Auf der Suche nach grossen Tieren

Für seine diesjährige Multivisionpräsentation ist der Wolfhäldler Hobbyfotograf Roman Schmid auf Ski durch Spitzbergen gereist, war auf Safari in Sambia und hat in einem Tarnanzug am Dorfrand von Wolfhalden ausgeharrt. Am 27. Dezember und 2. Februar zeigt er die Bilder in Heiden.

Chris Gilb
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Geballte rohe Natur: Fressende Löwen in Sambia. Roman Schmid bekam sie vor seinen Vorbildern von der BBC vor die Linse. (Bild: Roman Schmid)

Geballte rohe Natur: Fressende Löwen in Sambia. Roman Schmid bekam sie vor seinen Vorbildern von der BBC vor die Linse. (Bild: Roman Schmid)

HEIDEN Den Extremtemperaturen der Arktis glaubte er sich doch nicht gewachsen. Deshalb entschied sich der Hobbyfotograf Roman Schmid aus Wolfhalden, seine Suche nach dem Eisbär in Spitzbergen durchzuführen. Dort liess er sich vergangenen April gemeinsam mit einer Gruppe von Bergsteigern mit Jetski 200 Kilometer weit von jeglicher Zivilisation wegbringen. Danach reisten sie zwei Wochen lang auf Ski durch die endlose Schneelandschaft. Dabei hoffte er auch, auf das gesuchte Motiv zu treffen. «Unser Expeditionsleiter hatte mich schon vorgewarnt, dass es nur bei etwa jeder dritten Exkursion gelingt. Diese Erfolgsaussicht reichte mir, leider gelang es aber in meinem Fall nicht», sagt Schmid. Nicht einmal in dem Fjord, in dem normalerweise die Chance am grössten ist, fand er den Bär. «Das einzige was wir entdeckten, waren Spuren im Schnee», sagt der 46-Jährige. Sein Frust wich aber schnell der Freude, über die anderen spannenden Landschafts- und Tierfotos, die ihm gelangen.

Wie Big Food am Dorfrand

Tierfotos sind der Schwerpunkt seines kommenden Vortrags im Kursaal Heiden. Er zeigt darin Fotos aus drei Gebieten. Einerseits aus Spitzbergen, dann aus Sambia, aber auch aus dem Appenzellerland. «Wenn in der Nähe spannende Tiere gesichtet werden, kommt es schon einmal vor, dass ich mich mit meinem Tarnzelt und meinem Tarnanzug für einige Zeit auf die Lauer lege.» Auch am Dorfrand von Wolfhalden hat er dies schon gemacht. Mit seinem Tarnanzug sieht er etwas aus wie Big Food. Dies habe auch schon einen Biker erschreckt, der nicht erwartet habe, dass sich der Busch bewegen kann.

Nachdem Schmid bei seiner Reise im April das gesuchte Motiv nicht fand, versuchte er im Juni noch einmal in Sambia sein Glück bei grossen Tieren. Gemeinsam mit einem ortskundigen Guide fuhr er zwei Wochen durch Nationalpärke. «Ich hatte Glück, dass der Guide selbst Fotograf ist, und so verstand, was ich suchte. Zu dem nahm er es mit den Parkregeln nicht immer so genau, so dass wir auch abseits der gängigen Pfade auf Motivsuche gehen konnten.» Die Fotos, die ihm gelangen, sind spektakulär. Aus nächster Nähe konnte er die wildesten Tiere in den intimsten Situationen ablichten, unter anderem Löwen beim Fressen. «Seit 15 Jahren fotografiere ich, doch die Bilder in Sambia und Spitzbergen sind so gelungen, dass ich mich entschieden habe, mich mit einigen für die <BBC Wildlife Photographer of the Year>-Auszeichnung zu bewerben.» Für ihn das höchste der Gefühle. Vielleicht animierte ihn dazu auch, dass es ihm gelungen war, in Sambia noch vor einem Kamerateam der BBC, das in der Nähe war, bei den fressenden Löwen zu sein. «Die Fernsehleute mussten sich dann in der zweiten Reihe aufstellen», sagt Schmid.

Eisbär-Suche ist nicht beendet

Seit 15 Jahren macht Schmid, der hauptberuflich Physiotherapeut im Hotel Heiden ist, eine jährliche Präsentation seiner Fotos. Dabei zeigt er nicht lediglich die Bilder, an die 500 werden es dieses Jahr sein, sondern bietet auch ein Erlebnis für andere Sinne. «Eine Multivisionpräsentation erreicht mehr als ein Dokumentarfilm. Die Bilder sind teilweise vertont, zwischendurch kommen wieder Filmsequenzen und ich kommentiere die Bilder live und erzähle, wie sie entstanden sind und was darauf zu sehen ist», sagt Schmid. Letztes Jahr war der Andrang auf seine Präsentation so gross, dass er sie statt einmal, gleich dreimal durchführte. Insgesamt 900 Leute kamen. «Ich habe in der Region eine sehr treue Besucherschaft.» Seit Jahren träumt Schmid davon, auch in anderen Teilen des Landes von seinen Fotoreisen zu berichten. Nun scheint es, als könnte dieser Traum Realität werden. Er stehe momentan in Gesprächen mit der Firma Explora, die professionelle Vortragsreisen von Fotografen organisiert. Was zukünftige Expeditionen betrifft, hat die Eisbär-Suche für ihn weiterhin Priorität. «Diese Tiere sind beeindruckend, nicht nur von ihrer Erscheinung, sondern auch ihrer Leistungen. Es gibt Eisbären die 700 Kilometer am Stück geschwommen sind.»

«Unterwegs im Reich des Eisbären – Fotografieren im Reich des Leoparden», Kursaal Heiden, So, 27.12.2015, 17 Uhr und Di, 2.2.2016, 20.15 Uhr, Eintritt Fr. 20.–, Reservationen: www.roman-schmid.com

Zwei Rentiere, die Schmid während seiner Expedition durch Spitzbergen vor die Kamera bekam. (Bild: Roman Schmid)

Zwei Rentiere, die Schmid während seiner Expedition durch Spitzbergen vor die Kamera bekam. (Bild: Roman Schmid)

Aus dieser Nähe sehen selbst wilde Leoparden wie zutrauliche Schmusekatzen aus. (Bild: Roman Schmid)

Aus dieser Nähe sehen selbst wilde Leoparden wie zutrauliche Schmusekatzen aus. (Bild: Roman Schmid)

Roman Schmid hat seine Kamera auf dem Jeep montiert. (Bild: pd)

Roman Schmid hat seine Kamera auf dem Jeep montiert. (Bild: pd)

Für das perfekte Foto setzt Schmid auch auf Ganzkörpertarnung. (Bild: pd)

Für das perfekte Foto setzt Schmid auch auf Ganzkörpertarnung. (Bild: pd)

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