AUFSTIEG: Das Aufstiegstor fiel nach 59:44

Herisau braucht für die Elimination Rheintals Nerven und Geduld in extremem Ausmass. Der Gast hat Vorteile. Torhüter Klingler hält aber alle Pucks und den 2.-Liga-Finaleinzug fest.

Lukas Pfiffner
Drucken
Teilen
Yannick Widmer (links) erzielt 16 Sekunden vor Schluss das 1:0 zum Aufstieg. Am Ende heisst es 2:0. (Bild: Lukas Pfiffner)

Yannick Widmer (links) erzielt 16 Sekunden vor Schluss das 1:0 zum Aufstieg. Am Ende heisst es 2:0. (Bild: Lukas Pfiffner)

Da war der hohe Spielrhythmus der vergangenen Tage. Und die Anspannung. Herisauer wie Rheintaler zeigten sich vorgestern in den letzten Minuten deutlich gezeichnet; jeder Fehler konnte entscheiden. Kombinatorisch lief fast gar nichts mehr. Auf Einzelvorstössen beruhten die Aktionen, auf ein Nachrücken wurde meist verzichtet.

Jubel im Sportzentrum: Der SC Herisau gewinnt gegen den SC Rheintal mit 2:0 und steigt in die 1. Liga auf. (Bild: Lukas Pfiffner)

Jubel im Sportzentrum: Der SC Herisau gewinnt gegen den SC Rheintal mit 2:0 und steigt in die 1. Liga auf. (Bild: Lukas Pfiffner)


«Man versucht die Müdigkeit auszublenden. Es geht alles nur noch über den Willen», sagte jener Mann, der das Team des SCH und den Anhang schliesslich in einen kollektiven Freudentaumel schoss. Als sich die 678 Zuschauer schon auf ein 0:0 zum Ende der regulären Spielzeit und eine Verlängerung eingestellt hatten, kam das Aufstiegstor doch noch. 59:44 waren gespielt. «Ich bin herangeschlichen. Timo Koller spielte Richtung Bommeli, der Puck ist zu mir geprallt – und ich habe ihn aufs Tor gebracht», erzählte Yannick Widmer. Rheintal nahm den Goalie vom Feld; mit der Schlusssirene gelang Timo Koller das 2:0.

«Diesmal war es schon extrem»
Für zwei Jahre hatte Widmer, dessen Vater Romano zu Herisaus NLB-Spielern der ersten Stunde gehört, mit dem Eishockey aufgehört. Es folgten zwei Saisons in der zweiten Mannschaft – und nun diese sehr erfolgreiche in der ersten. «Wir hatten in all den Monaten ganz wenige Wechsel in den Linien», sagte er. Das Verständnis sei deshalb ausgezeichnet. «Aber Rheintal war heute ein sehr guter Gegner. Bis zuletzt.» Mit einem gewöhnlichen 2.-Liga-Torhüter hätte sich der SCH die Aussicht auf einen Abschluss der Serie nicht bewahren können. Noch nie habe er zwei Shutouts nacheinander geschafft, verriet Marc Klingler nach dem Spiel. Nun gelang ihm ein doppeltes Zu-Null innert gut 76 Stunden. «Eigentlich habe ich es gern, wenn ich viel zu tun habe: Man bleibt konzentriert und im Spiel. Aber diesmal war es zeitweise schon extrem, wie immer wieder Spieler auf mich zuliefen.» Klingler wehrte mehrmals überragend ab. Zum Beispiel gegen Paul (10.). Gegen Pfeiffer (25.). Gegen Holenstein (30.). Gegen Breitenmoser (45.).

Sehr anständig und flüssig verlaufen
Er habe die Nervosität der Vorderleute gespürt. «Ich versuchte, ihnen zu helfen, Ruhe zu vermitteln.» Natürlich war die Leistung Klinglers auf Gästeseite ebenfalls ein Thema. Aber Verteidiger Janick Diener, Herisauer in Rheintaler Diensten, meinte: «Wenn auf der Gegenseite ein so starker Torhüter steht, heisst das: Du musst noch mehr machen, konsequenter auf Abpraller gehen, den Puck einmal reinwürgen. Das gelang uns nicht.»

Die Rheintaler hatten gegenüber dem Samstag Umstellungen vorgenommen, verzeichneten mehr Schüsse und Chancen als der SCH, sie stellten sich geschickt in die Lauf- und Passwege. «Wir hatten uns vorgenommen, nach der schlechten zweiten Partie wieder geradlinig aufzutreten.» Herisau habe den Finaleinzug gewiss nicht gestohlen. Doch über drei Spiele gesehen sei Rheintal nahezu gleichwertig gewesen, ergänzte Diener. «Das Quäntchen Glück hat gefehlt. Aber wir leisteten unseren Teil für einen hochstehenden und stimmungsvollen Halbfinal.» Das dritte Spiel verlief sehr anständig und flüssig. Es war vor 22 Uhr zu Ende (was den offiziellen Teil auf dem Eis betraf).

Am Dienstag beginnt im Sportzentrum die Finalserie gegen Prättigau, das sich gegen Dürnten ebenfalls in drei Partien durchgesetzt hat und in die 1. Liga aufgestiegen ist. Trainer Markus Rechsteiner hat keine Angst, dass die Spannung nun zusammenbrechen und «die Luft» draussen sein könnte. «Für die Bündner ist die Situation gleich. Jetzt wollen wir diesen Pott. Ich habe frei gegeben bis am Freitag, dann gilt es sich neu zu konzentrieren», sagte er. Derweil brachte Captain Roman Popp einen Harass Bier in die Rheintaler Kabine.

Herisau – Rheintal 2:0 (0:0, 0:0, 2:0)
Sportzentrum. – 678 Zuschauer. – Sr. Egli/Mattli.
Tore: 60. (59:44) Widmer (T. Koller, Bommeli) 1:0. 60. (60:00) T. Koller (Bommeli) 2:0.
Herisau: Klingler; M. Koller, Studerus; Homberger, Noser; Olbrecht, Rutishauser; Bleiker; Bommeli, Widmer, T. Koller; R. Popp, Rotzinger, Speranzino; Grau, Pace, Jeitziner; Biefer, M. Popp, Hausammann.
Rheintal: Metzler; Obrist, Paul; D. Bartholet, Diener; Berweger, Sabanovic; Bärtsch, Holenstein, Breitenmoser; Ströhle, S. Bartholet, Pfeiffer; Schawalder, Moser, Strebel; Binder, Sutter, Knöpfel; Stoop.
Strafen: Herisau 3mal 2 Minuten, Rheintal 4mal 2 Minuten.
Bemerkungen: Herisau ohne Matteo (verletzt). 15. Pfostenschuss Bommeli. 59:44 Timeout Rheintal, anschliessend ohne Torhüter.