Auf den Rücken legen – aber wie?

SCHWINGEN. Mit Kraft alleine lässt sich noch kein Kranz – die begehrte Auszeichnung für die Besten eines Schwingfestes – gewinnen. Auf die Technik kommt es an.

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Mit Kraft alleine lässt sich noch kein Kranz – die begehrte Auszeichnung für die Besten eines Schwingfestes – gewinnen. Auf die Technik kommt es an. Dies hört man aus Schwingerkreisen immer wieder und gerade Schwingerkönig Jörg Abderhalden wird des öfteren für sein technisches Können sowohl aus dem Stand wie am Boden gelobt. Viele verschiedene Schwünge zu beherrschen, gilt als Vorteil.Die Besten unter den Schwingern werden als «die Bösen» bezeichnet.

Die Medaillen im Schwingen sind die Lorbeer-Kränze, je mehr ein Schwinger davon hat, desto «böser» ist er. Der Höhepunkt im Schwingerleben ist das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Schwingfest. Heute in einer Woche ist es in Frauenfeld wieder soweit und davon träumen wohl auch die Jungschwinger des Schwingclub Wattwils.

Doch bis sie selbst daran teilnehmen können müssen sie noch viel lernen – zum Beispiel bei einem Training im Steiner Schwingkeller, wo die Jungschwinger für das Toggenburger Tagblatt einige Griffe und Schwünge demonstrieren.

Schwingen nach Lehrbuch

Das Schwingerlehrbuch unterscheidet die fünf Hauptschwünge Brienzer, Buur, Hüfter, Kurz und Übersprung. Über 100 Kombinationsschwünge lassen sich mit einer gewieften Technik daraus ableiten. In den Angriff bauen die Schwinger auch Finten und Köpertäuschungen ein.

Auch Schwinger in der Defensive haben die Möglichkeit, sich gegen ihren Widersacher mit Konterschwüngen zu wehren.

Für Sieg, Niederlage oder bei einem Gestellten (Unentschieden) gibt es eine Note. Die Notenskala reicht von 8.25 bis 10. Der Schwinger mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt schliesslich das Schwingfest, auch wenn er nicht im Schlussgang war. Dies kann zum Beispiel bei einem gestellten Schlussgang vorkommen. Speziell am Schwingsport ist die sogenannte «Einteilung».

Vor jedem «Gang», also jeder Kampfrunde, teilt das Kampfgericht die Schwinger neu ein. Einen vorgängigen «Spielplan» gibt es an einem Schwingfest nicht. Ein Gang dauert in der Regel fünf Minuten und wird von einem Platzkampfrichter auf dem Sägemehl und zwei Kampfrichtern am Tisch geleitet und bewertet. Traditionell ist der Händedruck zu Beginn des Kampfs. Am Schluss wischt der Sieger dem Verlierer das Sägemehl von den Schultern – Ehrensache.

Vom Hirtenfest zum modernen Sport

Der Schweizer Nationalsport ist eine Abart des Ringens, mit eigenen Regeln, Griffen und Schwüngen. Die Wurzeln des Schwingens in der Schweiz sind gemäss Eidgenössischem Schwingerverband nicht eindeutig zu identifizieren. Eine erste Darstellung aus dem 13. Jahrhundert in der Kathedrale in Lausanne zeigt bereits die typische Art, Griff zu fassen. Im Alpenraum gehörte der Hosenlupf wohl zum festen Bestandteil der Festkultur.

An zahlreichen Alp- und Wirtshausfesten sei um ein Stück Hosentuch, ein Schaf oder um andere Naturalien geschwungen worden, wobei der Ruhm des Siegers weit mehr zählte als der äussere Preis. Zudem seien Beispiele überliefert,

dass besonders gefürchtete Schwinger die Zeit auf der Alp nicht in erster Linie für die Arbeit, sondern für ihre Kraft und Behendigkeit zu nutzen wussten.

Wie auch immer – heute trainieren die Spitzenschwinger mindestens vier Mal in der Woche, einige täglich. Katharina Rutz

Mehr zum Schwingen unter www.esv.ch.

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