Aus Costa Rica zur Ausstellung

Jährlich präsentieren verschiedene Künstler und Handwerker im Puppenmuseum Waldfee während vier Tagen ihre Kreationen. Die Ausstellung dient auch dazu, den Betrieb des Puppenmuseums übers restliche Jahr finanziell zu sichern.

Chris Gilb
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Gabi Müller Gloor zeigt den Schmuck, den sie in ihrer Wahlheimat Costa Rica aus Knöpfen und Perlen herstellt. (Bild: cg)

Gabi Müller Gloor zeigt den Schmuck, den sie in ihrer Wahlheimat Costa Rica aus Knöpfen und Perlen herstellt. (Bild: cg)

WALD. Gabi Müller Gloor leidet noch etwas unter einem Jetlag, erst am Vortag ist sie aus San José in die Schweiz geflogen. Die Inhaberin des Puppenmuseums Waldfee in Wald hat seit 20 Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Costa Rica. Dort stellt sie mit Knöpfen aus der Schweiz und Perlen aus Costa Rica ihre Schmuckkreationen her, die sie unter anderem in dem kleinen Lädeli im Erdgeschoss des Museums verkauft. Nun hat sie wieder andere Künstler zu sich eingeladen, wie sie es seit 23 Jahren tut. «Kunsthandwerk im Puppenmuseum» heisst die Ausstellung, die kommenden Donnerstag startet.

Vor statt im Museum

«Bis vorletztes Jahr fand die Ausstellung im Museum selbst statt, doch dort reichte der Platz nicht mehr und weder die Ausstellungsobjekte des Museums noch die Kreationen der Künstler konnten noch ihre optische Wirkung entfalten», sagt Müller. Seitdem präsentieren und kreieren die Aussteller nun an Ständen vor dem Museum ihre Erzeugnisse. Die Idee hinter der Ausstellung sei natürlich auch, die Besucher auf das Museum aufmerksam zu machen und sie dazu anzuregen, dieses auch unter dem Jahr zu besuchen. Weiter soll der Verkauf ihrer Schmuckkreationen an der Veranstaltung auch helfen, den Betrieb des Museums finanziell sichern. Müller Gloor zieht einen Vergleich mit Costa Rica: «Dort gibt es wenig kulturelle Angebote, doch wenn einmal etwas stattfindet, begibt sich das ganze Volk hin.» In der Schweiz sei es anders. Hier müssten sich die vielen Museen die Besucher untereinander aufteilen. Unter ihren jeweiligen Ausstellern seien echte Künstler, aber auch solche, die sich an der Grenze von Kunst und Handwerk bewegen. Bei der Auswahl der sechs Aussteller sei ihr wichtig, dass, im Sinne der Vielfalt, jeder ein anderes Material bearbeite. Mario Campigotto aus Gossau, der aus einem Stück Holz allerlei Figuren sägt, ist dieses Jahr etwa wieder dabei oder Robert Wenk aus Wald, der Kunstkeramik und Glaswerke in der Fusionstechnik herstellt. Die anderen Aussteller beteiligen sich dieses Jahr zum ersten Mal und zeigen ihre Kreationen aus Blech, Blumen oder Papier.

Endlich Persil-Puppe gefunden

Müller Gloor selbst hat ihre aktuellsten Schmuckstücke aus Costa Rica mitgebracht. Die Monate im Jahr, die sie in der Schweiz weilt, nutzt sie auch, um ihr Museum wieder zu ordnen. «Ich erhalte immer mehr Gegenstände. Wenn die Besucher eintreten, sind sie oft erschlagen von der Menge und wissen gar nicht, auf welche Puppe sie ihren Blick zuerst richten sollen.» Unter all den geschenkten Puppen seien auch so manches Mal echte Raritäten: «Früher gab es eine Werbung für Persil mit einer Puppe, solch eine habe ich mir immer gewünscht. Nun konnte ich eine aus einem Nachlass übernehmen.» Während Müller in Costa Rica weilt, übernehmen andere die Führungen durchs Museum, das einen neuen Namen bekommen soll. «Ich habe gemerkt, dass der Name Puppenmuseum Männer abschreckt.» Wenn sie sich dann doch überwunden hätten, einzutreten, würden sie sich sehr wohl im Museum fühlen. Deshalb will sie es zukünftig auch Spielzeugmuseum nennen. «Dann wollen die Männer hoffentlich keinen Spaziergang mehr machen, während ihre Frauen die Ausstellung besuchen», sagt Müller.

«Kunsthandwerk im Puppenmuseum», 29.10–1.11, täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr.