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Aus Wolfhalden in die Welt

Carbone Interior Design – kaum ein Laie kennt die relativ kleine Firma aus Wolfhalden. In Fachkreisen ist das Innenarchitekturbüro jedoch ein Begriff. Inhaber Claudio Carbone gehört im Luxussegment zu den gefragtesten Designern Europas.
Karin Erni
«Begriffe wie Wärme und Geborgenheit spielen in der Innenarchitektur eine elementare Rolle», sagt Claudio Carbone. (Bild: pd)

«Begriffe wie Wärme und Geborgenheit spielen in der Innenarchitektur eine elementare Rolle», sagt Claudio Carbone. (Bild: pd)

WOLFHALDEN. Bis zu 16 000 Franken kostet eine Suite im Spa Tower des Grand Resort Bad Ragaz pro Nacht. Das exklusive Ambiente auf 440 Quadratmetern, welches man dafür geboten bekommt, hat eine relativ kleine Firma aus Wolfhalden gestaltet. Carbone Interior Design richtet führende Hotels, exklusive Häuser und Wohnungen ein. «Wir tragen den Namen Wolfhalden in die Welt hinaus», sagt Inhaber Claudio Carbone. Der 50-Jährige stammt aus dem deutschen Oberstdorf. Als gelernter Schreiner bewies er schon früh Talent und war Bester seines Jahrgangs. Nach dem Umzug in die Schweiz 1984 hat er sich zum Innenarchitekten weitergebildet. Am 1. Dezember 1999 gründete er seine eigene Firma in Walzenhausen. Nach zwei Jahren hatte sie bereits die heutige Grösse erreicht. Als sich die Gelegenheit ergab, ein von einer Gärtnerei genutztes, ehemaliges Bauernhaus in Wolfhalden zu übernehmen, baute Carbone es um und zog mit der Firma und seiner Familie dort ein.

Eigenen Weg gehen

Die vielbeklagte Eurokrise ist spurlos am Wolfhalder Unternehmen vorbeigegangen. «Obwohl wir 40 Prozent teurer sind als die Konkurrenz im Ausland, sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Neue Kunden müssen sich zum Teil ein bis zwei Jahre gedulden», sagt Carbone. Nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt, sagt er: «Wir gehen andere Wege als unsere Mitbewerber.» Zuerst werde immer mit Bleistift auf Papier entworfen. Erst wenn der Kunde sage, «so kann ich mir das vorstellen», werde mit modernstem CAD gearbeitet. «Wenn man von Anfang an am Computer entwirft, leidet die Kreativität», ist Carbone überzeugt. «Es besteht die Gefahr, dass man immer dasselbe macht.» Er zeigt als Beispiel den Entwurf eines Hotelzimmers. Der Teppichboden besteht aus einem Rankenmuster, das um das Bett herum verläuft. «Am Computer hätte man ein Standardmuster gewählt. Dieses hier wurde dagegen in einer Weberei extra für diesen Auftrag angefertigt. «Wer so viel Geld für ein Hotelzimmer ausgibt, will etwas erhalten, was er noch nie gesehen hat.»

Grosse Materialvielfalt

Verschiedene Projekte hat Claudio Carbone mit dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano realisiert. Grosse Architekten zögen oft spezialisierte Innenarchitekten bei, sagt Carbone. «Sie haben genügend Aufträge und dieselbe Honorarbasis wie wir.» Bei weniger bekannten Architekten herrsche dagegen ein gewisser Futterneid. Zu Unrecht, findet Carbone und zeigt seinen Materialisierungsraum. Hier lagern Stoff-, Holz- und Teppichmuster der namhaftesten Hersteller. «Wir erhalten zweimal pro Jahr die aktuellen Kollektionen. Es gibt so viele verschiedene Materialien, das überfordert einen Architekten.» Ausserdem mache das Honorar des Innenarchitekten mit 15 Prozent einen relativ kleinen Anteil an den gesamten Projektkosten aus, so Carbone. «Kompetenz ist nicht teuer, Inkompetenz ist teuer! Wenn gut und seriös geplant wird, macht sich das bezahlt.» Gute Handwerker zu finden, sei das grosse Problem: «Ich wage zu behaupten, dass in 20 bis 30 Jahren ein guter Handwerker mehr verdienen wird als ein Akademiker. Seiner Tochter, die ebenfalls Innenarchitektin werden möchte, rät er, zuerst ein Handwerk zu lernen. «So hat sie bessere Grundlagen.»

Arbeit muss Spass machen

«Wir bauen eher zeitlos. Was heute hip ist, kann man in ein paar Jahren meist nicht mehr anschauen», sagt Claudio Carbone. Es müssen auch nicht immer Luxusaufträge sein. So baut er schon einmal einen alten Stadel zu einem Hoteltrakt um, «weil die Wirtsleute so nett sind». Oder er richtet ein heruntergekommenes Low-Budget-Hotel mit Ikea-Restposten ein. Das entwickelt sich so erfolgreich, dass der Inhaber das Konzept gleich beibehält. Oder er hilft einem Studenten, der ein eigenes Restaurant eröffnen will, das Lokal ohne teuren Schnickschnack einladend einzurichten. «Ein Auftrag muss Spass machen, nicht die Grösse ist entscheidend.»

Weiter wachsen will Carbone trotz guter Auftragslage aber nicht. «Wir haben doppelt so viele Anfragen, wie wir ausführen können. Klar könnte ich mehr Leute einstellen und mehr arbeiten. Aber was nützt mir das? Ich kann nicht mehr essen und habe alles, was ich brauche», sagt der Unternehmer. So achtet er konsequent darauf, nicht mehr als 42,5 Stunden zu arbeiten. Den Rest der Zeit ist er für die Familie da. Für seine Angestellten gilt dasselbe. «Sie sollen ihr Wochenende geniessen können und am Montag mit vollen Batterien wiederkommen.»

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