AUSSERRHODEN: Kantilehrer fordert Rot für CS-Cup

Kantonsschullehrer Hans Fässler stört sich am finanziellen Engagement der Credit Suisse im Schulfussball. An der Kantonalkonferenz der Ausserrhoder Lehrer beantragt er, das Sponsoring bei den zuständigen Organen zu kritisieren.

Ronja Zeller/Mea Mc Ghee
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Das finanzielle Engagement der Credit Suisse im Schulfussball – hier am Qualifikationsturnier in Speicher – ist Hans Fässler ein Dorn im Auge. (Bild: pd)

Das finanzielle Engagement der Credit Suisse im Schulfussball – hier am Qualifikationsturnier in Speicher – ist Hans Fässler ein Dorn im Auge. (Bild: pd)

AUSSERRHODEN. Jedes Jahr nehmen rund Tausend Kinder und Jugendliche aus dem Appenzellerland am CS-Cup, dem nationalen Schulfussballturnier, teil. Hans Fässler, Lehrer an der Kantonsschule Trogen, ist das Sponsoring der Grossbank ein Dorn im Auge. Er sagt: «Ich halte es für moralisch bedenklich, dass die Bank, die seit Jahren wegen fragwürdigen Finanzpraktiken nicht aus den Schlagzeilen kommt, ihr ramponiertes Image mittels Sponsoring für die Fussball-Nachwuchsförderung aufpoliert.» Hans Fässler, auch bekannt als engagierter St. Galler SP-Politiker und Kabarettist, stellt nun an der Kantonaltagung des Ausserrhoder Lehrerverbandes (LAR) vom kommenden Donnerstag den Antrag, einen Brief zu schreiben und das Sponsoring der Credit Suisse im Schulfussball bei den zuständigen Organen zu kritisieren.

Diskussion anstossen

Es gehe ihm darum, eine Diskussion anzustossen, sagt Fässler. Er thematisiert das Sponsoring im Schulfussball nicht zum ersten Mal: 2014 brachte er seine Überlegungen ins Lehrerteam der Kantonsschule Trogen ein, worauf die Schulleitung einen Brief an den Schweizerischen Fussballverband (SFV) geschrieben hat. Mit dem Antrag an den LAR möchte Fässler dem allfälligen Protest mehr Gewicht verleihen, zählt der Verband doch rund 800 Mitglieder. Sollte sein Antrag abgelehnt werden, wäre Fässlers Engagement gegen das Sponsoring auf politischer Ebene beendet. Er ist überzeugt, würde Ausserrhoden den CS Cup ein Jahr boykottieren, löste dies in der Finanzwelt ein Echo aus. Er vertraue auf die Energie und Kreativität der Jungen und sei optimistisch, dass auch ohne Sponsor ein Fussballturnier organisiert werden könnte, wenn auch in kleinerem Rahmen.

Ein Meinungsbild

Michael Weber, Präsident des LAR, spricht davon, dass die Abstimmung über den Antrag ein Meinungsbild der Ausserrhoder Lehrerschaft zu einem ideologischen Thema abgebe. Die Schule werde immer wieder von verschiedenen Organisationen eingespannt, für den Verkauf von Briefmarken bis zur Teilnahme am Schulfussballturnier. «Anlässlich des CS-Cups setzen sich die Lehrpersonen in ihrer Freizeit für ihre Schulklassen ein, das ist grossartig», sagt Weber. Bei einem Ja zum Antrag würde der LAR-Vorstand sich mittels Brief an die kantonale Fussballverantwortliche Ausserrhodens sowie an die Verantwortlichen der Credit Suisse und des Schweizerischen Fussballverbandes wenden. Weitere Konsequenzen hätte die Annahme des Antrages nicht. Hans Fässler formuliert in seinem Antrag aber: «Je nach Antwort und je nach künftigem Geschäftsgebahren der CS soll die Ausserrhoder Teilnahme am CS-Cup allenfalls beendet werden.» Dies liege im Ermessen jedes Einzelnen, so LAR-Präsident Weber.

Wertvolles Erlebnis

An der Kantonaltagung wird sich Sibylle Diem, kantonale Verantwortliche Schulfussball AR/AI und Primarlehrerin in Speicher, zu Fässlers Antrag äussern. Den Sponsor könnten die Teilnehmenden nicht wählen, aber das Mitmachen sei freiwillig. Diem ist der Meinung, dass der CS-Cup für viele Kinder und Jugendliche eine grosse Sache ist: «Das nationale Fussballturnier bereitet ihnen enormen Spass, fördert die Bewegung und den Klassengeist.» Schiedsrichter, Helfende und Lehrpersonen seien jeweils mit viel Herzblut dabei. Diem fände es schade, wenn den Kindern solch ein tolles Erlebnis vorenthalten würde.

Marcel Maier, Präsident des Appenzeller Kantonalen Fussballverbandes, ist derselben Ansicht: «Sport soll Sport und Politik soll Politik bleiben, man sollte die zwei Dinge nicht mischen.» Er betont, dass Kinder an einem Fussballturnier viel lernen können, beispielsweise Teamgeist, Freude an der Sache und den Glauben an den Sieg. Auch beim SFV hat man Kenntnis vom Antrag Fässlers. «Wir wollen den Ball flach halten», sagt Projektleiter Gian Simmen. Fässler strebe Publizität an, und diese Plattform wolle der SFV nicht bieten. Simmen betont den gesellschaftlichen Wert des Schulfussballturniers: «Die Kinder können sich bewegen, lernen Anstand und Respekt sowie den Umgang mit Erfolg und Niederlage.»

Hans Fässler Lehrer an der Kantonsschule Trogen (Bild: pd)

Hans Fässler Lehrer an der Kantonsschule Trogen (Bild: pd)