Aus für Appenzeller Stickereihaus

REUTE. Im Stickereilokal von Lina Bischofberger sollte das Appenzeller Stickereihaus entstehen. Eine IG wollte die Geschichte des einst bedeutenden Ausserrhoder Erwerbszweigs erlebbar machen. Das Projekt scheitert an der Finanzierung.

Mea Mc Ghee
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Arthur Sturzenegger Präsident IG Appenzeller Stickereihaus (Bild: mc)

Arthur Sturzenegger Präsident IG Appenzeller Stickereihaus (Bild: mc)

Lina Bischofberger bereitet am Stubentisch einen Versand vor. Die 90-Jährige faltet und verpackt bestickte Taschentücher. Mit dem so genannten Monogramm-Apparat hat sie das Landschaftsmotiv auf eine Serie handrollierter Taschentücher gestickt. «Aufträge sind zwar selten geworden», sagt Lina Bischofberger, «aber ich habe immer Arbeit auf der Maschine, damit ich Gästen das Handwerk zeigen kann.» Im Stickereilokal ihres Hauses im Steingocht in Reute betreibt sie eine der letzten Handstickmaschinen des Appenzellerlandes. Einst jedoch war die textile Heimarbeit in Appenzell Ausserrhoden ein wichtiger Erwerbszweig.

Wissen bewahren

Das Wissen über diesen Teil der Ausserrhoder Wirtschaftsgeschichte wollte die IG Appenzeller Stickereihaus bewahren – ja viel mehr lebendig halten. Mit dem Ziel, Bischofbergers Haus zu kaufen und darin das Appenzeller Stickereihaus einzurichten, entstand vor vier Jahren die gleichnamige IG. Initiant war Fotograf Mäddel Fuchs, der Lina Bischofberger für die Ausstellung «Leute von Reute» porträtiert hatte. Der achtköpfigen IG gehörten unter anderem an: Präsident Arthur Sturzenegger, Simon Spillmann, Geschäftsführer Appenzellerland über dem Bodensee, Urs Berger, Geschäftsführer Appenzellerland Tourismus AR sowie Ernst Pletscher, Gemeindepräsident von Reute.

Studie der Fachhochschule

Die Fachhochschule St. Gallen hat 2013 ein Managementkonzept erstellt. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden finanzierte einen Teil der Studie mit dem Titel «Handmaschinenstickerei – Das Ringen um den Erhalt einer Appenzeller Tradition». In der Folge strebte die IG Appenzeller Stickereihaus die Gründung einer Genossenschaft an, welche die Liegenschaft Bischofberger erwerben sollte. Von Privaten hätten sie viel Zuspruch erfahren, so Arthur Sturzenegger. Mit zwei Ausnahmen hätten auch alle Vorderländer Gemeinden sowie einzelne von «ennet dem Goldachtobel» Beiträge zugesichert. Trotz positivem Ergebnis der Studie habe aber der Kanton Appenzell Ausserrhoden jede weitere finanzielle Unterstützung abgelehnt. «Dadurch blieben die Türen für weitere zwingend notwendige Unterstützung durch Institutionen, Stiftungen und andere Kantone verschlossen», schreibt die IG in einer Medienmitteilung.

Karin Jung, Leiterin des Ausserrhoder Amtes für Wirtschaft sagt dazu auf Anfrage: «Es besteht keine gesetzliche Grundlage, wonach der Kanton Genossenschaftskapital zeichnen kann.» Und nur dafür sei seitens der IG Appenzeller Stickereihaus eine Anfrage eingegangen.

Produktion weiterführen

«Das Stickereihaus sollte kein Museum, sondern ein authentisches Anschauungsobjekt sein», sagt Arthur Sturzenegger. In Bischofbergers Stickereilokal, wo das Handwerk über Generationen betrieben worden ist, sollten Gäste die Herstellung qualitativ hochwertiger Produkte erleben können. «Uns war wichtig, die Produktion weiterzuführen, ja gar zu steigern», so Sturzenegger. Er bedauert, dass das Projekt nun nicht realisiert werden kann. So gehe wohl ein grosser Wissensschatz verloren, wenn Lina Bischofberger dereinst das Handwerk aufgibt.

Seit 1948 übt Lina Bischofberger die Handstickerei aus. Mit der «Fädelmaschine» rüstet die 91-Jährige die Nadeln mit Fäden aus. (Bild: Karin Erni)

Seit 1948 übt Lina Bischofberger die Handstickerei aus. Mit der «Fädelmaschine» rüstet die 91-Jährige die Nadeln mit Fäden aus. (Bild: Karin Erni)

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