Auf einen Kaffee mit Samuel Büechi im «Hirschen»

TROGEN. «Ich bin Geschäftsmann», sagt Samuel Büechi (55). Da sei es schwierig, spontan eine Stunde das Büro zu verlassen. Dennoch: Er führt zum Trogner Dorfplatz, die «Krone» hat an diesem Morgen geschlossen, nicht so hingegen der «Hirschen».

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TROGEN. «Ich bin Geschäftsmann», sagt Samuel Büechi (55). Da sei es schwierig, spontan eine Stunde das Büro zu verlassen. Dennoch: Er führt zum Trogner Dorfplatz, die «Krone» hat an diesem Morgen geschlossen, nicht so hingegen der «Hirschen». In dieser Lokalität trinke er ab und an ein Bier, sein Stammrestaurant sei jedoch das «Schäfli». Zum einen treffe sich im «Schäfli» die Alternativszene von Trogen, zum anderen schätze er dort die vegetarische Küche.

Sowohl in Speicher, wo Samuel Büechi aufwuchs, wie auch an seinem heutigen Wohnort Trogen fühlt er sich zu Hause. «Ich definiere Heimat nicht über Gegenstände und Traditionen, sondern über Land und Leute», sagt der Regierungsratskandidat. Und er zitiert Pfarrer Andreas Marti, der einst den Ausdruck «Heimat auf Treibsand» prägte. Büechi versteht darunter, dass Heimat nicht von einer prosperierenden Kantonalbank, einer Landsgemeinde oder dem morgendlichen Kirchengeläut abhängt. Solche Sachen seien vergänglich. Trogen selbst könnte laut Samuel Büechi für andere Gemeinden in vielerlei Hinsicht als Vorbild herhalten. Beispielsweise könne man hier trotz negativem Bevölkerungswachstum zufrieden leben. Auch spricht er den offenen Umgang mit Andersdenkenden und Andersfarbigen an. «Hier fühlt sich jede und jeder wohl.»

Eigene Firma gegründet

Nach der Kantonsschule hat Samuel Büechi, der Jüngste von vier Brüdern, in Zürich, Bern und Basel Pharmazie studiert und die Studienjahre mit der Dissertation «Heil- und Giftpflanzen im Botanischen Garten Brügglingen» abgeschlossen. Es folgten zwei Jahre als Geschäftsführer der Lilien-Apotheke in St. Gallen. 1989 gründete er seine eigene Firma und gab dieser später den Namen Phytocon. Privat lebt Büechi nach zwanzig Jahren Ehe heute wieder als Single. Er hat zwei Kinder.

Mit Phytocon verantwortet Samuel Büechi die Entwicklung und Zulassung pflanzlicher Arzneimittel. Er fungiert dabei als «Kopf» eines ganzen Systems. Seinen Ausführungen zufolge kann es zehn Jahre und mehr dauern, bis ein neues Arzneimittel entwickelt und zugelassen wird, unzählige Akteure sind darin integriert. Bei Büechi laufen die Fäden zusammen. Gleichzeitig arbeitet er noch einen Tag in der Woche in einer Apotheke in Goldach.

Nach wie vor präsent ist Samuel Büechi sein Einstieg in die Politik. Als über das Frauenstimmrecht befunden wurde – er war 20 Jahre alt–, sei er mit einem Kochlöffel an die Landsgemeinde gegangen, jedoch schon weit vor dem Ring von der Polizei abgefangen worden. «Für mich war es unerträglich, dass die Frauen damals nicht zur Abstimmung zugelassen wurden», sagt er. In jener Zeit hätte er auch die Narrengemeinde gegründet. Viele politische Ideen würden heute dasselbe Schicksal erleiden wie einst das Frauenstimmrecht. «Erst macht man die Idee lächerlich, dann kämpft man dagegen, und am Schluss ist die Neuerung selbstverständlich.» Lässt er seine Politkarriere Revue passieren, so bezeichnet er sich auch als «Lärmpolitiker». Ob Strassenlärm, Glockenlärm oder Fluglärm, stets habe er sich für weniger unnötigen Lärm eingesetzt. 2004 gründete Samuel Büechi den Gral, das Grüne Appenzellerland, dem er bis heute angehört.

Grüner Nationalrat als Vorbild

Als politisches Vorbild nennt er Herbert Maeder, der sich speziell für den Landschaftsschutz stark gemacht habe und zwischen 1983 und 1995 der erste grüne Nationalrat von Appenzell Ausserrhoden war.

Angesprochen auf die Freizeit, hält Samuel Büechi fest, das Wort Hobby nicht zu kennen. Zwar mache er gerne Musik – nebst Blues, Country und Appenzeller Musik hat es ihm besonders die indische Musik angetan –, als Hobby sieht er dies aber nicht. Dafür sei ihm die Sache zu ernst. Statt sich Hobbies zu widmen, bilde er sich laufend weiter, sagt er. Derzeit lerne er die unterschiedlichen Vögel kennen.

Zum Schluss noch dies: Was würde er aus seinem heutigen Büro ins Regierungsgebäude mitnehmen? «Nichts.» Wie hat er Weihnachten und Neujahr gefeiert? «Weihnachten in der Familie, die wir für dieses Fest wieder vereint haben. Neujahr war ich zusammen mit Freunden.» Wie gerne steht Samuel Büechi im Mittelpunkt? «Ich wünschte mir, die Welt wäre so perfekt, dass ich nicht im Mittelpunkt stehen müsste.» Was war die letzte persönliche, materielle Anschaffung? «Kamera mit Teleobjektiv.» Was ärgert ihn an sich selbst am meisten? «Das ist privat.» Was bedeutet für ihn Glück? «Ein politisches System, in dem Minderheiten, Menschenrechte und Umweltschutz und speziell die Erhaltung der Artenvielfalt ernst genommen werden.» Roger Fuchs

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