Nach Arsenfund auf einer Baustelle in Speicherschwendi: Der Kanton ordnet Bodenproben an

Auf einer Baustelle in Speicherschwendi wurden erhöhte Konzentrationen des giftigen Halbmetalls festgestellt. Das Amt für Umwelt des Kantons Appenzell Ausserrhoden geht nicht von einer Gefahr aus – ordnet aber vorsorglich Bodenproben an.

Astrid Zysset
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Erstmals ist im Kanton Appenzell Ausserrhoden eine Bodenbelastung durch Arsen zu Tage getreten.

Erstmals ist im Kanton Appenzell Ausserrhoden eine Bodenbelastung durch Arsen zu Tage getreten.

Bild: Donato Caspari

Ein Novum im Kanton Appenzell Ausserrhoden: Bei einem Bauprojekt in Speicherschwendi wurden im Aushubmaterial erhöhte Arsenkonzentrationen festgestellt. Der Prüfwert sei mit 50 ppm (Parts per million, was ein Promille von einem Promille entspricht) zwar nur minim überschritten worden, so Karlheinz Diethelm, Leiter des kantonalen Amtes für Umwelt. Trotzdem werden nun umfassende Abklärungen eingeleitet.

Arsen ist ein chemisches Element, das Vergiftungen und langfristige Schäden im Körper verursachen kann. Bekannt wurde es vor allem durch Kriminalgeschichten, da es bis ins 19. Jahrhundert als beliebte Mordwaffe galt.

Unerwarteter Fund bei Baubeginn

Die erhöhte Arsenkonzentration wurde per Zufall festgestellt. Der Aushub der Baustelle wurde auf verschiedene Deponien verteilt, darunter auch eine, die sich bereits in der Rekultivierungsphase befand. Dort wurde der Aushub dann analysiert. Neben dem Arsen wurden erhöhte Chrom- und Nickelkonzentrationen gemessen. Gemäss Diethelm seien jene aber gering. Die Arsenkonzentration liess den Amtsleiter jedoch stutzen:

«Das hatten wir nicht erwartet.»

Im gesamten Kanton habe es bislang keinen vergleichbaren Fall gegeben. Bekannt ist, dass in Basel Landschaft vor zwei Jahren erhöhte Gehalte an Arsen in den Böden verzeichnet worden sind. Dort betrug die Bodenbelastung teilweise bis zu 500 ppm.

Keine Gefahr für Menschen, Pflanzen und Tiere

Karlheinz Diethelm, Leiter Amt für Umwelt AR.

Karlheinz Diethelm, Leiter Amt für Umwelt AR.

Bild: Apz

Diethelm geht davon aus, dass die gefundenen 50 ppm in Speicherschwendi keine Gefahr für Menschen, Pflanzen und Tiere darstellen. Einen Richtwert, ab welcher Konzentration das Arsen für die Gesundheit schädlich sein könnte, gibt es allerdings nicht. Das Bundesamt für Umwelt empfiehlt, dass bei Kinderspielplätzen die Belastung nicht höher als 50 ppm sein sollte, in Gärten nicht höher als 80 und bei landwirtschaftlichen Nutzflächen sollten 200 ppm nicht überschritten werden.

Das betroffene Gebiet in Speicherschwendi wird landwirtschaftlich genutzt. Obwohl die dortigen 50 ppm weit unterhalb des Sanierungswertes von 200 ppm sind, will der Kanton das Gebiet nun weiträumig analysieren. Denn die Frage ist: Wie gross ist die Fläche in der Gemeinde, in welcher erhöhte Arsenkonzentrationen im Boden auszumachen sind?

Dazu forderte das Amt für Umwelt Offerten verschiedener Geologiebüros an. Diese sollten in den kommenden Tagen eintreffen. Ist der Kostenrahmen eruiert und dessen Übernahme mit der Gemeinde geklärt, könnten bereits in wenigen Wochen die ersten Bodenproben veranlasst werden. Der Perimeter, in welchem diese entnommen werden, ist noch offen. Diethelm:

«Wir fangen bei der Baustelle an, und dehnen den Radius immer weiter aus. Sobald keine Belastung mehr festgestellt werden kann, wird die Probenentnahme eingestellt.»

Die Bodenanalysen werden voraussichtlich mit einer Kombination von Laboranalysen sowie Analysen im Feld mittels XRF-Spektrometer durchgeführt. Im Idealfall soll bereits im November die Auswertung vorliegen. Dann kann eine Beurteilung vorgenommen werden. Sollten wider Erwarten hohe Konzentrationen gefunden werden, sind Sanierungsmassnahmen zu prüfen. Denkbar wären Nutzungseinschränkungen bis – im Extremfall – der Austausch von Erdreich auf Kinderspielplätzen oder in Gärten.

Erdrutsch vor Tausenden von Jahren

Als Ursache für die erhöhte Arsenkonzentration in Speicherschwendi wird ein natürlicher Ursprung vermutet. Ein Geologiebüro hat gleich nach der Entdeckung des giftigen Halbmetalls im Sommer erste Untersuchungen durchgeführt und kam zum Schluss, dass es sich um geogene respektive natürliche Belastungen handelt. Solche könnten sich vor langer Zeit einerseits hydrothermal gebildet haben. Das Arsen gelangt in diesem Fall in gelöster Form durch heisse, unterirdische Quellen in die verschiedenen Gesteinsschichten und lagert sich dort ab.

Andererseits könnte die Belastung auch bereits bei der Gesteinsbildung entstanden sein. So oder so: Geogene Belastungen seien in der Schweiz nicht ungewöhnlich, betont Diethelm. Warum sie in Speicherschwendi zu Tage getreten sind, darüber kann der Amtsleiter nur mutmassen. Die bisherigen Analysenresultate lassen vermuten, dass es vor Tausenden von Jahren bei Speicher zu einem Erdrutsch gekommen war, der den damals natürlich gewachsenen Boden mit einer geogen belasteten Schicht überdeckte.

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