«Auf Raten stirbt der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden»

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Das Gesundheitswesen der Schweiz ist grundsätzlich Sache der Kantone. Sie müssen die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Der Kantonsrat hat dazu 2011 das Spitalverbundgesetz erlassen. Art.1 hält fest: Der Svar führt in Herisau und Heiden ein somatisches Spital und in Herisau ein psychiatrisches Zentrum. Als Ergebnis dieser Festschreibung haben wir zwei Spitäler, von denen keines die optimale Betriebsgrösse erreicht und damit grundsätzlich eines zu viel. Auch im Gesundheitswesen spielt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. So wie viele Berufstätige überschreiten auch Patienten unbesehen kantonale Grenzen, sie sind extrem mobil geworden. Auch wenn dringend eine Übergangslösung wünschbar ist, die Frage lautet nicht, wie können wir das Spital Heiden erhalten, sondern wie kann der Kanton Appenzell Ausserrhoden langfristig effi­zient im mobilen Zeitalter die medizinische Versorgung seiner Bevölkerung garantieren. Das wird innerhalb des heutigen Svar-Gesetzes nicht möglich sein. Hier trägt die Politik die Verantwortung, also der Gesetzgeber (Kantonsrat und Stimmvolk), und damit sind die Par­teien inklusive der Gruppe der Parteilosen und der Regierungsrat zum langfristig ausgerichteten mutigen Vordenken aufgefordert. Der Svar ist ein politisches Konstrukt. Die Akteure und Verantwortlichen verfolgen divergierende Ziele, und sie sind offenbar heillos überfordert. Der (neue) Verwaltungsrat des Svar verdient kein Vertrauen, die Regierungsräte schauen auf ihre Klientel, die Parteien wollen lieber aus dem Chaos Profit schlagen, und die Kantonsräte möchten es allen recht machen. Kein Wunder, sind private Akteure im Gesundheitswesen schneller. Aber die Sache ist klar: Entweder verlieren wir jährlich Millionen an Steuergeldern oder das Spital Heiden. Die politischen Akteure tragen die Verantwortung für eine Wendung zur zukunfts­gerechten Lösung. Aber eine so starke Person, wie sie der Kanton Zürich einst mit Verena Diener hatte, ist in Ausserrhoden leider nicht sichtbar.

Andreas Bosshard Föhrenstrasse 20, 9100 Herisau

Seit Jahren unterstützt unsere Stiftung aktiv Ansiedelungen und den Erhalt von Arbeitsplätzen in unserem Kanton. Umso trauriger ist es, mit ansehen zu müssen, dass der Regierungsrat und der Verwaltungsrat des Svar nicht in der Lage sind, Arbeitsplätze zu erhalten oder auszubauen. Über Nacht werden Dutzende von Arbeitsplätzen vernichtet – und dies wohlbemerkt – beim grössten Arbeitgeber unseres Kantons, und dies erst noch im Gesundheitswesen, welches zu den zukunftsträchtigsten Branchen unseres Kantons zählt. Der Regierungsrat hat die oberste Aufsichtspflicht über den Svar. Deshalb erwarten wir, dass der Regierungsrat offen über die finanzielle Lage aller drei Spitäler des Svar informiert und klare Aus­sagen macht, wie die Spitäler in unserem Kanton betrieben werden sollen. Dies ist man den Patienten, den Mitarbeitenden und dem Steuerzahler gegenüber schuldig.

Stephan Egger, Präsident Stiftung Wirtschaftsförderung AR, Speicher

Dr. Hansueli Schläpfer, langjähriger Hausarzt in Herisau, hat am 7. Januar in einem Leserbrief in der Appenzeller Zeitung dazu aufgerufen, dass sich die Bevölkerung aktiv regen soll, wenn uns die Zukunft der Spitäler am Herzen liegt. Diesem Wunsch möchte ich als Dank für seinen Mut und die treffenden Worte gerne nachkommen. Er spricht genau das an, was mich schon lange bewegt und ärgert. Auch Dr. Peter Böhi kann ich nur Respekt zollen mit seinen Aussagen in der Appenzeller Zeitung vom 22. Oktober. Als ehemalige Kantonsrätin erlaube ich mir, dazu auch kurz Stellung zu nehmen, und behalte mir das Recht zur freien Meinungsäusserung vor. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich mehrmals zur Wehr gesetzt habe, wenn im Regierungsrat/Kantonsrat wieder einschneidende, nicht voraussehbare Entscheide gefällt wurden. Schon mit der Zusammenlegung der drei Spitäler hatte es meiner Meinung nach etwas Wurmstichiges an sich. Das eigentliche Desaster hat dann aber mit der zwingenden Einsetzung des Verwaltungsrates begonnen. Die Einzelheiten sind ja bestens bekannt. Versprechungen wurden nie eingehalten, so wurde auch das versprochene und überrissene Teilhonorar von nur 60 000 Franken nie vollumfänglich zurückbezahlt, und diese Tatsache wurde ausserdem unter den Tisch gewischt. Es ist ja weltweit bekannt, dass immer zuerst die Angestellten an der Basis vertrieben werden, wenn in den obersten Etagen Misswirtschaft betrieben wird. Mir bricht es das Herz, wenn ich höre, was jetzt im Spital Heiden nach dem Chirurgie-Desaster auch noch mit der Gynäkologie und Geburtshilfe zur befürchteten Tatsache wird. Das alles haben wir unserem inexistenten Regierungsrat und den Fehlbesetzungen im Verwaltungsrat zu verdanken. Das hohe Defizit ist nicht auf jene zurückzuführen, die ihre Arbeit an der Basis machen, es sind die überbezahlten Kaderstellen und traumhaften Honorare, die verschleudert wurden. Es kommt mir vor wie ein vorerst gutartiges Geschwür, welches immer schneller wächst und zum Bösartigen mutiert, weil die Diagnose von den Verantwortlichen zu spät erfolgt und die Therapie deshalb nicht mehr wirksam ist.

Die Verantwortlichen sollen endlich geradestehen und die Verantwortung übernehmen. Sparmassnahmen hätten schon lange anderswo stattfinden müssen, aber nein, es werden immer mehr teure unnötige Stellen geschaffen, ganz nach dem Motto «mehr Schein als Sein». So ist es nicht verwunderlich, wenn das Fass irgendwann überläuft.

Emmy Zürcher Kreckel 5, 9100 Herisau