Ausserrhoden
«Ich muss nicht mehr ins Büro, darf aber immer noch in den Wald»: Amtsleiter Heinz Nigg geht in Pension

Der frühere Oberförster und spätere Leiter des Ausserrhoder Amts für Raum und Wald hat morgen seinen letzten Arbeitstag. Im Porträt blickt er auf seine knapp 15-jährige Amtszeit zurück.

Karin Erni
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Heinz Nigg, abtretender Leiter des Ausserrhoder Amts für Raum und Wald mit seiner steirischen Rauhaarbracke Baja.

Heinz Nigg, abtretender Leiter des Ausserrhoder Amts für Raum und Wald mit seiner steirischen Rauhaarbracke Baja.

Karin Erni

Ende Juni geht Heinz Nigg, der Leiter des Ausserrhoder Amts für Raum und Wald, in den Ruhestand. Während seiner knapp 15-jährigen Tätigkeit für den Kanton war er stets ein gefragter Mann bei den Medien: 285 Einträge zu Artikeln finden sich allein im Archiv dieser Zeitung. «Der Wald und Tiere beschäftigen die Menschen», bestätigt Nigg. «Einerseits ist das grosse Interesse natürlich erfreulich und ich habe auch gerne Auskunft über diese Themen gegeben.» Doch immer wieder habe er dabei auch falsche Vorstellungen bezüglich dem Umgang mit Wildtieren oder der Waldnutzung korrigieren müssen.

Druck auf Natur steigt

Heinz Nigg stellt eine zunehmende Entfremdung der Menschen von der Natur fest. Insbesondere für die Förster und Wildhüter an der Front sei diese Entwicklung nicht immer einfach.

«Manchmal muss man ein krankes oder verletztes Tier von seinem Leid erlösen. Doch einige Leute haben tatsächlich das Gefühl, man sollte Wildtiere zum Tierarzt bringen und gesund pflegen.»

Auch das notwendige Fällen von Bäumen könnten manche Menschen nicht verstehen. «Je näher an der Stadt, desto mehr muss man sich erklären.» Im Gegenzug hat Heinz Nigg festgestellt, dass in den letzten Jahren immer mehr Menschen in der Natur unterwegs sind. «Das ist grundsätzlich zu begrüssen, doch durch diese Aktivitäten steigt der Druck auf den Wald und die Tiere. Umso wichtiger sind naturnahe Lebensräume, die den Tieren genügend Nahrung und Versteckmöglichkeiten bieten.»

Ein Amt im Auf- und Umbau

Als Heinz Nigg am 1. November 2006 das Oberforstamt von seinem Vorgänger Peter Ettlinger übernahm, bestand dieses gerade mal aus vier Personen. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Aufgaben und Tätigkeiten dazu. Mehrfach wurde umstrukturiert und umgezogen. «In den ersten zehn Jahren habe ich in fünf verschiedenen Büros gearbeitet», erzählt Nigg lachend. Anfang 2015 wurde Jagdverwalter Willi Moesch pensioniert. Die Jagdverwaltung, die bis dahin bei der Polizei angesiedelt war, wurde ins Oberforstamt integriert. Bei der Staatsleitungsreform im Jahr 2015 wurden sieben Departemente auf fünf reduziert. Jedes Departement sollte maximal fünf Amtsstellen umfassen. Damit das aufging, sei mit der Zusammenlegung des Oberforstamtes mit dem Planungsamt das Amt für Raum und Wald geschaffen worden, erklärt Nigg.

«Die Leitung des neuen Amtes interessierte mich, ich habe mich dafür beworben und diese letztlich dann vom Regierungsrat auch zugesprochen erhalten.»

Für ihn als studierten Forstingenieur ETH sei das eine ziemliche Herausforderung gewesen, erinnert er sich. «Ich musste mich planerisch weiterbilden, denn mit der Umsetzung des Raumplanungsgesetzes standen wichtige und heikle Entscheidungen an.» Im Jahr 2021, im Hinblick auf den Wechsel auf den neuen Amtsleiter Markus Fäh, wurde das Amt für Raum und Wald nochmals umstrukturiert. Neu umfasst es die drei Abteilungen «Raumentwicklung», «Wald und Naturgefahren» sowie «Natur und Wildtiere» und zählt 15 Mitarbeitende. Diese werde er wohl am meisten vermissen, sagt Nigg. «Doch es freut mich, dass ich meinem Nachfolger ein gut aufgestelltes Team übergeben kann.»

Ein Werdenberger geblieben

Heinz Nigg ist in Buchs geboren und aufgewachsen und lebt mit seiner Frau noch immer dort. Ursprünglich war geplant, ins Appenzellerland zu ziehen. Letztlich hat er sich aber für das Pendeln zwischen Herisau und dem Rheintal entschieden. Das habe einige Vorteile, sagt Nigg. «Wenn man nach Hause kommt, hat man die Arbeit hinter sich gelassen und abgeschaltet.» Beim Stellenantritt als Ausserrhoder Oberförster habe er noch einen bis zwei Tage pro Woche im Wald gearbeitet, erinnert er sich.

«Nach der Reorganisation war ich dann immer mehr im Büro gefordert und kam nur noch bei speziellen Ereignissen raus, das war schade.»

Schon als Kind hat sich Heinz Nigg gerne im Wald aufgehalten. Als ersten Berufswunsch gab er Kreisförster oder Nationalparkdirektor an. Er absolvierte die Kantonsschule in Sargans und studierte in Zürich. Nach Studium und Assistenzzeit hat er 14 Jahre in der Jagdverwaltung des Kantons Zürich gearbeitet und war danach als selbstständiger Berater tätig. «An meiner gegenwärtigen Arbeit schätze ich am meisten, konkret etwas bewegen zu können», sagt Heinz Nigg. In seine Amtszeit fallen Projekte wie die Waldreservatsplanung, die Schaffung der Wildruhezone sowie die Gefahrenkartierung und die Waldentwicklungsplanung. Die dafür nötige Elektronisierung hat er ebenfalls vorangetrieben.

Eine weitere Funktion des Amts sei die Aufsicht über den Staatswald, so der Amtsleiter. «Als die Wälder in früheren Jahrhunderten durch übermässigen Holzschlag gefährdet waren, kaufte der Kanton kontinuierlich Waldstücke auf, wenn sich die Gelegenheit ergab. Die 380 Hektaren Wald werden heute durch die Standortgemeinden vorbildlich bewirtschaftet und dadurch die Artenvielfalt gefördert.»

Neue Beschäftigung finden

Irgendein Ämtli wolle er nach der Pensionierung nicht annehmen, sagt Heinz Nigg. «Obwohl es sicher Anfragen geben wird.» Er möchte im neuen Lebensabschnitt lieber etwas komplett Unbekanntes lernen –Klavierspielen zum Beispiel. Auch hat er sich vorgenommen, künftig die Büscheli für den Kachelofen selbst herzustellen. Eine Motorsäge dafür hat er von seinen Förstern zum Abschied geschenkt bekommen. «Ein 85-jähriger Freund wartet bereits sehnsüchtig darauf, mich in die Geheimnisse des Büschelns einzuweisen.» Nebst dem Besuch von Klavierstunden und dem unvermeidlichen Üben wird der ehemalige Amtsleiter wohl öfter in Begleitung von Jagdhündin Baja durch die Wälder streifen. «Ich muss nicht mehr ins Büro, darf aber immer noch in den Wald gehen», freut er sich. Der begeisterte Jäger ist an einem Revier oberhalb von Grabs beteiligt. «Das Gelände dort ist gebirgig, das hält auch körperlich fit.»