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Problem Mamitaxis: In Ausserrhoden tragen die Eltern die Verantwortung

Elterntaxis sind eine Plage: Sie verursachen vor den Schulhäusern Verkehrschaos und die Eltern stehlen ihren Kindern Schulwegerlebnisse. Manche Gemeinden verbieten Mamataxis schlicht. In Ausserrhoden ist man der Ansicht, «die Eltern tragen die Verantwortung für den Schulweg».

Margrith Widmer
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Werden Kinder immer zur Schule gefahren, bringen Eltern ihren Nachwuchs um Erlebnisse und Freundschaften auf dem Schulweg.

Werden Kinder immer zur Schule gefahren, bringen Eltern ihren Nachwuchs um Erlebnisse und Freundschaften auf dem Schulweg.

Bild: Marijan Murat

Vierzehn Prozent der Schweizer Eltern kutschieren laut einer TCS-Umfrage von 2019 ihre Kinder zur Schule. In der Romandie sind es 30 Prozent; in der Deutschschweiz gerade mal sieben Prozent. Besonders augenscheinlich ist das Mamataxi-Aufkommen in Teufen.

Bei der Kirche kann niemand mehr ungehindert parkieren, ohne dass eine Mutter eines Schülers oder einer Schülerin der Musikschule sich quer hinter die parkierten Autos stellt, um ihr Kind – nicht mit schwerem Cello oder Bass, auch ohne Hackbrett – mit Flöte oder Klarinette aussteigen lässt und es auch noch die wenigen Meter bis zum Eingang der Musikschule begleitet. Viele Mütter laden ihre Kinder beim Primarschulhaus gegenüber in den Offroader/SUV und fahren über die Strasse zur Musikschule. Die Kinder müssten dabei eigentlich nur einen einzigen Fussgängerstreifen überqueren.

«Die Problematik ist uns bekannt»

Der Schulleiter der Musikschule Appenzeller Mittelland in Teufen, Samuel Forrer, reagierte: Er verfasste einen Aufruf an die Erziehungsberechtigten, mehr Rücksicht zu nehmen: «Schlussendlich haften für Verkehrsvergehen die entsprechenden Teilnehmenden selbst - wer dann nicht hören will, muss fühlen», so Forrer. «Die Thematik der ‚Elterntaxis‘ ist uns bekannt», sagt auf Anfrage die Teufner Schulpräsidentin Beatrice Weiler. «Die Schulleitungen und Lehrkräfte, aber auch die Gemeinde Teufen messen diesem Thema einen hohen Stellenwert bei. Daher werden Eltern regelmässig an Elternabenden und Elterngesprächen zur Thematik sensibilisiert. Wir appellieren an die Vernunft der Erziehungsberechtigten, um diese Zeiterscheinung möglichst eindämmen zu können.»

Hinweise auf Elterntaxis gibt es weder im Ausserrhoder Schulgesetz, noch in der Schulverordnung, noch im Merkblatt Schulweg. Dort ist lediglich die Rede von «zu Fuss, mit ÖV oder Velo» sowie davon, dass «Eltern den privat organisierten Transport gegen eine angemessene Entschädigung übernehmen». Bei Elterntaxis handelt es sich allerdings um Einzeltransporte von Kindern.

Kinder sollen Schulweg alleine bewältigen

Wie die Ausserrhoder Gemeinden mit dem Problem Elterntaxis umgehen, weiss der Leiter des Ausserrhoder Amts für Volksschule, Dominik Schleich, nicht – und ob dies überhaupt überall ein Problem ist. Die Verantwortung für den Schulweg tragen die Erziehungsberechtigten (also die Eltern). Der Schulträger ist nur bei einem unzumutbaren Schulweg verpflichtet, Abhilfe zu schaffen (Schulbus oder so). Eine Gemeinde/eine Schule entscheidet in Eigenverantwortung, ob sie auf allfällige ‚Elterntaxis‘ Einfluss nehmen möchte (Arealbefahrverbot, Parkier- oder Halteverbot, Appellation an die Vernunft etc.). «Aus pädagogischen/erzieherischen Gründen erachten wir es als sinnvoll, dass die Kinder einen zumutbaren Schulweg selber bewältigen, sobald sie dazu fähig sind», so Dominik Schleich.