AUSSERRHODEN: Hoher Besuch

Bundesrätin Simonetta Sommaruga weilte gestern zu Besuch im ausserrhodischen Trogen. Dort traf sie unbegleitete jugendliche Asylsuchende und Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Trogen.

Arcangelo Balsamo
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Simonetta Sommaruga im Gespräch mit einem unbegleiteten jugendlichen Asylsuchenden. (Bild: Ralph Ribi)

Simonetta Sommaruga im Gespräch mit einem unbegleiteten jugendlichen Asylsuchenden. (Bild: Ralph Ribi)

Arcangelo Balsamo

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appenzellerzeitung.ch

Bundesrätin Simonetta Sommaruga war gestern in Appenzell Ausserrhoden. Während ihrer Kurzvisite besuchte sie das Kinderdorf Pestalozzi und die Kantonsschule Trogen. Danach stattete sie auch der Redaktion der Appenzellerzeitung einen Besuch ab und liess am Redaktionstisch ihren Tag Revue passieren. Dieser sei sowohl spannend als auch erfreulich gewesen, sagte die Bundesrätin.

Zum Start ihres Besuches war sie am Morgen im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen. Dort werden seit Anfang Mai minderjährige, unbegleitete Asylsuchende und Flüchtlinge (mineurs non accompagnés, MNA)aufgenommen. Aktuell sind es 18 Jugendliche, die in zwei gemieteten Häusern auf dem Areal des Kinderdorfs leben. 10 weitere sind bei Pflegefamilien untergebracht. Sie alle werden von der Organisation Tipiti betreut.

Die Bundesrätin stellte sich an der Kantonsschule den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Die Bundesrätin stellte sich an der Kantonsschule den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Die Justizministerin konnte sich auf einer Führung durch die beiden Häuser ein Bild von der Situation machen und besuchte auch eine Deutschstunde der MNAs. Danach ass sie mit den Jugendlichen zu Mittag und führte persönliche Gespräche mit ihnen. «Es war sehr beeindruckend, ihre Geschichten zu hören», sagte sie. «Einer von ihnen sprach Arabisch, Englisch, Türkisch und hat in den vergangenen acht Monaten bereits gut Deutsch gelernt.» Ausserdem erzählte der junge Mann der Bundesrätin, dass er gerne Arzt werden würde, weil er anderen Menschen helfen wolle. Schliesslich hätte er auch viel Hilfe erhalten. «Diese junge Menschen besitzen trotz ihrer Vorgeschichte ein grosses Potenzial und können unserem Land viel bringen», so Simonetta Sommaruga. «Deshalb ist es wichtig, dass wir für sie die bestmöglichen Bedingungen für einen guten Start in der Schweiz versuchen zu schaffen.» Dies sei im Kinderdorf Pestalozzi der Fall, stellte die Bundesrätin erfreut fest und betonte, dass es zentral sei, dass die Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden funktioniere.

Die Justizministerin erkannte ihr hölzernes Ebenbild im Miniaturformat sofort.

Die Justizministerin erkannte ihr hölzernes Ebenbild im Miniaturformat sofort.

Im Anschluss an das Mittagessen ging es für die Bundesrätin weiter in die Kantonsschule Trogen, wo die Lernenden die Möglichkeit bekamen, der Frau Bundesrätin Fragen zu stellen. Der Gesprächsrunde wohnten auch der Ausserrhoder Bildungsdirektor Alfred Stricker und der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni bei. Letzterer hatte den Besuch initiiert. Er erzählte zu Beginn, dass er vor 17 Jahren, als er selbst noch Schüler war an der Kantonsschule, erstmals eine «richtige» Bundesrätin gesehen habe und ihn dieses Erlebnis geprägt habe. Um den jetzigen Schülerinnen und Schülern auch so eine Erfahrung zu ermöglichen, lud er Simonetta Sommaruga ein.

Auch die Bundesrätin stellte Fragen

Die Gesprächsrunde wurde von Noe Giannakitsas und Rahel Hollenstein moderiert, die derzeit beide ihr letztes Jahr an der Kanti Trogen absolvieren. Noe Giannakitsas gab vor dem Treffen mit der Bundesrätin zu, ein wenig nervös zu sein, doch er und seine Kollegin meisterten ihre Aufgabe souverän. Die Schüler konfrontierten die Justizministerin mit Fragen zu den Themen Integration von Flüchtlingen, Verhältnis Schweiz – EU und Verfassung. Dabei kam auch das tagesaktuelle Geschehen in der Schweiz und im Ausland zur Sprache, wie etwa dass Bundespräsident vorgestern mit Donald Trump telefoniert hatte. Doch nicht nur die Schüler hatten Fragen, sondern auch die Bundesrätin. «Wer von euch darf bereits abstimmen?», wollte sie beispielsweise wissen und wies die Jugendlichen darauf hin, dass es ein Privileg sei und dass sie dieses auch nutzen sollten. «Es ist eure Möglichkeit mitzureden und die Zukunft unseres Landes mitzugestalten. Überdies gab sie den Schülern die Empfehlung in die Politik zu gehen: «Es fägt!»

Nach der Fragerunde ging es für die Bundesrätin weiter in die Redaktion der Appenzellerzeitung. Bei einem Glas Flauder, von dem sie bereits gehört, jedoch noch nie probiert hatte, nahm sie sich Zeit für ein Gespräch. Als Erinnerung erhielt die Justizministerin eine Holzfigur von sich im Miniaturformat und einem Mann in Appenzellertracht.