Auftrieb dank Bibliotheksgesetz

Die Ebnat-Kappler Bibliotheksleiterin Paula Looser vertritt die Gemeindebibliotheken beratend in der neu geschaffenen kantonalen Bibliothekskommission, die über Förderkriterien und Fördergelder entscheidet. Sie wünscht sich innovative Projekte auch in den Regionen.

Hansruedi Kugler
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Bibliotheksleiterin Paula Looser in der Bibliothek Ebnat-Kappel. (Bild: Hansruedi Kugler)

Bibliotheksleiterin Paula Looser in der Bibliothek Ebnat-Kappel. (Bild: Hansruedi Kugler)

Frau Looser, fliesst bald kantonales Fördergeld in die Toggenburger Bibliotheken?

Paula Looser: Das hängt von den Projekten ab, die eingereicht werden. Dafür stehen ab diesem Jahr jährlich 350 000 Franken zur Verfügung. Für bauliche Massnahmen oder für die Finanzierung des Betriebs gibt es allerdings kein Geld. Denn die Hauptverantwortung liegt nach wie vor bei den Gemeinden.

Wofür gibt es denn Geld?

Looser: Für Projekte in den Bereichen Leseförderung, Innovation oder Kooperation. Wir hoffen natürlich auf möglichst viele Projekteingaben. Denn das Bibliotheksgesetz ist ja eine Chance auch für die kleineren Gemeindebibliotheken.

Das von den Toggenburger Bibliotheken organisierte, mehrteilige Lesefestival bekäme wohl Fördergelder.

Looser: Ja. Solche grösseren Kulturanlässe wurden allerdings bisher schon vom Lotteriefonds unterstützt. Gut möglich, dass diese in Zukunft durch die Bibliotheksförderung unterstützt werden. Ich denke auch an andere Projekte, die die Zusammenarbeit unter den Bibliotheken verbessern könnten. So wäre etwa die Rotation der Bestände ausbaufähig. Die drei Bibliotheken Hemberg, Brunnadern und Mogelsberg tauschen zum Beispiel ihre CDs und DVDs regelmässig aus. Das ist vorbildlich. Auch die Einführung eines Kurierdienstes zwischen den Bibliotheken wäre ein Fortschritt. Und bei der Leseförderung ist jedes Projekt willkommen.

In zwei Wochen liest Franz Hohler in Ebnat-Kappel. Sollen solche Einzellesungen unterstützt werden?

Looser: Ich will das zwar nicht ausschliessen. Aber wahrscheinlich ist es nicht möglich und auch nicht sinnvoll, solche normalen Lesungen aus dem kantonalen Fördertopf zu finanzieren. Viele der 45 Gemeindebibliotheken im Kanton laden Autoren ein. Das Geld wäre schnell weg und würde für innovative Projekte fehlen. Die genauen Förderrichtlinien sind aber noch nicht definiert. Bis Mitte Jahr will sie die Bibliothekskommission verabschieden. Im Mai ist zudem eine Info-Veranstaltung geplant, an der sich Bibliotheksverantwortliche über die festgelegten Förderrichtlinien und Grundsätze, die für die Gesuche wichtig sind, informieren können.

Mit dem neuen Bibliotheksgesetz soll die bibliothekarische Grundversorgung auch in den Gemeinden sichergestellt werden. Gibt es im Toggenburg noch Gemeinden ohne Bibliothek?

Looser: Man muss unterscheiden: Die Schulen sind per Volksschulgesetz verpflichtet, eine Schulbibliothek zu führen. In vielen Gemeinden sind die Schulbibliotheken integriert in die Gemeindebibliotheken, die in der Regel auf private Initiative entstanden und als Vereine organisiert sind. Für den Erfolg einer Gemeindebibliothek ist die Zusammenarbeit mit den Schulen matchentscheidend. Auch in Ebnat-Kappel ist das so. Aber es stimmt: Die Gemeinden Oberhelfenschwil und Wildhaus-Alt St. Johann haben noch keine eigene Gemeindebibliothek. Die erwachsenen Oberhelfenschwiler gehen nach Bütschwil, Lichtensteig oder Brunnadern in die Bibliothek, die Wildhauser und Alt St. Johanner entweder nach Nesslau oder nach Buchs.

Kann die Bibliothekskommission eine Gemeinde zwingen, eine allgemein zugängliche Bibliothek zu schaffen?

Looser: Gut ist, dass das Gesetz die bibliothekarische Grundversorgung vorschreibt. Das Bibliotheksgesetz kann aber keine Gemeinde zwingen, eine Gemeindebibliothek einzurichten. Unsere Bibliothekskommission gibt nun Anregungen und Empfehlungen und motiviert dazu, die Grundversorgung zu verbessern. Ich sehe dies als wichtigen Anstoss, dass die Gemeinden ihre Bibliothekssituation diskutieren. Man muss aber die Einzelfälle und die konkrete Situation anschauen: Entscheidend sind Erreichbarkeit und Angebot. Nicht jede Bibliothek kann und soll alles anbieten. Hier braucht es Zusammenarbeit.

Wird es einen Zusammenschluss zu einer grösseren Toggenburger Bibliothek geben?

Looser: Das glaube ich nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man in jeder Region eine Verantwortliche für Spezialthemen wie interkulturelle Anlässe oder andere Veranstaltungsreihen bestimmt, oder es Bibliotheken gibt mit Schwerpunkten wie beispielsweise fremdsprachiges Medienangebot oder Reiseliteratur. Diese Schwerpunktthemen ergänzen dann das Grundangebot und stehen auch Benutzern aus anderen Bibliotheken zur Verfügung. So entwickeln die einzelnen Bibliotheken ihr eigenes Profil und können sich besser positionieren. Die Zusammenarbeit und Vernetzung spielen dabei eine wichtige Rolle.

Es gibt im Toggenburg Veranstaltungen wie Lesefestival, Lesehunger oder auch viele Bibliothekslesungen. Die Toggenburger Bibliotheken scheinen schon gut zusammenzuarbeiten. Sehen Sie das auch so?

Looser: Ja. Und das läuft schon seit einigen Jahren sehr gut. Man darf sich aber nicht ausruhen. Denn die technische Entwicklung im Bibliothekswesen ist rasant. Da müssen wir uns ständig an den Bedürfnissen der Kunden orientieren.

Wird auch die Aus- und Weiterbildung der Bibliothekarinnen durch das Bibliotheksgesetz zusätzlich gefördert?

Looser: Für diese Ausbildungen war und ist auch künftig die Kantonsbibliothek zuständig. Die Kurse für die Gemeindebibliotheken sind vom Kanton bereits stark subventioniert.

Finden Sie es richtig, dass der Kanton keine Startfinanzierung für Bibliotheksbauten auf dem Land gibt? Bei der neuen Bibliothek in der Hauptpost in St. Gallen zahlte ja auch der Kanton.

Looser: Das sind zwei verschiedene Dinge. 350 000 Franken sind nicht so viel Geld, dass man daraus auch noch Neu- und Umbauten von Gemeindebibliotheken finanzieren könnte. Aber für solche Projekte gibt es wie beim Lesefestival auch noch andere Anlaufstellen wie den Lotteriefonds, der die Gemeinden unterstützen kann. Ich bin der Meinung, dass man die 350 000 Franken für andere Projekte ausgeben sollte.

Die Bibliotheksstrategie benennt als eine Schwäche die weitherum fehlende Selbstausleihe. Wäre dies auch für Toggenburger Bibliotheken eine sinnvolle Anschaffung?

Looser: Selbstausleihe gibt es bereits in Rapperswil, Gossau, St. Gallen und Rorschach. Jedes Buch wird mit einem Chip versehen, so dass man das Buch selbständig an einem Automaten einlesen, abbuchen und abgeben kann – mit der eigenen Benutzerkarte, ähnlich wie bei einem Bancomaten.

Das tönt ziemlich unpersönlich.

Looser: Im Gegenteil, es wäre ein zusätzlicher Service. Diese Geräte sind zwar relativ teuer und lohnen sich wohl erst ab einer gewissen Bibliotheksgrösse. Wir Bibliothekarinnen hätten aber dann mehr Zeit für diejenigen Kunden, die das Gespräch suchen. Die anderen Kunden müssten nicht mehr in der Warteschlange stehen. Dies ist ein Ziel der Bibliotheksstrategie: Nämlich die Bibliothek als Begegnungsort.

Wie viele Ebnat-Kappler sind in Ihrer Gemeindebibliothek als Mitglied registriert?

Looser: Es sind rund 25 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner. Unsere Bibliothek besteht seit 2006. Eine Umfrage 2011 hat eine hohe Zufriedenheit ergeben. Für mich zeigt das, wie wichtig eine Gemeindebibliothek als Standortfaktor für eine Gemeinde sein kann.

Wo sehen Sie in Ihrer Bibliothek Handlungsbedarf?

Looser: Wir hätten gerne grössere Räume, in denen es Platz für Lesetische und Gesprächsecken hat. Eine Bibliothek sollte ein einladender Ort sein. Da haben auch andere Bibliotheken Nachholbedarf.

Haben Sie keine Angst, dass ein Grossteil der Fördergelder in die Städte gehen?

Looser: Nein. Wie gesagt, es kommt auf die Projekteingaben an. Und da bin ich zuversichtlich, dass auch aus dem Toggenburg gute Vorschläge kommen.

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