, dass der Anteil dieser Altersgruppe im Vergleich zum schweizerischen Durchschnitt (37,5 Prozent) verhältnismässig tief sei. Bei den Landwirten unter 40 Jahren sind es in Appenzell Ausserrhoden 26 Prozent, schweizweit 17 Prozent.

Für Silvia Hohl war klar, dass für jene zwölf bis 15 Landwirte pro Jahr bei einer Hofübergabe vor allem menschliche Aspekte zu beachten sind. Die ehemalige Beraterin am landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) betonte, dass loslassen oft schwieriger sei als anfangen. Deshalb sollte der Ablöseprozess gemeinsam und frühzeitig an die Hand genommen werden. Miteinander reden, bevor es zu spät sei, und eine gute sowie wohlwollende Gesprächskultur seien wichtige Faktoren. Wertschätzung und Toleranz hätten grosse Bedeutung. «Wichtig ist auch, wenn sich die abtretende Generation bewusst auf den neuen Lebensabschnitt einlässt.»

Verbindliche Abmachungen müssten getroffen werden

Nicht immer einfach ist die Integration eines Schwiegersohnes oder einer Schwiegertochter. «Eine junge Familie muss aber ihren eigenen Platz finden können», sagte die Referentin. Deshalb seien Trennung der Wohnbereiche und verbindliche Abmachungen so wichtig. Das sei durchaus nicht immer klar, helfe aber, Unstimmigkeiten zu vermeiden. Falls finanziell möglich, sei für die abtretende Generation eine Wohnung ausserhalb des Betriebs der Idealfall. Klare Abmachungen stellte sie auch bei einer Weiterbeschäftigung ins Zentrum. Das gehe von der Arbeitsteilung über die Entschädigung bis zur Ferienablösung.

Bei rechtlichen Bestimmungen einer Betriebsübergabe betonte Walter Appert vom LZSG, dass immer beide Ehegatten zustimmen müssten. «Das ist den Betroffenen oft nicht bewusst», sagte er. Bei einem Verkauf an einen selbstbewirtschaftenden Nachkommen sei keine Bewilligung notwendig. Er wies auf die klare Aufstellung aller Werte vom Vieh über die Maschinen bis zu den Gebäuden und den künftigen Finanzierungsplan hin. «Ebenso wichtig sind ein vertraglicher Gewinnanspruch und ein vertragliches Rückkaufsrecht.» Pachtverträge würden nicht automatisch an den Nachfolger übergehen, sondern müssten mit dem Verpächter neu ausgehandelt werden. Aus steuerlicher Sicht sagte Hansruedi Thoma von der BBV Treuhand Flawil: «Der optimale Zeitpunkt für die Betriebsübergabe ist dann, wenn der Buchwert und der Verkaufspreis identisch sind.» Bei der steuerlichen Optimierung könne ein Gewinn aus dem Inventar mit dem Verlust aus dem Verkauf der Liegenschaft verrechnet werden. Unter Umständen sei die Herbeiführung von Liquidationsgewinnen eine gute Variante. Dies gelte auch für die Optimierung des Verkaufspreises.

Ernst Graf betonte als Präsident des BVAR, dass Landwirte versuchen müssten, den Markt von morgen zu sehen. «Am besten eignet sich, Produkte mit einer Geschichte zu verbinden», sagte er. «Diese sollen den Bezug zu den Menschen und zum Betrieb aufzeigen.» Bei der Zusammenarbeit in der Verarbeitung müssten die Landwirte für die Abnehmer unbequemer werden. Nur so ändere sich etwas und könne verhindert werden, dass die Bauern nur noch Restgeldempfänger seien.

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