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Aufräumen nach dem Unwetter

EBNAT-KAPPEL. Vor einer Woche kam es in Ebnat-Kappel im Gebiet zwischen Eichbach und Scheftenau nach einem Gewitter zu Überschwemmungen. Überspülte Keller sowie angeschwemmtes Holz und Steine beschäftigen die Anwohner.
Olivia Hug/Barbara Anderegg
Seit Tagen ist auch Landwirt Hansueli Scherrer dabei, die Schäden des Unwetters von letzter Woche zu beseitigen. (Bild: Barbara Anderegg)

Seit Tagen ist auch Landwirt Hansueli Scherrer dabei, die Schäden des Unwetters von letzter Woche zu beseitigen. (Bild: Barbara Anderegg)

«Das Haus hat vibriert, als ob ein Panzer daran vorbeifahren würde», schildert Anita Kläger den Moment, als sie am vorletzten Donnerstagabend merkte, dass der Gantenbach neben ihrem Haus im Oberen Ganten über die Ufer getreten ist respektive «wie ein Strom über den gesamten Hang hinunter kam und Felsbrocken und Baumstämme mit sich riss.» Sie sei sofort aus dem Haus gerannt, um zu versuchen, etwas gegen die Wassermassen zu unternehmen, die von einem Moment auf den anderen den Hang hinunter strömten und ihr den Garten, aber auch den Keller überschwemmten.

Vorsorgliche Massnahmen

Auch Roger Bösch, der einige Hundert Meter weiter unten an der Rohrgartenstrasse wohnt, rannte sofort aus dem Haus, als er das Wasser bemerkte, das bis zu 20 Zentimeter hoch an der Hausfassade anstieg. «Ohne gross zu überlegen bin ich barfuss in den reissenden Bach hinein gestanden und habe versucht, das Schwemmholz, welches im Bereich der Kurve den Bach verstopfte, zu entfernen», erzählt er. Dass sein Keller überschwemmt wurde, konnte er nicht mehr verhindern – trotz Massnahmen, die er bereits nach dem letzten Unwetter vor knapp zwei Jahren ergriffen hatte. «Ich habe damals eine Mauer rund um den Eingang zum Keller errichtet, sowie einen Pumpschacht installiert, für den Fall, dass doch Wasser eintreten sollte», sagt er. Wenn dieser Pumpschacht bis zu einem bestimmten Pegelstand voller Wasser läuft, wird ein Alarm ausgelöst. Dieser Alarm war es denn auch am Donnerstag, der Roger Bösch auf die Wassermassen aufmerksam machte. «Wer hier wohnt, weiss, dass so etwas geschehen kann. Darum habe ich vorsorglich in diese Massnahmen investiert», sagt Roger Bösch. Trotzdem konnten in diesem Fall auch seine Vorkehrungen den Schaden nicht abwenden.

Gefahr ist bekannt

Dass dieses Gebiet gefährdet ist, ist allgemein bekannt. Daher ist der Wald oberhalb auch als Schutzwald gegen Hochwasser eingestuft, sagt Regionalförster Christof Gantner. Der Wald könne durch das Blätterdach die auf den Boden treffenden Regenmassen dämpfen, erläutert er. In diesem Fall jedoch war das Laub noch kaum ausgetrieben und die Wassermengen seien enorm hoch gewesen. Laut Christof Gantner fielen innerhalb von einer Stunde rund 46 Liter pro Quadratmeter. «Derart heftige Niederschläge kommen äusserst selten vor. Solche Mengen kann auch der Wald nicht mehr schlucken», so der Regionalförster. Das Wasser suche sich in der Folge einen Weg und reisse dabei Bäume, Stauden, Totholz, aber auch Steine und Erde mit, erläutert er. «Es gab Erdrutsche im Bereich der sowieso schon schmalen Bachtobel und mehr als Basketball grosse Felsen wurden mitgerissen», verdeutlicht er die Gewalt der Wassermengen, die so hoch war, dass sogar die in Beton verankerten Zaunpfähle des Damhirschgeheges am Gantenweg nicht mehr Stand hielten und sich der Stall von Hansueli Scherrer mit Wasser und Schlamm füllte.

Schadenshöhe noch unklar

Wie hoch die Schäden sind, kann noch nicht beziffert werden. «Zurzeit sind Experten verschiedener Versicherungen mit den Elementarschadenschätzungen beschäftigt», sagt Alexander Bommeli, Gemeinderatsschreiber von Ebnat-Kappel. Währenddessen sind die Anwohner mit Aufräumen beschäftigt. «Wir wussten kaum, wo wir anfangen sollten», sagt Anita Kläger. Roger Bösch standen die Tränen zuvorderst, als er den Schlamm vor seinem Haus sah. «Das Wichtigste in dem Moment war, den Schlamm wegzuräumen, ehe er eintrocknet», erzählt er. Und so rief er in einem Rundmail seine Arbeitskollegen in der Bürstenfabrik auf, ihm bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Bald standen ihm 15 Leute zur Seite. «Der erste, der vor der Türe stand, war Direktor Pius Thoma», erzählt Roger Bösch, «die Solidarität war gewaltig.» Bis Dienstag habe man über 200 Stunden dafür aufgewendet, die Umgebung aufzuräumen, so der Familienvater. Auch Scherrers und Klägers im Oberen Ganten sowie Landwirt Ueli Steiner verbringen ebenso wie die anderen Anwohner jeden Tag damit, Keller aufzuräumen, mit Baggern und schwerem Gefährt Gestein und Holz aus den Wiesen und dem Bachbett zu räumen. Auch der Schlamm muss mit Rechen aus der Wiese entfernt werden. Am Montag und am Dienstag haben 23 Angehörige der Zivilschutzorganisation Toggenburg unter der Leitung von Samuel Eckart und Bruno Bleiker bei den Arbeiten geholfen. «Wir werden noch Tage, wenn nicht Wochen mit Aufräumen beschäftigt sein», sagt Ueli Steiner, der nicht nur unterhalb des Ganten, sondern auch im Buechen eine landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet, die vom Unwetter betroffen ist. Durch den Schlamm auf der Wiese kommt es für die Landwirte zu Ertragsausfällen von zwei bis drei Schnitten, sagt Ueli Steiner. Zwar sei der grössere Teil des Schadens durch seine Hagelversicherung abgedeckt, aber der Selbstbehalt und vor allem die Arbeit bleibe ja doch. «Und es ist nun bereits das zweite Mal innert zwei Jahren.»

Durchlass wird geprüft

Anita Kläger, deren Garten und Keller zwar noch voller Dreck sind, treibt derzeit noch eine andere Sorge um. «Der Schreck sitzt noch immer tief, ebenso wie die Angst, dass es bald wieder passiert, denn der Bach ist weiter oben noch immer voller Felsbrocken und Holz», sagt sie.

Müsste man bei dieser Häufung von Schäden nicht Massnahmen ergreifen, zumal dieses Gebiet in der Naturgefahrenkarte markiert ist? «Die Gefahrenkarte ist erst seit März aufgeschaltet», sagt Alexander Bommeli. Derzeit sei die Gemeinde dabei, einen Massnahmenkatalog auszuarbeiten. Im betroffenen Gebiet werde es sich um Massnahmen zum Objektschutz handeln, die von den Anwohnern selbst ausgeführt werden müssten, sagt er. Was die Gemeinde mit Sicherheit prüfen werde, sei der Durchlass unter der Rohrgartenstrasse. «Wobei: Bei einem Unwetter dieser Grössenordnung ist es fraglich, ob es Massnahmen gibt, die jeglichen Schaden verhindern», so der Ratsschreiber. Auch Christof Gantner bestätigt: «In diesem Fall war es höhere Gewalt.»

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