Aufbruch nach Rom – Bittgang oder Demo?

Zur Pilgerreise von acht Frauen nach Rom

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Am Montag, 2. Mai, machte sich eine achtköpfige Wandergruppe in St. Gallen zu einer Pilgerreise nach Rom auf. Ziel dieses Pilgerganges war gemäss der Initiantin Hildegard Aepli, im Zentrum der katholischen Kirche ihr Projekt «Kirche mit den Frauen» vorzutragen.

Das Unternehmen, das am 2. Juli zu Ende ging, war nicht das erste spektakuläre Ereignis dieser Art. An einem Märzsonntag des Jahres 2015 überreichte eine stattliche Schar Frauen dem Bischof von St. Gallen ein Manifest. Dessen Inhalt in den Frauenverbänden schon lange Diskussionsgegenstand war. In der Kirchendemo in Luzern 2009 forderten sie denn auch, dass die Kirchenleitung die umstrittenen Probleme der modernen Gesellschaft anpasse.

Der Zweck der Wanderung nach Rom erhellt aus einem Interview im Tagblatt der letzten Juniwoche: Es sei das Frauenstimmrecht in der katholischen Kirche, für das sie sich einsetze, erklärte Hildegard Aepli. Und sie präzisiert den Wunsch der Frauen mit den Worten: «Die Männer in der katholischen Kirche sollen in Zukunft nicht mehr über die Frauen, sondern mit den Frauen entscheiden.» Die «Männer, die über die Frauen entscheiden», sind die Vertreter des geistlichen Standes vom Pfarrer bis hinauf zu den Prälaten, ja zum Papst. Früher sprach man sie mit «Hochwürden» an, und diese hohe Würde verdankten sie dem geistlichen Amt, das der Bischof seit Menschengedenken nur Männern übertragen durfte. Es geht also nicht um Gleichberechtigung, sondern um Gleichbewürdigung, die den Frauen vorenthalten wird.

Diese Gleichbewürdigung ist eben das «rote Tuch», mit dem das erwähnte Interview betitelt ist und das schon manchen theologischen Streit entfacht hat.

Doch ist eine grössere Mitsprache der Frauen in der Kirche möglicherweise ein Mittel, das Kirchenvolk der Kirche wieder näherzubringen. Dabei sind jedoch die Mahnungen im Beobachter Nr. 10 zu beachten, ja in Stein zu meisseln, die Kirche dürfe sich nicht sang- und klanglos anpassen, Eine Religion, die zu liberal wird, verschwindet früher oder später (Erkenntnis von Jörg Stolz, Professor für Religionssoziologie).

Die Wallfahrt dieser Frauen nahm, wenn auch ohne Begegnung mit Papst Franziskus, ein glanzvolles Ende mit dem Jubelruf: Habemus feminas.

Otto Wüst

Dorfstrasse 43, 9125 Brunnadern