Aufbruch in eine neue Ära

Seit mehr als 30 Jahren arbeiten die Treff AG und die Stiftung Säntisblick zusammen. Mit der Inbetriebnahme eines «Reinraums» in der Werkstatt bricht der «Säbli» in ein neues Zeitalter auf.

Michael Hug
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Die Mitarbeiter des Säntisblicks arbeiten innerhalb und ausserhalb des «Hygieneraums» sehr motiviert. (Bild: Michael Hug)

Die Mitarbeiter des Säntisblicks arbeiten innerhalb und ausserhalb des «Hygieneraums» sehr motiviert. (Bild: Michael Hug)

DEGERSHEIM. «Reinraum» nennt ihn Dieter Köppel, Leiter Werkstätten und Beschäftigung bei der Stiftung Säntisblick. Guido Vollrath, Geschäftsleiter der Treff AG, würde die neue Werkstatt «Hygieneraum» bezeichnen: «Wir müssen alle Arten von Schmutz von den dort bearbeiteten Teilen fernhalten.» Das bedeutete für Köppel, dass in der Säntisblick-Werkstatt Fuchsacker ein Raum eingerichtet werden musste, in dem besondere Arbeitsbedingungen herrschen.

Die Treff AG und die Stiftung Säntisblick arbeiten seit mehr als 30 Jahren zusammen. Guido Vollrath dazu: «Wir stellen für unsere Kunden im Medizinal- und Industriebereich Spritzgussprodukte aus Kunststoff her.» Die Werkstätten des Säntisblicks konfektionieren und montieren im Auftrag des Degersheimer Unternehmens Kunststoffteile, die, zurück bei der Treff AG oder deren Kunden, Teile eines grösseren Produkts sind. Eine der wichtigsten Bedingungen dabei: die Präzision der Spritzgussteile.

Mit Lebensmitteln in Kontakt

Eine neue Bedingung in der Zusammenarbeit Treff-Säntisblick ist nun auch die Sauberkeit. Vollrath dazu: «Man muss sich vorstellen, dass die Teile in Apparate oder Maschinen eingebaut werden, die nachher mit Lebensmitteln in Kontakt kommen.» Das bedeutet, dass die Sauberkeit der Teile in der ganzen Produktionskette gewährleistet sein muss. Das heisst auch, dass sich der Zulieferer – die Werkstätten des Säntisblick – an diese Bedingungen halten müssen, wollen sie weiterhin als Auftragnehmer im Spiel bleiben. Dieter Köppel: «Wir mussten investieren, konkret ging es um einen Arbeitsraum, in den möglichst wenig Schmutz von aussen eindringen kann.» Anpassen mussten sich auch acht Mitarbeitende mit Behinderungen, die in diesem Raum die Montagearbeiten ausführen. Sie müssen sich neu mit einem weissen Arbeitskittel und einem Haarnetz ausrüsten, wenn sie im «Reinraum» arbeiten. Hände waschen und desinfizieren ist eine weitere Bedingung, und selbstverständlich dürfen an diese Arbeitsplätze auch keine Speisen oder Getränke gelangen. Die Investition in die Trennung des neuen Raumes von den übrigen Ateliers in der Werkstatt Fuchsacker kostete gemäss Köppel etwas über 10 000 Franken. Eine Investition, die man über die nächsten Jahre mit den neuen Aufträgen der Treff AG zu amortisieren gedenkt. «Auch wir als Behinderteninstitution müssen uns bewegen», sagt Köppel dazu.

Der Werkstattleiter sagt auch: «Solche Aufträge machen wir nicht nur des Gewinns wegen. Zuallererst wollen wir unsere Mitarbeitenden mit sinnvollen Arbeiten fordern und beschäftigen.» Das spüren die Behinderten, so Köppel weiter, «sie legen einen erstaunlichen Ehrgeiz an den Tag.» Für den Geschäftsleiter der Treff AG muss die Rechnung aufgehen: «Die Geschäftsbeziehung mit dem Säntisblick ist eine klar wirtschaftliche.» Will heissen: Preis, Termin und Qualität müssen stimmen. Vollrath weiter: «Mit der Qualität aus der Werkstatt Fuchsacker sind wir sehr zufrieden.» Derweil sagt Dieter Köppel: «Mit den Erlösen aus den Werkstätten können wir ausserordentliche Aktivitäten mit unseren Betreuten unternehmen.»

Fätzlisammler vom Säntisblick

Auch die Gemeinde Degersheim ist ein Auftraggeber der Stiftung Säntisblick. Sie hat vor kurzem Teile der Hauswartsdienste bei den Schulhäusern ausgelagert. Gemeindepräsidentin Monika Scherrer: «Die Zusammenarbeit mit dem Säntisblick fokussiert sich vor allem auf die Reinigung im Umgebungsbereich der Mehrzweckanlage Steinegg.»