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AUSFUHR: Mit Käse Mäuse machen: USA sind scharf auf Toggenburger Käse

Käse aus dem Toggenburg findet seine Abnehmer nicht nur im Tal, sondern auch in Übersee. Selbstverständlich gehören die exportierten Milchprodukte zu den höherpreisigen Spezialitäten. Beim Marketing führen verschiedene Wege ans Ziel.
Martin Knoepfel
Käselaibe im Keller der Städtlichäsi in Lichtensteig. (Bild: Sabine Schmid)

Käselaibe im Keller der Städtlichäsi in Lichtensteig. (Bild: Sabine Schmid)

Wer an Exporte aus dem Toggenburg denkt, meint die Metallindustrie. Zu Recht. Aber auch andere Branchen verkaufen ins Ausland. Etwa die Käser. Das «Toggenburger Tagblatt» sprach mit zwei Käsern, Walter Räss aus Tufertschwil und Willi Schmid aus Lichtensteig, über ihre Erfahrung im Verkauf von und über Probleme im Export von Käse.

USA als wichtigster Exportmarkt

Walter Räss liefert vor allem den «Chällerhocker», von dem er rund 100 Tonnen im Jahr herstellt. Davon gehen zwei Drittel in den Export. Der «Chällerhocker» reift vor dem Verkauf zehn bis zwölf Monate. Die USA (40 Prozent der exportierten Menge) sind der wichtigste Absatzmarkt vor Deutschland (15 Prozent) und Frankreich. Ein Käsehändler aus Frankreich nimmt Käse ab und verkauft ihn weiter in verschiedene Länder, bis nach Australien. «Von der Rezeptur her gibt es keinen Unterschied zwischen dem ‹Chällerhocker›, der hierzulande verkauft wird und dem Käse, der in andere Länder geht», sagt Walter Räss. Der in die USA gelieferte Käse wird nach etwa neun Monaten verpackt, weil die Reise nach New York gut drei Wochen dauert und der Käse von dort an Geschäfte im ganzen Land geht. «Es braucht Zeit, bis ein Laib verbraucht ist. In den USA wird der Käse in 100-Gramm-Portionen verkauft», sagt Walter Räss und deutet so an, dass es sich um ein Premium-Produkt handelt.

Die Käserei Räss in Tufertschwil. (Bild: Martin Knöpfel)

Die Käserei Räss in Tufertschwil. (Bild: Martin Knöpfel)

Selber hat der Tufertschwiler nur zu Beginn seiner Tätigkeit bei Käsehändlern anklopfen müssen. Meistens seien Interessenten auf ihn zugekommen, sagt Walter Räss. Der Kontakt zum Händler, der «Chällerhocker» in Deutschland verkauft, kam an den Toggenburger Käsetagen zustande. Der Papierkrieg für den Export sei Übungssache, bis man wisse, welche Formulare es brauche. Er habe noch nie Probleme an der Grenze gehabt. Wichtig sei, dass der Käse richtig deklariert sei, sagt Walter Räss.

Willi Schmid exportiert etwas mehr als ein Drittel seiner Produktion, hauptsächlich über InterCheese AG. Er selber habe keinem Abnehmer nachlaufen müssen. Immer wieder seien Kunden an ihn herangetreten, sagt Willi Schmid. Viele Kontakte seien über den Maître Fromager Rolf Beeler zustande gekommen. Und dann erwähnt Willi Schmid noch einen Absatzkanal, an den der Laie wohl nicht denkt: Nachdem Produkte aus der Lichtensteiger Städtlichäsi den Erstklass-Passagieren der Swiss angeboten worden waren, kamen Anfragen von Hotels aus Singapur und Hongkong.

Delikatessgeschäfte und Spitzenrestaurants

Willi Schmid liefert den Käse im Export an Delikatessgeschäfte und an die Spitzengastronomie. Im Export beliefert er für jedes Land nur einen Importeur exklusiv, wobei er darauf achtet, dass er auch genug Käse für die einheimischen Kunden hat. Mit den Zollformalitäten hat der Lichtensteiger Käser nicht viel zu tun, denn das erledigt der Spediteur. Die gesetzlichen Anforderungen an die Produktion sind in der Schweiz gleich wie in der EU.

Seine Rezepte ändert Willi Schmid für den Export nicht – mit einer Ausnahme. Australien verbietet die Einfuhr von Rohmilch. Milch für den für Australien bestimmten Käse wird auf über 64 Grad erwärmt. Nach «Down Under» wird junger Käse exportiert, denn die Reise dauert sechs Wochen. Auch für Willi Schmid sind die USA ein wichtiger Markt. In Europa sind es Deutschland, die Beneluxstaaten, Österreich und momentan Russland. «Die USA sind einfacher zu beliefern als Italien und Frankreich.» Deutsche Kunden kaufen oft direkt in Lichtensteig ein, sagt Willi Schmid.

Wertmässig wird mehr exportiert als importiert

Die Switzerland Chees Marketing AG informiert über die Käseexporte und -importe. Die neuesten Zahlen stammen von 2016. Von 2015 auf 2016 Jahr stiegen die Schweizer Käseexporte um 2,5 Prozent auf 70 198 Tonnen. Der Export nach Europa steigerte sich um 2,7 Prozent und die Ausfuhr nach Übersee um 2,5 Prozent. Gewichtsmässig wurde im Jahr 2016 insgesamt 20 Prozent mehr Käse exportiert als importiert. Wertmässig beträgt der Export das 1,7-Fache der Einfuhr. Das zeigt, dass die Schweiz vor allem höherpreisige Käse (Premiumprodukte) ins Ausland verkauft. Der wichtigste Absatzmarkt ist Deutschland mit 31 485 Tonnen. Das sind rund 45 Prozent der gesamten Exporte. Mit je gut mehr als 17 Prozent der Menge sind der Emmentaler AOP und der Gruyère AOP die wichtigsten Sorten unter den Käseexporten. (mkn)

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