Aus für 300 Bahnübergänge?

Bis Ende 2014 müssen die Appenzeller Bahnen mehr als die Hälfte aller Bahnübergänge sanieren. Um die Verfahren zu beschleunigen, hat das Bahnunternehmen in Gonten und Bühler zwei Pilotprojekte lanciert.

Patrik Kobler
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herisau. Seit Jahren befassen sich die Appenzeller Bahnen mit einer Mammutaufgabe: die Sanierung ihrer über 530 Bahnübergänge. Die gefährlichsten Übergänge wurden bereits entschärft, trotzdem entsprechen mehr als die Hälfte immer noch nicht den geltenden Bestimmungen. Bis spätestens Ende 2014 müssen sie entweder saniert oder aufgehoben werden, so sehen es die gesetzlichen Vorgaben vor. Die Appenzeller Bahnen versuchen deshalb, die manchmal langwierigen Verfahren zu beschleunigen.

Anstatt jeden Übergang isoliert zu betrachten, wird nun in zwei Pilotprojekten in Gonten und Bühler für das gesamte Gebiet des Bezirks bzw. der Gemeinde geplant und in Zusammenarbeit mit den Behörden und Grundbesitzern nach Lösungen gesucht.

150 Schliessungen

Die sicherste und langfristig kostengünstigste Variante sei die Schliessung eines Bahnübergangs, sagt Roland Steingruber, Leiter Infrastruktur.

Von den über 340 noch zu sanierenden Bahnübergängen sollen deshalb rund 150 geschlossen und die Liegenschaften durch rückwärtige Erschliessungen versorgt werden. Dies kann den Bau von neuen Strassen bedeuten, für die unter anderem die Grundbesitzer zur Kasse gebeten werden können. Im Pilotbezirk Gonten wird mit Kosten von insgesamt 2,8 Mio. Franken gerechnet. Kanton und Bezirk zahlen je einen Drittel, die Grundeigentümer und die Bahn je einen Sechstel.

In Gonten ist vorgesehen, einige Übergänge aufzuheben. Darüber informierten die Appenzeller Bahnen kürzlich an einem öffentlichen Orientierungsabend (s. Ausgabe vom 31. August) und ernteten dabei Kritik. Einige Grundbesitzer konnten sich nicht einverstanden erklären mit der bei ihnen vorgesehenen Lösung. Einen gemeinsamen Nenner zu finden, stellt eine Herausforderung dar. Oftmals seien viele Gespräche nötig, sagt Steingruber.

Gesetzliches Korsett

Die Schliessung eines Bahnübergangs ist nicht die einzige Option, um die Sicherheit zu verbessern. Das Gesetz sieht grundsätzlich eine Schranke vor, wo jedoch wenig Verkehr ist, genügt auch ein Blinklicht oder ein Andreaskreuz. Freilich können die Appenzeller Bahnen nicht nach eigenem Gutdünken schalten und walten, vielmehr werden die Möglichkeiten durch ein enges gesetzliches Korsett eingeschränkt.

Sobald die einzelnen Lösungen vorliegen, werden sie in einem Dossier zusammengetragen, das danach für das Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Verkehr in Bern eingereicht wird. Hier können noch einmal Einsprachen vorgenommen und so die Umsetzung eventuell noch einmal verzögert werden. Steingruber hofft jedoch, nächstes Jahr vom Bundesamt für Verkehr für die Pilotprojekte Gonten und Bühler die Plangenehmigung zu erhalten. Ab dann gilt eine Frist von fünf Jahren für die Ausführung.