AUFGRUND PRIVATER INITIATIVE
Ein Generationenprojekt: Kinderbetreuung Herisau eröffnet Standort im Alters- und Pflegeheim Stein

Nach Herisau und Bühler gibt es ab Oktober noch einen dritten Standort der Kinderbetreuung Herisau: In Stein ist das schulergänzende Betreuungsangebot direkt im neuen Alters- und Pflegeheim der Casa Solaris AG untergebracht.

Astrid Zysset
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10 Plätze stehen ab Spätsommer in Stein zur Verfügung.

10 Plätze stehen ab Spätsommer in Stein zur Verfügung.

Bild: Gaetan Bally/ KEYSTONE

Ab Oktober wird im neu gebauten Alters- und Pflegeheim der Casa Solaris AG in Stein ein schulergänzendes Betreuungsangebot untergebracht. Initiiert haben dies Anneliese Looser und Lukas Sonderegger. Auf eigene Faust haben die beiden Steiner Einwohner den Bedarf für ein solches Angebot im Dorf abgeklärt, Verhandlungen mit der Gemeinde geführt und mit der Kinderbetreuung Herisau einen entsprechenden Partner gefunden.

Gemeinderätin Rita Steingruber zeigt sich ob solcher Eigeninitiative beeindruckt. «Die beiden haben nicht nur Vollgas gegeben, sondern gleich den Turbo eingelegt.» Nach nur fünf Monaten Vorbereitungszeit liegt das Projekt nun vor. Was noch fehlt, sind die Unterschriften unter dem entsprechenden Vertrag zwischen der Gemeinde und der Kinderbetreuung Herisau sowie eine Anschubfinanzierung.

Anneliese Looser hat das ausserschulische Betreuungsangebot zusammen mit Lukas Sonderegger initiiert.

Anneliese Looser hat das ausserschulische Betreuungsangebot zusammen mit Lukas Sonderegger initiiert.

Bild: PD

«Ich wüsste nichts, was die Realisierung des Betreuungsangebots verunmöglichen würde», zeigt sich Steingruber zuversichtlich. Der Vertrag sei reine Formsache, und das Gesuch zur Anschubfinanzierung werde demnächst beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eingereicht. Sollte dies abgelehnt werden, springt die Gemeinde in die Presche. Sie hat im Vorfeld der Verhandlungen in Aussicht gestellt, dass eine Defizitgarantie von 25'000 Franken in Erwägung gezogen würde. Gibt das BSV dem Gesuch jedoch statt, wäre der Gemeindebeitrag entsprechend kleiner. So oder so: Hürden gibt es für die Initianten keine mehr zu bewältigen. Dementsprechend gross ist die Freude bei Anneliese Looser.

«In Kooperation mit der Casa Solaris AG ist ein spannendes Generationenprojekt entstanden, in welchem Jung und Alt zusammenkommen.»

Umfrage bei den Eltern gestartet

Der Bedarf an einer schulergänzenden Betreuung sei ausgewiesen. Für 40 Kinder in Stein käme eine solche ab Sommer in Frage. Das belegt eine Umfrage, welche Looser zusammen mit Lukas Sonderegger im November durchführte. Im vergangenen Herbst gab die Schule bekannt, dass ab Januar die Nachmittagsbetreuung aufgrund zu geringer Nachfrage eingestellt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt fand sie dienstags und donnerstags nach dem Mittagstisch statt.

Für Looser war es schwer nachzuvollziehen, dass ein solches Betreuungsangebot nicht erwünscht sei. Kurzerhand verteilte sie zusammen mit Lukas Sonderegger einen eigens erstellten Umfragebogen unter den Eltern der Schülerinnen und Schüler. Resultat: Von den 150 verteilten Bogen wurden 69 retourniert. 50 Prozent hiervon wiesen einen Bedarf aus.

Wunsch nach erwerbstauglichem Angebot

Grossmehrheitlich wurde ein Mittagstisch gewünscht. Und zwar nicht nur an zwei Tagen pro Woche, sondern an allen Werktagen. Auch die Nachmittagsbetreuung wurde in der Umfrage rege nachgefragt. Für Anneliese Looser kommen diese Ergebnisse nicht überraschend. Für sie stimmt das bisherige Angebot in Stein mit zwei Mittagstischen pro Woche nämlich nicht. «Das wäre ein sehr verständnisvoller Arbeitgeber, wenn man genau an jenen beiden Tagen arbeiten dürfte, wenn der Mittagstisch stattfindet.» Ein «erwerbstaugliches Angebot», wie Looser es nennt, beinhaltet einen Mittagstisch wie auch eine Nachmittagsbetreuung an allen Werktagen sowie während der Schulferien. Und: Es muss garantiert sein. Bislang fand der schuleigene Mittagstisch nur nach Erhalt von ausreichend Anmeldungen statt.

Looser ist Mutter dreier Kinder. Für sie entspricht ein umfassendes schulergänzendes Betreuungsangebot dem Zeitgeist. Auch als Standortvorteil für die Gemeinde könne es gewichtet werden. Das sah der Gemeinderat ebenfalls so. In der Märzsitzung stellte er eine finanzielle Unterstützung in Aussicht, sollte der Mittagstisch an mindestens drei Tagen stattfinden, sich externe Räumlichkeiten aufgrund der beengten Verhältnisse an der Schule sowie eine private Trägerschaft finden lassen. All diese Voraussetzungen konnten Looser und Sonderegger erfüllen.

Eröffnung in Stein ist im Spätsommer

Bei der Kinderbetreuung Herisau (KiBe) rannten sie mit ihrer Idee offene Türen ein. Für Geschäftsführerin Nadja Rechsteiner ist es sinnvoll, dass die Gemeinden «nicht das Rad neu erfinden», sondern auf bestehende Strukturen zur Errichtung eines Angebots an ausserschulischer Betreuung zurückgreifen.

Die KiBe Herisau betreibt Standorte in Herisau wie auch Bühler. Derjenige in Stein werde über zehn Plätze verfügen. «Das ist ausreichend, da es Schwankungen in der Auslastung über den Tag hinweg gibt», so Rechsteiner. Will heissen: Kinder können im Bedarfsfall auch nur für einzelne Stunden betreut werden. In der Casa Solaris wird die KiBe ab Oktober von 7 bis 8.15 und von 11.30 bis 18 Uhr sowie während der Schulferien geöffnet sein. Für die Zeit von August bis Oktober gibt es eine Übergangslösung in der Schule Stein.