Ausruhen in der Natur

Warum gehen wir in die Berge? Es gibt gewiss viele Gründe: Wir wollen die Natur erleben. In ihr können wir uns erholen, uns entspannen. Die vielen Aufgaben in Beruf und Familie und Freizeit laugen uns aus. Und da hilft die Natur. In ihr zu sein, lässt uns aufatmen.

Peter Maier
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Peter Maier Kaplan Seelsorgeverband Ebnat-Kappel/Neu St. Johann (Bild: Beatrice Bollhalder)

Peter Maier Kaplan Seelsorgeverband Ebnat-Kappel/Neu St. Johann (Bild: Beatrice Bollhalder)

Warum gehen wir in die Berge? Es gibt gewiss viele Gründe: Wir wollen die Natur erleben. In ihr können wir uns erholen, uns entspannen. Die vielen Aufgaben in Beruf und Familie und Freizeit laugen uns aus. Und da hilft die Natur. In ihr zu sein, lässt uns aufatmen. Sich in ihr zu bewegen, macht uns innerlich frei. Wir werden gestärkt und kommen ins Gleichgewicht.

Jesus hat die Natur gekannt und ist mit seinen Jüngern in die Natur hinausgegangen. Er wusste, dass wir Menschen Erholung nötig haben. Bei Jesus und seinen Jüngern war das so: Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht euch ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.

Jesus ging mit den Jüngern in die Einsamkeit, in die Natur, um aufzutanken. Gehen wir doch auch mit Jesus in die Natur, um aufzutanken. Ja, in der Natur, im Marschieren, da bewegen wir so vieles im Herzen. Bewegen wir es mit Jesus: Mit ihm können wir Zwiesprache halten, wenn wir längere Zeit in der Natur unterwegs sind. Auf diese Weise sind wir mit jemandem unterwegs, der uns kennt, uns zuhört und uns innerlich ins Gleichgewicht führt.

Jesus hat in der Synagoge in Nazareth, wo er aufgewachsen war, einmal folgenden Text gelesen und auf sich bezogen. «Der Geist Gottes ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht, damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.»

Auf Jesus ruht der Geist Gottes, des Vaters. Die gute Nachricht, von der er spricht, ist, dass er diesen Geist auf uns alle ausgegossen hat. Er will uns diesen Geist geben in jeder Situation und gerade dann, wenn wir es schwer haben. Durch seinen Geist werden wir befreit von Dingen, die uns gefangen nehmen. Durch seinen Geist sehen wir wieder, wo wir vorher wie blind nur noch einen Berg vor uns gesehen haben. Durch seinen Geist werden wir innerlich aufgebaut, wenn wir uns ganz zerschlagen vorkommen. Und diesen Geist finden wir, wenn wir ihn suchen. Mir scheint, wir gehen in die Natur, weil wir diesen Geist suchen. Wenn wir in der Natur wieder zu uns selbst kommen und ausgeruht sind, dann fühlen wir uns innerlich frei, innerlich wieder zu Hause. Dann kehren wir heim und sind froh.

Ich möchte auf diese Erfahrung der Beheimatung eingehen. Von Jesus heisst es: «Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.» Was für eine Kunde hat er, der Sohn Gottes, Jesus gebracht? Er hat die Kunde gebracht, dass er uns, die umherirren und Friede und Heimat suchen in dieser Welt, uns heimführt ins Herz des Vaters. Er hat uns Kunde gebracht, dass nicht nur er am Herzen des Vaters ruhen will, sondern dass er Mensch geworden ist, damit wir alle mit ihm am Herzen des Vaters ruhen. Und so ist es tatsächlich. Ich denke, das ist das schönste Geschenk, dass uns der Aufenthalt in der Natur machen kann. Das Bewusstsein, das Spüren im Herzen, ganz zu Hause zu sein, ja bei Gott zu sein, an seinem Herzen zu ruhen. Dann sind wir zu uns selbst gekommen, dann haben wir unsere Mitte gefunden. Dann sind wir wieder aufgebaut. Dann sind wir wieder bereit für den Alltag.