Aufhören, bevor Routine einkehrt

Zehn Jahre lang war Elisabeth Keller-Schweizer Kuratorin im Museum für Lebensgeschichten im Hof Speicher. Die aktuelle Ausstellung von Werken der Künstlerin Roswitha Merz bildet den Schlusspunkt ihrer Tätigkeit.

Karin Erni
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Elisabeth Keller-Schweizer vor Werken der letzten Ausstellung, die sie für das Museum für Lebensgeschichten im Hof Speicher gestaltet hat. (Bild: ker)

Elisabeth Keller-Schweizer vor Werken der letzten Ausstellung, die sie für das Museum für Lebensgeschichten im Hof Speicher gestaltet hat. (Bild: ker)

SPEICHER. Sie sei gerade fertig geworden und habe noch das letzte Loch in der Wand verschlossen, sagt Elisabeth Keller-Schweizer entschuldigend und wischt sich die Hände an einem Küchenpapier ab.

Dann führt die Kunsthistorikerin durch die Ausstellung im Foyer des Alterswohn- und Pflegezentrums Hof Speicher. Die Werke, die an den Wänden und in Vitrinen ausgestellt sind, stammen von einer ganz besonderen Bewohnerin des Heims, von Roswitha Merz-Schüller, der Gattin von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Mit ihr ist die Ausstellungsmacherin durch viele Jahre gemeinsame Tätigkeit und die Gestaltung von Ausstellungen verbunden.

Die Entdeckung des Papierschöpfens, das sie in einem Kurs erlernt hatte, sei der Durchbruch in Merz' künstlerischer Karriere gewesen, sagt Elisabeth Keller. «Da ist sie angekommen.» In der Zellulose habe sie ihr ureigenes Material entdeckt und dieses später teils in ungewöhnlicher Form wie geshredderten Banknoten oder Milchpackungen verarbeitet.

Geburtshelferin des Museums

Elisabeth Keller war von Anfang an in das Projekt «Museum für Lebensgeschichten» involviert. Dieses ist vor zehn Jahren aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Keller war damals Mitglied der Kommission für Kunst am Bau des Hofs Speicher. Das Siegerprojekt stammte von Hans Ruedi Fricker. Ganz besonders freut Keller heute, dass die Idee mittlerweile von anderen Heimen wie jenem in Visp im Wallis und einem im österreichischen Hard übernommen wurde. «Es gäbe in Heimen so viele Geschichten zu erzählen, sagt sie. «Aber es ist halt oft eine Kostenfrage.» Hier in Speicher hat das keine Rolle gespielt, denn Elisabeth Keller hat sich nach ihrer Pensionierung ehrenamtlich für das Projekt eingesetzt. «Ich wollte bei der Umsetzung unbedingt dabei sein, es war eine sehr interessante Zeit.»

Museum lebt weiter

30 Jahre lang sei sie Dozentin für Kunstgeschichte an der Kantonsschule und an der Schule für Gestaltung gewesen, erzählt Elisabeth Keller. Als etwas ganz Besonderes empfindet sie, dass sie im Alter mit alten Menschen zu tun hatte. Doch nun findet sie, es sei Zeit, als Kuratorin abzutreten. «Man sollte aufhören, bevor die Arbeit zur Routine wird», so die Kuratorin. Ein Wechsel sei immer eine Chance und könne zu einer Belebung führen. «Eine neue Person kann wieder andere Aspekte in die Ausstellungen bringen.» Elisabeth Keller wird als Mitglied der Kunstkommission der St. Galler Kantonalbank dem heimischen Kunstbetrieb verbunden bleiben.

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