Auf dem klingenden Spaziergang

Stefan Gubler hat beim Naturstimmen Klangfestival das Rahmenprogramm zusammengestellt. Heute Samstag führt er zum letzten Mal Interessierte beim klingenden Spaziergang in die Geheimnisse Alt St. Johanns ein.

Michael Hug
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Alt St. Johann. Während des Naturstimmenfestivals hat Alt St. Johann einen Marktplatz auf Zeit. Es ist der Platz vor der katholischen Kirche, jeden Tag gegen halb zwei erwacht er aus seinem Schlaf. Der Platz wird, trotz schierem Dauerregen, zum Sammelort für die Festivalbesucher, zum Treffpunkt für den Schwatz vor dem Konzert und der Verkaufsstand der Klangwelt, an prominentester Stelle am Rand des Platzes, ist für Spätentschlossene die letzte Möglichkeit ein Konzertticket zu ergattern.

Der Festival-Marktplatz ist aber auch der Ausgangspunkt für die klingenden Spaziergänge von Stefan Gubler. Heute nachmittag um 13.30 Uhr führt Gubler zum letzten Mal eine Gruppe auf den beliebten «Spazierklang» durchs Dorf.

Auftrag gefasst

«Ich habe heuer den Auftrag gefasst, ein interessantes, mit Klang in Beziehung stehendes Rahmenprogramm zusammenzustellen.

Es lag dann nahe dass ich mit einer Führung vor allem die seit alters her bestehende Kultur im Zusammenhang mit Klang und Musik zeigen wollte.» Solche Geheimnisse gibt es im Dorf genug, meint Gubler. Der Spaziergang beginnt gleich in der Propstei, wo im ersten Stock die Hausorgel steht und gleich daneben eine Stockklarinette.

Gewandt führt Gubler durch die belebten und stillen Räume der ehrwürdigen Propstei, erzählt aus deren Geschichte und erklärt die frühere Bedeutung.

Im persönlichen Gespräch verrät er auch, dass er sich in dieses Haus regelrecht verguckt hat. Vor sieben Jahren zugezogen, um die Stelle des Schulleiters anzutreten, hat er sich von Beginn weg für seinen neuen Lebensort interessiert. «Im Zusammenhang mit meinem Job habe ich schnell ein Beziehungsnetz aufbauen können.

» Der Kulturverein, den er heute präsidiert, die Aktivitäten in der Propstei und logischerweise die Klangwelt, die in Alt St. Johann ihren Sitz hat, sind schnell zu seinen Betätigungsfeldern geworden. Als Mitglied des Kirchenrats kümmert er sich unter dem Jahr um die Anlässe in der Propstei. Er sei sozusagen der Kulturanimator, lacht Gubler. Das sind Ausstellungen und Konzerte, die regelmässig in der Propstei stattfinden. Er meint aber auch die Obhut über die beiden kostbaren Instrumente.

Dieses Jahr ist Gubler ins Organisationskomitee des Naturstimmenfestivals gerutscht: «Ich habe mich gewiss nicht aufgedrängt, ich erfuhr von dieser Ehre erst als ich den Festivalprospekt las.»

Wie man die Schellen hält

Aus seinem Auftrag während des Naturstimmenfestivals hat er eine dreistündige Exkursion durch die Propstei und die künftige Klangschmiede gemacht. Sein Angebot stösst auf grosses Interesse. Auf jedem der bis anhin vier Klangspaziergänge sind bis 20 Personen mitgekommen.

«Das sind vor allem Gäste von ausserhalb des Toggenburgs, solche die dann abends die Konzerte besuchen und erst am nächsten Tag abreisen. Das macht mich stolz, Leuten aus Zürich oder von noch weiter her unsere Kostbarkeiten zu zeigen.» Als kostbar bezeichnet Gubler auch die immateriellen, kulturellen Werte. Im kalten und etwas unwirtlichen «Haus zur Mühle», in dem bereits mit den Sanierungsarbeiten begonnen wurde, zeigt Gubler den «Auswärtigen», wie man die Schellen beim «Schelleschötte» hält: «Die Reihenfolge der Töne entspricht dem Anfang des Lieds Stille Nacht.»

Letzter Spazierklang heute 13.30 Uhr, Besammlung beim Festival-Marktplatz vor der Propstei