Ausholzen für die Auerhühner

Auf der St. Galler Seite der Schwägalp liegt unterhalb der Passhöhe ein Reservat, in dem unter anderem Auerwild vorkommt. Mit Massnahmen wie Ausholzungen soll der Lebensraum des scheuen Hühnervogels aufgewertet werden. Die Entwicklung braucht aber Zeit.

Martin Knoepfel
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Revierförster Reto Hürlimann (Dritter von rechts) orientiert im Lauchriet über Massnahmen zur Verbesserung des Lebensraums des Auerwildes. (Bild: Martin Knoepfel)

Revierförster Reto Hürlimann (Dritter von rechts) orientiert im Lauchriet über Massnahmen zur Verbesserung des Lebensraums des Auerwildes. (Bild: Martin Knoepfel)

SCHWÄGALP. Wildhüter Urs Büchler stellt das ausgestopfte Auerhuhn auf den Boden der Lichtung. Sofort beschnuppert sein Hund das seltsame Objekt intensiv, das wie ein Vogel aussieht und so untypisch stillsitzt. Zwei Wanderer gehen vorbei, ohne das Präparat und den doppelt so grossen ausgestopften Hahn eines Blickes zu würdigen. Gestern orientierten die Waldregion 5 und der Wildhutkreis 6 auf der Schwägalp über Massnahmen zur Aufwertung des Lebensraums des Auerwildes, von dem auf der Schwägalp sechs bis acht Tiere leben. Landesweit sind es noch rund 450.

«Normalsterbliche» bekämen meist kein Auerwild zu sehen, sagte Urs Büchler. Das Auerwild sei die grösste Hühnervogelart. Hierzulande könnten Männchen vier bis fünf Kilo schwer werden. Das Auerwild sei sehr gut ans Leben im Schnee angepasst. Es brauche gut strukturierte Lebensräume mit Nadelwald und Heidelbeersträucher, da sich die Tiere im Sommer vor allem von Heidelbeeren und im Winter von Nadeln der Tannen ernährten.

Gegen Schuldzuweisungen

Man müsse gemeinsam Lösungen anstreben. Gegenseitige Vorwürfe von Forst und Jägern brächten keine Fortschritte, sagte der Vertreter des Waldrats der Waldregion, Werner Ackermann. Das Waldreservat Kreisalpen sei auf das Auerwild ausgerichtet, sagte Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5, die das Toggenburg umfasst. Wenn Lebensräume Auerwild-freundlich seien, profitierten auch andere Tiere, etwa Sperlingskäuze, sagte Christof Gantner.

Früher sei die Schwägalp ein idealer Lebensraum fürs Auerwild gewesen, da es weniger Störungen als heute gegeben habe, sagte Christof Gantner. Da sich die Bewirtschaftung der Wälder geändert habe und diese dichter geworden seien, sei der Lebensraum der Tiere geschrumpft. Dazu kämen mehr Freizeitaktivitäten. Auerwild reagiere sehr empfindlich auf Störungen. Die Menschen aus dem Wald zu vertreiben, sei nicht beabsichtigt. Vielmehr gelte es, die touristische Nutzung an die richtigen Orte zu lenken. Im Gebiet des Chräzerenpasses hätten Auerhühner ihren Lebensraum nach einem grossen Holzschlag wieder ausgeweitet, sagten Christof Gantner und Urs Büchler. Die Kosten für das Waldreservat betragen rund 100 000 Franken im Jahr, ein Teil davon sind Beiträge an sonst nicht rentable Holzschläge.

Anflugschneisen schaffen

Weitere Referenten waren die Revierförster Ernst Aerne, Thomas Abderhalden und Reto Hürlimann. Sie zeigten im Lauchriet und an zwei Orten im Wittiriet, was ungeeignete Lebensräume sind und wie man sie aufwertet. Im Lauchriet wurden rund 100 Kubimeter Holz geschlagen. In der so entstandenen Lichtung soll die Heidelbeere aufkommen. Zudem wurden Anflugschneisen für das Auerwild geschaffen. Bei Buchen wurde die Rinde ringförmig abgeschält, damit sie absterben. Bäume mit tiefer Krone, die im Winter Unterschlupf bieten, blieben erhalten. Im Wittiriet Mitte ist der Wald dicht. Dort wurde ausser der Auswahl der zu fällenden Bäume noch nichts getan. Im Wittiriet West wurde vor zehn Jahren ausgelichtet. Heidelbeer- und Himbeersträucher stehen nun schon kniehoch.

Im Wittiriet begleitet uns der Ruf eines Vogels. Lässt das Auerhuhn wenigstens von sich hören? Reto Hürlimann verneint. Es sei der Schwarzspecht, der auf Totholz angewiesen sei. Am Chräzerenpass hat uns die Zivilisation wieder, mit dem Geräusch von Motorrädern auf der Passstrasse.