Aus «man» wird «Mann»

Brosmete

Bruno Eisenhut
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«Man» habe viel Aufwand betrieben, um diese Silbermedaille zu gewinnen, sagte Wendy Holdener nach ihrem Erfolg im Slalom an der Ski-WM in St. Moritz. Oder «man» sei schon sehr angespannt gewesen vor dem Schlussgang am Eidgenössischen Schwingfest, sagte der spätere Schwingerkönig Matthias Glarner. Wenn die Sprechenden in der Allgemeinheit aufgehen oder aufgehen möchten, verwenden sie das Wort «man», heisst es im Duden zu diesem Pronomen. Es schaudert mich, wenn Personen bei einem Interview ihre Leistung oder ihre Emotion hinter dem Wort «man» schmälern, meist der Unsicherheit wegen. Oder haben sie den grossen Michael Schumacher nach einem seiner zahlreichen Siegen sagen gehört, dass «man» gar nicht so schlecht gefahren sei? Oder hat Snowboard-Olympiasieger Juri Podladtschikow jemals in einem Interview gesagt, dass «man» mit sehr tollen Sprüngen in der Halfpipe überzeugt habe?

Das Wort «man» wird aber nicht nur verwendet, um in gut schweizerischer Zurückhaltung die eigene Leistung zu schmälern. Vielmehr können damit Entscheidungen mitgeteilt werden. «Man hat sich für eine andere Variante entschieden», heisst es dann schön sanft. Oder ähnlich. Künftig dürfte diese Form der Äusserung wohl auch im Ausserrhoder Regierungsrat vermehrt verwendet werden. «Man hat diesen Antrag gutgeheissen», dürfte es dann in den Protokollen und Medienmitteilungen heissen. Nach den jüngsten Wahlen und dem Verschwinden der einzigen Frau aus dem Regierungsrat eröffnen sich den Verfassern der regierungsrätlichen Protokolle oder der Medienmitteilungen zusätzliche Möglichkeiten. Auch stimmen wird künftig: «Mann hat diesen Antrag gutgeheissen.»

Bruno Eisenhut