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"Ausserhalb der Familien werden Landwirtschaftsbetriebe zum drei- bis vierfachen Ertragswert gehandelt"

Im letzten Jahr kam es im Toggenburg zu 35 Hofübergaben. Andreas Widmer, Präsident des kantonalen Bauernverbandes, erklärt, was es dabei alles zu beachten gilt und wo Hand geboten wird.
Beat Lanzendorfer
Viele, vor allem kleinere Betriebe, werden über die Verpachtung mit umliegenden Betrieben zusammengelegt. Im Bild eine typische, Toggenburger Streusiedlung. (Bild: Urs Jaudas)

Viele, vor allem kleinere Betriebe, werden über die Verpachtung mit umliegenden Betrieben zusammengelegt. Im Bild eine typische, Toggenburger Streusiedlung. (Bild: Urs Jaudas)

Andreas Widmer, was gibt es speziell bei Hofübergaben zu beachten?
Den Hofübergaben sind durch das Bäuerliche Bodenrecht (BGBB) und das Landwirtschaftliche Pachtrecht (LPG) enge Grenzen gesetzt. Verkäufer und Käufer haben dabei wenig Spielraum. Gerade bei Hofübergaben innerhalb der Familie ist vieles vorgegeben. Freie Verkäufe von landwirtschaftlichen Grundstücken oder ganzen Gewerbeliegenschaften sind zudem bewilligungspflichtig.

Wo finden Landwirte Hilfe, wenn das Thema Hofübergabe aktuell wird?
Das kantonale Landwirtschaftsamt hat eine entsprechende Aufsichtsstelle. Die Bäuerinnen und Bauern ziehen bei Hofübergaben in der Regel Berater des Kantonalen Landwirtschaftlichen Zentrums in Flawil, Salez oder Kaltbrunn zu. Oder sie führen die Hofübergabe unter Beizug ihres Treuhänders durch.

Wie viele Hofübergaben gibt es jährlich im Kanton St. Gallen?
Das Landwirtschaftsamt des Kantons St. Gallen führt eine genaue Statistik über die Hofübergaben. 2016 und 2017 waren es kantonsweit 122 respektive 119 Betriebsübergaben. Davon waren 18 Prozent ausserhalb der Familien und die restlichen 82 Prozent innerhalb der Familien.

Wie viele davon betrafen das Toggenburg?
Auf das Toggenburg bezogen waren es im Jahre 2016 insgesamt 41 Hofübergaben, wovon deren fünf ausserhalb der Familie. Im Jahre 2017 fanden 35 Hofübergaben statt, acht ausserhalb der Familie. Bei rund 1'100 Landwirtschaftsbetrieben im Toggenburg erfahren somit 3,5 Prozent aller Betriebe einen Wechsel. Diese Zahlen sagen jedoch nichts darüber aus, wie viele landwirtschaftliche Liegenschaften dem Nachfolger verpachtet oder verkauft wurden. Nach Aussage des Landwirtschaftsamtes wurden 2016 im Kanton St. Gallen weniger als zehn landwirtschaftliche Liegenschaften ausserhalb der Familie verkauft.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?
Innerhalb der Familien werden die Liegenschaften zum einfachen Ertragswert weitergegeben. Dieser Wert entspricht der wirtschaftlichen Ertragsfähigkeit des entsprechenden Betriebes und ist deshalb praxisgerecht. Ausserhalb der Familien und somit auf dem «freien» Markt werden die Betriebe zum drei- bis vierfachen Ertragswert gehandelt. Da ist dann sehr viel Kapital notwendig. Allein mit dem Verdienst aus dem Landwirtschaftsbetrieb lässt sich ein solcher Kauf nie und nimmer finanzieren.

Findet man einen Hof, wenn man als Landwirt anfangen möchte?

Andreas Widmer, Präsident Kantonaler Bauernverband. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Andreas Widmer, Präsident Kantonaler Bauernverband. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Es ist relativ schwierig, ausserhalb der Familie einen Hof zur Pacht oder gar zum Kauf zu finden. Viele, vor allem kleinere Betriebe, werden über die Verpachtung mit umliegenden Betrieben zusammengelegt. Die bisherigen Eigentümer bleiben meist auf den Liegenschaften wohnhaft. Es wäre natürlich zu wünschen, dass vermehrt Landwirte ihre Liegenschaft an junge Landwirte verpachten oder verkaufen würden.

Sind die Banken bereit, sich an der Finanzierung zu beteiligen?
Das bäuerliche Bodenrecht gibt hier ganz klare Vorgaben. Die Banken dürfen landwirtschaftliche Liegenschaften nur bis zu einer maximalen Grenze belasten. Diese Limite entspricht dem Ertragswert plus 35 Prozent. Damit wird verhindert, dass die Betriebe sich übermässig verschulden. Zur Finanzierung der innerfamiliären Hofübergaben genügt diese Limite in der Regel. Ab April wird zudem der Ertragswert nach neuen Grundlagen berechnet. Die Ertragswerte für die landwirtschaftlichen Liegenschaften werden dadurch leicht erhöht. Das ergibt etwas mehr Spielraum für die Finanzierung.

Gibt es Normen betreffend Betriebsgrösse?
Nein, es gibt keine Normen und die Betriebsgrösse ist nicht entscheidend über Erfolg oder Misserfolg. Die Betriebe mit viel Land haben zwar viel mehr Entwicklungsmöglichkeiten und Freiraum für Innovationen. Ein kleiner und spezialisierter Betrieb konzentriert sich dafür eventuell auf einen bodenunabhängigen Produktionsbereich wie Geflügel oder Schweine.

Hat der Stellenwert des Landwirtes aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren eher zu- oder eher abgenommen?
Der heutige Stellenwert des Landwirtes ist nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Weit über 80 Prozent der schweizweiten Bevölkerung stehen hinter der einheimischen Landwirtschaft und wertschätzen ihre Leistungen. Die Gesellschaft ist in den letzten Jahren jedoch auch anspruchsvoller und kritischer geworden. Die Produktion qualitativ hochstehender Nahrungsmittel, die Tierhaltung, die Bewirtschaftung des Bodens, die Düngung, die Pflanzenschutzmittel, der Medikamenteneinsatz, saubere Luft und sauberes Wasser – der Landwirt steht zunehmend im Fokus der Gesellschaft.

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