Auf Knien dem Zirpen im Moor auf der Spur

KRUMMENAU. Der Biologe René Güttinger und seine Tochter Amelie führten eine Gruppe Interessierter durch das Ried auf der Wolzenalp. Sie führten die Besucher in die Welt der Heuschrecken ein und zeigten die Bedeutung des Moors als Lebensraum dieser Insekten auf.

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Den Tieren ganz nah: Kniend beobachteten Jung und Alt Heuschrecken auf der Wolzenalp. (Bild: pd)

Den Tieren ganz nah: Kniend beobachteten Jung und Alt Heuschrecken auf der Wolzenalp. (Bild: pd)

Nach dem erfolgreichen Holzbank-Kurs mit Jürg Strübi und der botanischen Exkursion mit Heiri Mock – beides organisiert von den Bergbahnen Wolzenalp – fand auf der Wolzenalp am 17. August erneut ein spannender Anlass statt. Die Aufmerksamkeit der Gäste galt einer Gruppe kleiner, bei Sonnenschein besonders aktiver Moorbewohner – den Heuschrecken. Der Biologe und Fotograf René Güttinger sowie dessen Tochter Amelie vermittelten einer Schar naturinteressierter Personen völlig neue und ungewohnte Einblicke in die Lebenswelt des Moors.

Singen und Hüpfen

Nach einer ersten Einführung in die Ökologie der Moore erhielten zwei Teenager der Gruppe die Aufgabe, eine Fettwiese langsam zu durchstreifen und während einer Minute alle davonspringenden Heuschrecken zu zählen. Danach spazierte die Gruppe von der Bergstation in gemächlichem Tempo den Fussweg entlang Richtung Bergrestaurant Wolzenalp zum nahegelegenen Hügel. Auf dieser kurzen Wegstrecke durchs Ried hielten die Teilnehmer immer wieder inne, um auf dem Boden kniend die erstaunlich zahlreichen Heugümper zu beobachten und mit gespitzten Ohren ihrem zirpenden Klang zu lauschen. Die rege, in unterschiedlichen Strophen zu hörende «Gesangsaktivität» der Tiere war eindrücklich. Dabei trugen die verschiedenen Heuschreckenarten ihren jeweils arttypischen Gesang vor, der hauptsächlich durch Gegeneinanderreiben der beiden Vorderflügel oder Gegeneinanderstreichen der Hinterschenkel und Vorderflügel entsteht.

Auf dem Hügel, im Schatten grosser Tannen, angekommen, hielt der Exkursionsleiter eine gemütliche Schulstunde im Freien ab, bei welcher die Biologie der Heuschrecken zur Sprache kam. Von den rund fünfzehn bekannten Heuschreckenarten im Gebiet gab es besondere Highlights leibhaftig zu bewundern: Der daumengrossen Warzenbeisser konnte mit einem Kescher ebenso gefangen und aus der Nähe bewundert werden wie die Kurzflüglige Beissschrecke oder der Sumpfgrashüpfer. Alle drei sind auf den naturnahen Lebensraum im Moorgebiet Wolzenalp angewiesen und nur hier anzutreffen. Auf intensiv bewirtschafteten Flächen können sie sich nicht mehr fortpflanzen und finden dort auch keine Nahrung.

Rund zehnmal mehr Tiere

Nun kamen die zwei jungen Forscher der Gruppe erneut zum Zug. Sie sollten erneut während einer Minute alle Heuschrecken zählen, die sie beim Durchstreifen der Riedvegetation sahen. Nach einer Minute präsentierten sie das verblüffende Ergebnis: Während die beiden Knaben in der Fettwiese 28 und 37 Heuschrecken gezählt hatten, waren es entlang des Rieds rund zehnmal mehr. Nach dieser erstaunlichen Bestandesaufnahme, welche eindrücklich die grosse Bedeutung der Riedflächen als Heuschreckenlebensraum unter Beweis stellte, begab sich die Gruppe nochmals an den Rand einer Streuwiese. Sitzend, kniend oder kauernd ging es nochmals darum, im Gräserwald die munteren Heuschrecken zu beobachten, den verschiedenen Gesängen zu lauschen und die gesamte Szenerie mit ihren spätsommerlichen Düften nochmals mit allen Sinnen erleben und geniessen zu dürfen.

Abgerundet wurde der Anlass im Bergrestaurant Wolzenalp mit einer gemütlichen Zvierirunde bei Kaffee und Glace. (pd)