Ausserrhoden
FDP-Delegierte wählen Monika Gessler zur neuen Präsidentin: «Es braucht die FDP als konstruktive politische Kraft»

An der Delegiertenversammlung der FDP AR in Bühler wurde Monika Gessler zur neuen Präsidentin gewählt. Monika Bodenmann trat nach fünfeinhalb Jahren zurück. Ebenso fassten die Delegierten die Parolen für die bevorstehenden nationalen Abstimmungen.

Claudio Weder
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Monika Bodenmann-Odermatt (links) übergibt das Präsidium der FDP AR an Monika Gessler.

Monika Bodenmann-Odermatt (links) übergibt das Präsidium der FDP AR an Monika Gessler.

Bild: Claudio Weder

Monika Bodenmann-Odermatt freute sich, dass die Delegiertenversammlung der Ausserrhoder FDP zum ersten Mal seit langem wieder live stattfinden konnte: «Es tut gut, wieder einmal in die Gesichter schauen zu können», sagte sie am Mittwochabend in ihrer Eröffnungsrede im Gemeindesaal Bühler.

Für Bodenmann war es gleichzeitig die letzte Delegiertenversammlung als Parteipräsidentin. Während fünfeinhalb Jahren stand sie der Ausserrhoder FDP vor. Im vergangenen Jahr gab sie ihren Rücktritt bekannt. Sie wolle zu neuen Ufern aufbrechen, sagt sie. Und weiter: «Die Partei ist gut aufgestellt, alle Zeichen stehen auf positiv.» Aus diesem Grund sei es ein «beglückendes Gefühl, die Kommandobrücke der FDP zu verlassen».

Neue Präsidentin: «FDP AR ist noch immer eine echte Volkspartei»

Als Nachfolgerin haben die 43 Delegierten einstimmig Monika Gessler gewählt. Weitere Wahlvorschläge wurden keine gemacht. Die 46-Jährige, die in Heiden wohnt und als Fachspezialistin Verein und Gesellschaft bei der SRG arbeitet, stellt sich für das Präsidialamt zur Verfügung, weil sie davon überzeugt ist, dass die Ausserrhoder FDP noch immer eine «echte Volkspartei» sei, die einen ganz wesentlichen Beitrag für Land und Volk leiste. Die Partei sei breit aufgestellt und habe ihren eigenständigen Charakter stets bewahrt: «Wir waren schon immer ein wenig anders – und das ist auch gut so!»

Motivationsfaktoren seien aber vor allem die Freude an der Zusammenarbeit und am Austausch mit vielen engagierten und klugen Köpfen in der Partei – sowie die Überzeugung, dass es die FDP als konstruktive politische Kraft brauche. In einer Zeit, in der die Gesellschaft auseinanderdrifte, die Diskussionskultur verrohe und Meinungen, die nicht dem Zeitgeist entsprechen, ausgegrenzt oder Personen an den virtuellen Pranger gestellt würden.

Ja zur «Ehe für alle», Nein zur «99-Prozent-Initiative»

An der Delegiertenversammlung fassten die Anwesenden auch die Parolen für die nationalen Abstimmungen vom 26. September. Bei der «Ehe für alle» lieferten sich Matthias Tischhauser, FDP-Kantonsrat aus Gais, und SVP-Nationalrat David Zuberbühler eine hitzige Diskussion.

Tischhauser legte in seinem Referat die Pro-Argumente dar. Aus liberaler Sicht sei die «Ehe für alle» ein «längst überfälliger und wichtiger Schritt». Die Öffnung der Zivilehe würde das «Ende der Diskriminierung» und «gleiche Rechte für alle» bedeuten. Zuberbühler hingegen sieht die Ehe zwischen Mann und Frau als «zentralen Eckpfeiler der Gesellschaft» und «erstrebenswertes Ideal». Er meldet Bedenken bezüglich des Kindeswohls an: «Jedes Kind braucht eine Mutter und einen Vater. Wenn faktisch eines der beiden Eltern fehlt, dann wird dies bei vielen Jugendlichen zu Identitätsproblemen führen.» Zuberbühler konnte die Anwesenden nicht von seiner Haltung überzeugen: Die Delegierten stimmten der Vorlage mit nur einer Enthaltung zu.

Ebenso wenig vermochte Anna Miotto, Präsidentin der Juso St.Gallen, die FDP-Delegierten von der «99-Prozent-Initiative» zu überzeugen, welche in ihren Augen den Anstieg der sozialen Ungleichheit verhindere, die Steuergerechtigkeit verbessere sowie die Kaufkraft erhöhe. Mit zwei Enthaltungen wurde die Nein-Parole beschlossen. Philipp Kessler, der frisch gewählte Präsident der Jungfreisinnigen AR, hielt dagegen, dass das Ziel der Initiative zwar sinnvoll, der Weg jedoch «katastrophal» sei. Die Initiative würde insbesondere Familienunternehmen und Start-ups belasten – jene Treiber von Innovation und Unternehmergeist in der Schweiz.

Zum Ende der Versammlung wurde Monika Bodenmann in einer gut zehnminütigen Rede von Patrick Kessler verabschiedet, die mit folgenden Worten endete: «Die FDP verliert mit Monika Bodenmann zwar eine Präsidentin, viele Mitglieder haben in ihr aber eine Freundin fürs Leben gewonnen.»

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