AUSSERRHODEN: «Die Tage sind streng, sehr streng»

In diesen Tagen schneit es häufig. Der Schnee führt auf den Strassen zu prekären Verhältnissen. Doch wie gravierend ist die Situation wirklich?

Astrid Zysset
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In diesen Tagen im Dauereinsatz: die Pfadschlitten. (Bild: PD)

In diesen Tagen im Dauereinsatz: die Pfadschlitten. (Bild: PD)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Einer, der für das derzeitige Wetter deutliche Worte findet, ist Guido Lüchinger von der Gemeinde Herisau, Abteilungsleiter Tiefbau/Umweltschutz. «Es ist für die Mitarbeitenden in diesen Tagen streng, wirklich streng.» Der nasse Schnee vom Freitag habe alle überfordert. Anstrengend war es, diesen wegzuschaufeln. Und die Masse hätte ihr Übriges dazu getan. «Normalerweise haben wir den Schnee schneller abgeführt», so Lüchinger. Doch der Schnee vom Freitag blieb an manchen Orten bis Samstagmittag liegen, da die Mitarbeitenden nicht mehr nachkamen.

18 Mitarbeitende des Werkhofs arbeiten daran, Fusswege, Treppen und Quartierstrassen vom Schnee zu befreien. Zusätzlich werden im Bedarfsfall noch externe Firmen beigezogen. Zuerst würden die Buslinien und Schulwege in Angriff genommen, in nächster Priorität die Quartierstrassen. Eine sechs Mann starke Equipe schaufelt den Schnee von den Treppen und säubert die Fussgängerübergänge.

Besonders die wechselhaften Bedingungen in der vergangenen Woche haben die Mitarbeitenden gefordert, so Lüchinger. Da es kalt war und immer mal wieder regnete, entstand Glatteis. Man habe zwar gesalzen, doch dieses wurde durch die Niederschläge schnell wieder weggeschwemmt. «Anfangs des Jahres haben wir viel Salz einsparen können, da es kaum geschneit hat. Diese Einsparungen sind mittlerweile wieder weg.»

Nasser Schnee verursachte Probleme

1,33 Meter beträgt die zusammen gerechnete Schneehöhe beim Werkhof Herisau. Jedes Mal wenn es geschneit hat, wird gemessen. Summiert gibt das am Ende des Winters eine Zahl, die in die Statistik einfliesst. Daniel Berner, Strassenkreisinspektor und zuständig für das Hinterland, nimmt die entsprechende Liste vom Tisch seines Büros und wirft einen prüfenden Blick darauf. «Besonders viel Schnee ist derzeit noch nicht gefallen», erklärt er. Der Rekordwinter 2012/13 lieferte einen Wert von 4,95 Metern. Aber Regelmässigkeiten gebe es nicht, fügt er an. Die grossen Mengen könnten plötzlich kommen. Berner und sein zehnköpfiges Team sind in diesen Tagen zuständig für die Schneeräumung auf den Kantonsstrassen. Zwei Schneefräsen und fünf Winterdienstfahrzeuge sind im Einsatz. Und das manchmal schon sehr früh. «Im Winter sind wir immer auf Pikett», so der Strassenkreisinspektor. Von drei Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Dass die Mitarbeitenden aber tageweise im Dauereinsatz stehen, käme selten vor. Gestern fuhren die ersten Pfadschlitten um acht Uhr morgens los.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist auch hier der vergangene Freitag. Der Schnee war nass und schwer. Für die Pfadschlitten bedeutete dies: Langsam fahren. Ansonsten wäre der Schnee zu weit weggespritzt. «Meistens sind nur ein paar Zentimeter nass. Aber am Freitag war es bedeutend mehr. Das war ungewöhnlich.» Die Schneefälle der letzten Tagen waren für den Strassenkreisinspektor hingegen «normal». Dass dies manche anders sehen, kann er jedoch nachvollziehen. «Viele sind sich diese Schneemassen nicht mehr gewohnt. Im letzten Winter hatten wir beispielsweise deutlich weniger.»

Lage hat sich mittlerweile normalisiert

Problematisch sei das Pfaden auf viel befahrenen Strassen – unabhängig von der Schneemasse. Wenn viele Autos den Schnee auf der Strasse «festdrücken», könne Glätte entstehen. Eine zwei bis drei Zentimeter dicke Schicht kann prekäre Verkehrssituationen verursachen, Unfälle können entstehen. Seitens der Ausserrhoder Kantonspolizei heisst es, dass aufgrund der derzeitigen Witterungsbedingungen aber «nicht ausserordentlich viele Unfallmeldungen eingehen.» Mediensprecher Marcel Wehrlin: «Die Menschen sind sich der prekären Verhältnisse bewusst und fahren wohl dementsprechend vorsichtig.» Letzte Woche habe es noch vermehrt Unfälle gegeben, doch mittlerweile habe sich die Lage «normalisiert». Vereinzelt würden zusätzliche Frühpatrouillen losgeschickt, um zu kontrollieren, ob die Autos ausreichend vom Schnee befreit und die Scheiben gekratzt wurden. «Von langer Hand können wir solche Einsätze aber nicht planen. Das wird kurzfristig angeordnet.» Viele Verstösse diesbezüglich habe man in diesem Winter jedoch noch nicht festgestellt.

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