Auffallend richtige Kleidung gewählt

In Dutzenden sitzen sie an den Festbänken und geniessen die sommerlichen Temperaturen. Andere ziehen in Gruppen um die vielen Harley's, die am «Appezölle Biker-Tröffe» in Reih und Glied parkiert sind und bestaunen diese. Nochmals andere tun dies genüsslich in aller Einsamkeit.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

In Dutzenden sitzen sie an den Festbänken und geniessen die sommerlichen Temperaturen. Andere ziehen in Gruppen um die vielen Harley's, die am «Appezölle Biker-Tröffe» in Reih und Glied parkiert sind und bestaunen diese. Nochmals andere tun dies genüsslich in aller Einsamkeit. Es sind die überbreiten Pneus, die besonders ins Auge stechen, oder die künstlerisch verzierten Tanks, bei denen die Sterne und Streifen aus dem amerikanischen Wappen nicht selten eine Rolle spielen. Aber auch Satteltaschen aus alten Schulranzen – im Volksmund «Fellaffen» –, Sättel aus besonderem Leder und in der Sonne glitzernde Auspuffrohre fallen auf. Doch nicht nur die vor PS strotzenden Zweiräder stechen hervor: Die Fahrer und ihre meist weiblichen Begleiter – in der Szene Biker genannt – können ihre Kleidung wahrscheinlich nicht in jedem 0815-Kleidergeschäft kaufen. Leder dominiert. Vom Cap über das Gilet und der Jacke bis hin zu den Hosen und den Stiefeln gibt es erstaunlich viele unterschiedliche Modelle davon. Jeansstoff scheint ebenfalls akzeptiert zu sein. Alles andere gehört definitiv in die Sparte «No-Go».

Nur einer hält sich nicht an die ungeschriebenen Regeln der Biker-Szene. Er steht zwar inmitten der vielen weiblichen und noch mehr männlichen Motorradfreaks, diskutiert gar mit einem OK-Mitglied und macht Fotos der aufgemotzten Harley's. Aber was um Himmels willen ist mit seiner Kleidung los? Kurze Hosen, ja sogar Velohosen, trägt er. Von einem Gilet mit einem bedrohlichen Aufdruck auf der Rückenpartie keine Spur, dafür von einem enganliegenden Veloshirt mit den üblichen aufgenähten Rückentaschen und dem Firmenlogo eines Sportartikelherstellers. Von coolen Stiefeln sind seine Veloschuhe weit entfernt, auch sein Helm, den er mit sich trägt, entlockt den harrt gesottenen Bikern nur ein müdes Lächeln. Aber auch er ist mit dem Bike angereist, der Motor seines Zweiräders befindet sich nicht unter dem Sattel, sondern zwischen Knie- und Hüftgelenk. Und was er dort wollte? Fotografieren und den «Anlass spüren».

Bruno Eisenhut

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