Ausserrhoden

Viele Fragen geklärt: Das Projekt Kirchenpark Appenzeller Hinterland gedeiht

Die Modalitäten zum Zusammenschluss der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Herisau, Schönengrund, Schwellbrunn und Waldstatt sind weitgehend geklärt.

Karin Erni
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Der Zusammenschluss der Kirchgemeinden soll kein Sparprogramm sein, sondern eine bessere Nutzung der Ressourcen ermöglichen.

Der Zusammenschluss der Kirchgemeinden soll kein Sparprogramm sein, sondern eine bessere Nutzung der Ressourcen ermöglichen.

PD

Weniger Mitglieder, weniger Geld und ein Mangel an Personal: die Kirchgemeinden kämpfen landesweit mit denselben Schwierigkeiten. «Fusion» heisst in Politik und Wirtschaft oft die Lösung. Vier evangelisch-reformierte Kirchgemeinden im Appenzeller Hinterland verfolgen ebenfalls diesen Ansatz. Unter dem Projektnamen Kirchenpark wollen sich Herisau, Schönengrund, Schwellbrunn und Waldstatt zur Kirchgemeinde Appenzeller Hinterland zusammenschliessen.

Marcel Steiner, Kivo-Präsident Schwellbrunn

Marcel Steiner, Kivo-Präsident Schwellbrunn

Bild: PD

«Wir verstehen das Vorgehen aber nicht als Sparprogramm», erklärt Marcel Steiner, Kirchgemeindepräsident von Schwellbrunn und Mitglied der Steuerungsgruppe Kirchenpark. «Wir planen keinen Personalabbau.» Viel eher gehe es beim Zusammenschluss um den gezielteren Umgang mit den Ressourcen. «Jede Kirchgemeinde hat ihre ganz bestimmten Stärken und Möglichkeiten. Diese wollen wir besser koordinieren und nutzen.» Dafür sei es nötig, diese Einheiten näher zusammenzubringen und die Angebote gegenseitig bekannt zu machen, so Steiner weiter.

Neue Netzwerke knüpfen

Uschi Hofmänner, Kirchgemeindepräsidentin von Herisau und ebenfalls Mitglied der Kirchenpark-Steuerungsgruppe, nennt als konkretes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit die Seniorenferien, welche die Kirchgemeinden Schönengrund, Schwellbrunn und Waldstatt seit vielen Jahren erfolgreich anbieten. «In Zukunft können auch Mitglieder von Herisau dieses Angebot nutzen. Dadurch ergeben sich neue und wertvolle Kontakte unter den Teilnehmern.»

Uschi Hofmänner, Kivo-Präsidentin Herisau

Uschi Hofmänner, Kivo-Präsidentin Herisau

Bild: PD

Kirche sei mehr als Gottesdienst und Seelsorge, so Hofmänner weiter. Sie nennt als Beispiel die Jugend- oder Altersarbeit. «Jede Pfarrperson hat eine Affinität zu einer bestimmten Altersgruppe und die Fähigkeit mit dieser umzugehen.» Diese Stärken könnten künftig besser genutzt und gebündelt werden. «Mit neue Möglichkeiten und Angeboten wollen wir zudem breitere Bevölkerungskreise ansprechen», sagt Uschi Hofmänner. «Wenn mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, können wir beispielsweise hochkarätige Referenten für einen Vortrag einladen. Auch lassen sich dadurch die Kirchenräume besser nutzen.»

Die Kirchgemeindemitglieder müssten sich aber keine Sorgen machen, ihre vertrauten Pfarrpersonen zu verlieren. Im neuen Verbund werden die alten Kirchgemeinden und Kirchgemeinde-Quartiere zu Seelsorgekreisen. Und für jeden Seelsorgekreis wird eine Pfarrperson Ansprechperson sein. «Kirche ist Beziehung und Beziehungen müssen wachsen», sagt Uschi Hofmänner optimistisch: «Ich glaube fest an den Erfolg des Schneeballprinzips.»

Türen sollen offen bleiben

Die anderen Hinterländer Kirchgemeinden Hundwil, Stein und Urnäsch haben sich bereits in einer frühen Phase des Prozesses entschieden, am Projekt Kirchenpark nicht teilzunehmen. «Die Türen stehen ihnen weiterhin offen», sagt Marcel Steiner. In den vergangenen zwei Jahren wurde in der Steuerungsgruppe viel gearbeitet. Unzählige Fragen hätten geklärt werden müssen und müssten immer noch geklärt werden. «Nun kommen wir langsam in die Endphase und können beginnen, die Ergebnisse ins Recht zu fassen.» Bereits in der zweiten Hälfte 2022 soll die Vorlage den Kirchbürgern der vier Kirchgemeinden zur Abstimmung vorgelegt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass zuvor die derzeit laufende Revision der Verfassung der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell erfolgreich abgeschlossen werden kann. Denn die geltende Verfassung sieht keine Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden vor.