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SPEERSPITZ Obwohl ich alles andere als ein Fasnächtler und froh bin, wenn auch die letzten Konfettis wieder von der Strasse weggefegt sind, kann ich der fünften Jahreszeit dennoch etwas Positives abgewinnen: das Fasnachtsgebäck.

Urs M. Hemm
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Bild: Urs M. Hemm

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SPEERSPITZ

Obwohl ich alles andere als ein Fasnächtler und froh bin, wenn auch die letzten Konfettis wieder von der Strasse weggefegt sind, kann ich der fünften Jahreszeit dennoch etwas Positives abgewinnen: das Fasnachtsgebäck. Zu verlockend sind Schenkeli, Fasnachtschüechli oder Berliner, um an ihnen einfach so vorbeizugehen. Vor allem letztere haben es mir angetan. So ist die mittlerweile obligate Frage meines Hausbäckers, ob ich einen Berliner mit Aprikosen- oder doch lieber mit Himbeerkonfitüre gefüllt hätte, zwar lieb gemeint, aber überflüssig, denn ich nehme ja eh immer von jeder Sorte einen. Beim Berlineressen empfiehlt es sich bekanntlich, zuerst immer dort hineinzubeissen, wo die Konfitüre eingefüllt wurde. Dies aus zwei Gründen, wobei der eine mit Genuss zu tun hat, der andere eher praktischer Natur ist. Denn wer einfach irgendwo hineinbeisst, muss damit rechnen, dass die ganze Konfitüre entweder auf der Hose oder dem Hemd landet. Der zweite Grund ist offensichtlich, denn schliesslich macht ja gerade die Mischung aus der Konfitüre und dem süssen Teig das Berlineressen zu einem Geschmackserlebnis.

Kürzlich war ich bei einem Grossverteiler und stand plötzlich vor einem Gestell, wo Berliner gleich im Dreierpack angeboten wurden. Da es mir – wie gesagt – in solchen Momenten fast unmöglich ist, einfach weiterzugehen, kam diese Packung in meinen Einkaufskorb. Zu Hause angekommen, machte ich mir einen Kaffee und freute mich auf die Berliner. Ich setzte mich hin, nahm den ersten Berliner in die Hand, drehte ihn, bis ich die besagte Stelle gefunden hatte, und biss voller Erwartung in das Gebäck. Nichts. Ein zweiter Biss. Nichts. Auch beim dritten und vierten Biss passierte nichts, denn in diesem Berliner war schlicht und einfach keine Konfitüre. Auch der zweite Berliner entpuppte sich zu meiner grossen Enttäuschung als Mogelpackung. Erst der dritte hielt sein Versprechen und war ein Berliner, wie ein Berliner sein sollte, nämlich mit Konfitüre gefüllt. «So kann man auch seine Produktionskosten senken», dachte ich mir, verwarf den Gedanken aber schnell wieder, da ein Geschäft mit so einer Masche nicht lange ohne Aufstand der Kunden durchkommen würde. Ich hatte wohl einfach Pech und eine fehlerhafte Charge erwischt.

Was mir aber als Erkenntnis daraus bleibt, ist: Mag das Äussere auch noch so verlockend sein, fehlen die inneren Werte, ist alles nur halb so reizvoll.

urs.hemm@toggenburgmedien.ch