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Aus Holz geschnitztes Brauchtum

Die «Brutfuederträgete» war bis vor 100 Jahren ein gängiger Heiratsbrauch im Toggenburg: Vor der Hochzeit musste das «Fueder» der Braut ins neue Haus transportiert werden. Eugen Imholz aus Wattwil schnitzte eine solche «Trägete».
Raffaela Arnold
Die Reihenfolge der Träger ist vorgegeben: Zuerst die Kommoden, dann die Schränke, Tische und Stühle.

Die Reihenfolge der Träger ist vorgegeben: Zuerst die Kommoden, dann die Schränke, Tische und Stühle.

WATTWIL. Vor mehr als 100 Jahren, als die Strassen noch keine richtigen Strassen waren und nicht jede Familie über Fuhrwerke verfügte, war es noch gang und gäbe, dass der Mann das Haus und die Frau den Hausrat in die Ehe mitbrachte. Dieser über Jahre hinweg gesammelte Hausrat musste jedoch vor der Hochzeit ins neue Haus transportiert werden. Die Männer vom Dorf wurden aufgeboten, mit Hilfe eines Kastenbocks auf dem Rücken die Schränke, Tische, Betten und Waschzuber zu transportieren. Auf Fusswegen marschierte das Brautfuder teils vom einen zum anderen Ende des Tales. Obwohl es eine strenge Arbeit war, waren die Träger frohen Mutes. Oft hielten sie unterwegs an, um miteinander anzustossen. Der Wattwiler Eugen Imholz schnitzte eine solche «Brutfuederträgete». Seine Figuren stellen das Brauchtum wahrheitsgetreu dar.

Ausstellung dazu im Museum

Auf die Idee, eine solche «Zöglete» zu schnitzen, sei er gekommen, als er zufällig davon in einem Jahrbuch der Toggenburger Annalen gelesen hatte. Als er bereits vier Figuren geschnitzt hatte, kam ihm zu Ohren, dass das Toggenburger Museum in Lichtensteig zum Thema Heiratsbräuche im Toggenburg ausstellte – mitunter zur «Brutfuederträgete». Er schaute sich die Ausstellung an und bekam weitere Ideen, wie seine «Trägete» aussehen sollte. Dabei stehen die Figuren nicht willkürlich. Eine Zeitzeugin berichtet, an erster Stelle im Zug seien die Kommoden gewesen, dann die Schränke, Kanapees, Tische und Stühle. Eugen Imholz hielt sich daran. Für den pensionierten Schriftsetzer ist Schnitzen das wichtigste Hobby. Eine Figur ergibt gut sechs bis sieben Stunden Arbeit. Für das ganze Brautfuder wendete er gegen vier Arbeitswochen auf. Alles an den aus Lindenholz gefertigten Figuren und ihrem «Fueder» ist selber gemacht. «Nur die Textilien hat meine Frau genäht», lenkt Eugen Imholz ein.

Kreativer Mensch

Gelernt hat er das Schnitzen 2007 in einem «Chüelischnitzkurs» auf dem Wigetshof in Oberhelfenschwil. «Ich bin ein kreativer Mensch», beschreibt sich Eugen Imholz. Veränderungen fände er gut. So schnitzte er anfangs Kühe und Alpaufzüge, kam aber dennoch bald auf die Idee, das vielfältige Brauchtum im Toggenburg aufzuarbeiten. Seither schnitzt er neben Alpaufzügen auch Sennenfeste, Jodelchörli oder einen Bauer beim Melken seiner Kuh. Die Figuren bemalt Eugen Imholz selber.

Die «Brutfuederträgete» war jedoch eine besondere Herausforderung, weil nicht nur die Personen, sondern auch alle Möbel der Braut gestaltet werden mussten.

Eugen Imholz vor seiner «Brutfuederträgete».

Eugen Imholz vor seiner «Brutfuederträgete».

Alles handgemacht: Die Figuren schnitzte Eugen Imholz aus Lindenholz, die Textilien nähte seine Frau. (Bilder: Raffaela Arnold)

Alles handgemacht: Die Figuren schnitzte Eugen Imholz aus Lindenholz, die Textilien nähte seine Frau. (Bilder: Raffaela Arnold)

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