Aufstellplanschbecken statt Sportauto

Contra

Jonas Manser
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Reicht das Geld nicht ganz für einen heissen Sportwagen, wird auf das nächstbeste Statussymbol zurückgegriffen: Den eigenen Pool im Garten. Was früher nur wenigen vorbehalten war, damit kann sich nun auch der Normalverdiener brüsken. Die Angebote reichen von 30 Franken bis hin zum 3000-Franken-Pool mit Gerüst! Ganz im Sinne unserer Konsumgesellschaft erleben diese Wasserbecken kaum ihren ersten Geburtstag und landen, da ein neuer Pool günstiger als die Reparatur kommt, im Abfall.

Dabei häufen sich auch bei den «billigen» Varianten die Kosten. Der bestbewertete Aufstellpool auf Galaxus kostet 500 Franken. Die eigene Wasserpumpe, welche zwölf Stunden am Tag laufen muss, sei jedoch nicht genug effektiv, um das Wasser sauber zu halten. Es sind Chlortabletten und ähnliche Chemikalien nötig, um den Bakterien, Pilzen und Algen die Stirn zu bieten. Zeitaufwand, Strom- und Wasserverbrauch steigen in die Höhe: Von Umweltfreundlichkeit und Effizienz ist hier nicht zu reden. Um sein «Füdli» ins kalte Wasser einzutauchen, braucht man so viel Wasser, dass man ganze afrikanische Dörfer vor dem Verdursten retten könnte. Aber die nächstgelegene, mit teuren Steuergeldern subventionierte öffentliche Badi liegt natürlich unerreichbar weit entfernt. Und erst noch mit dem ganzen Pöbel im gleichen Becken planschen – eine grausige Vorstellung. Das Argument, dass die Kinder in den kleinen Pools besser schwimmen lernen können, ist eher schwach: In einer Badi sehen die Kinder ihre Kameraden schwimmen und werden eher dazu verleitet, auch schwimmen zu lernen. Wegen zwei heisser Tage im Jahr einen eigenen Pool aufzustellen, grenzt an Masslosigkeit.

Jonas Manser

jonas.manser@appenzellerzeitung.ch