Auf der Suche nach einem Standort

Exponierte Standorte wie Hemberg würden sich für den Bau und den Betrieb von Windrädern eignen, mit denen Energie gewonnen werden könnte. Das Unterfangen bringt jedoch etliche Schwierigkeiten mit sich.

Jesko Calderara
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REGION. Bernhard Wälti beschäftigt sich seit Jahren mit Energiethemen. Der Hausarzt sass jahrelang als SP-Vertreter im Thurgauer Kantonsrat, präsidiert in seiner Wohngemeinde die Energiegenossenschaft Roggwil (EN-GE-RO) und ist Mitglied beim Verein Energietal Toggenburg. Zudem ist er Besitzer zweier Kleinwindräder, für die er seit längerem in der Region vergebens nach einen Standort sucht.

Bewilligungen verweigert

Grund für die Schwierigkeit ist die Haltung des Kantons, die notwendigen Bewilligungen für Windräder zu verweigern. Mehrere potenzielle Standplätze hat Wälti in den Kantonen St. Gallen und Appenzeller Innerrhoden evaluiert. Im Toggenburg etwa in Libingen, Lütisburg und vor allem Hemberg. «Dabei sind mit der Landwirtschaftszone und der Störung des Landschaftsbildes immer die gleichen Hindernisse aufgetreten», ärgert sich Wälti. Die Windenergie könnte jedoch seiner Ansicht nach einen wertvollen Beitrag zur Energiewende liefern. Jedoch hätten die Behörden und auch die breite Öffentlichkeit immer nur die weitherum sichtbaren Grossanlagen vor Augen, bedauert er. «Dabei passen sich Kleinwindräder perfekt in die Landschaft ein.»

Ein derartiges Modell mit 18 Meter Höhe und einem Rotordurchmesser von knapp 13 Metern steht in Oberhelfenschwil. Bei einer Windstärke von 4 m/s produzieren kleinere Windräder rund 15 000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Dadurch liesse sich der Energiebedarf dreier Haushalte decken.

Exponierte Lagen eignen sich

Die besonders geeigneten Standorte liegen laut Wälti an exponierten Lagen auf Hügeln oder in den Voralpen. «Gerade in Hemberg wären die Windbedingungen ideal für einen kleinen Park mit zwei bis drei Windrädern.»

Das betreffende Gebiet Riegelschwendi bei der Bergstation des Skilifts sei bereits belastet, sagt Wälti. Aus diesen Gründen hat er ein Baugesuch eingereicht. Während die Gemeinde Hemberg und der betroffene Bauer das Vorhaben unterstützten, lehnte es das zuständige kantonale Amt für Raumentwicklung ab. Grund dafür sind die restriktiven Vorschriften für das Bauen in Landwirtschaftszonen. Dadurch hätten Windenergieprojekte von vornherein keine Chance auf Realisation, kritisiert Bernhard Wälti. «Nicht einmal Windmessungen sind möglich.»

Schwierige Bedingungen

Einen weiteren Grund, warum Windenergie nicht mehr genutzt wird, sieht der Thurgauer Hausarzt in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. «Das System der kostendeckenden Einspeisevergütung ist attraktiv für die Photovoltaik.» Der Vergütungssatz für Windenergie betrage demgegenüber rund 20 Rappen pro Kilowattstunde. Dies sei zu wenig für einen rentablen Betrieb, betont Bernhard Wälti.