«Aufstehen, Krone richten und weitergehen…»

Der obige Titel stammt aus einem Zitat, das mir kürzlich nach einem Seelsorgegespräch hängen geblieben ist.

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Nicht einmal der Tod ist todsicher... Bild: «Auferstehung» von Dieric Bouts, entstanden im Jahr 1455 in Haarlem (Niederlande). (Bild: pd)

Nicht einmal der Tod ist todsicher... Bild: «Auferstehung» von Dieric Bouts, entstanden im Jahr 1455 in Haarlem (Niederlande). (Bild: pd)

Der obige Titel stammt aus einem Zitat, das mir kürzlich nach einem Seelsorgegespräch hängen geblieben ist. Wenn Misserfolg oder Leid über unser Leben kommt, stecken die einen den Kopf in den Sand, während die andern versuchen, sich wieder zu erheben und weiterzugehen – und daran vielleicht sogar persönlich zu wachsen. Was hat denn das mit Ostern zu tun?

Ostern – das christliche Fest der Auferstehung Jesu aus den todbringenden Mächten von Intrigen, Verrat und Gewalt – greift in eine ganz menschliche Erfahrung, die wir alle dann und wann machen. Es gibt Momente, die einem den Boden unter den Füssen absacken lassen. Menschen können fallen – selbstverschuldet oder nicht. Situationen, Momente, wo man nicht mehr dran glauben kann, dass es jemals wieder anders kommen wird. Erfahrungen, wie Verlassenheit, Verstrickung in falsche Systeme, Krankheit und Gebrechen… – kommen sie uns nicht allen irgendwie vertraut vor? Das ist Karfreitagserfahrung. Doch wo man glauben könnte, dass es kein Morgen mehr gibt, reicht uns der christliche Glaube – im Bild gesprochen – die Hand. Ostern will sagen: «Du musst Dich nicht selbst erlösen oder retten.» Das, was wir Gott nennen, ist grösser als unser Vermögen. Das, was in der Bibel als «Licht des Himmels» beschrieben wird, ist mächtiger als das Dunkel der Welt. Es gibt immer einen Grund zur Hoffnung – wenn man die Hoffnung nicht in die starren Grenzen von Raum und Zeit zwängt. Denn nicht immer wendet sich das Blatt, wie wir es uns erhoffen. Nicht einmal Jesu? Wünsche wurden alle erhört! Manchmal müssen wir Menschen erst durch das Dunkel hindurch, um zur Erkenntnis zu kommen. Manchmal muss man fallen, um zu wissen, dass man immer noch aufstehen kann. Manchmal braucht es die lange Nacht, damit die Sehnsucht nach dem Morgen wachsen kann. Und plötzlich kehrt das Leben in ungeahnter Fülle zurück.

Das mag merkwürdig klingen, wiederholt sich aber immer wieder, wo sich Menschen nicht aufgeben. Papst Franziskus ist ein Beweis dafür. In den politischen Widerwärtigkeiten seiner Zeit und den sozialen Unmöglichkeiten dieser Zeit ist er einen Weg gegangen mit unzähligen Niederlagen. Hoffnung und Liebe im Gepäck. Und dieser Weg hat sich gelohnt.

Ostern naht. Die christliche Welt feiert die Tatsache, dass es immer einen Grund gibt, wieder aufzustehen, den Staub abzuwischen (oder das Krönchen zu richten) und weiterzugehen. Mit diesem Glauben sind Menschen in bester Gesellschaft, denn vor Gott ist nicht einmal der irdische Tod todsicher. So heisst es in einem Gebet: «Es gibt keine Tote, es gibt nur Lebende. Den Tod gibt es – ja. Er ist aber nur der Durchgang vom Zeitlichen ins Unendliche...» Aufstehen, Krone richten und Weitergehen – nicht nur am Ende des Lebens, sondern immer wieder. Wahrlich ein österlicher Gedanke!

Stefan Staub

Diakon & Pfarreileiter Kath.

Pfarrei Teufen-Bühler-Stein

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