Auch Toggenburger Firmen leiden

Toggenburger Firmen, die ihre Produkte exportieren oder Zulieferer von im Export tätigen Firmen sind, spüren die Aufwertung des Schweizer Frankens stark. Nicht auszuschliessen ist, dass Toggenburger Exportfirmen künftig vermehrt Zulieferer aus dem Euroraum berücksichtigen.

Martin Knoepfel
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Der Franken wird immer stärker, während der Euro an Wert verliert. Wie das endet, ist momentan unklar. (Bild: Illustration: Anina Rütsche)

Der Franken wird immer stärker, während der Euro an Wert verliert. Wie das endet, ist momentan unklar. (Bild: Illustration: Anina Rütsche)

TOGGENBURG. Am 15. Januar wurde der Franken schlagartig um rund 20 Prozent teurer gegenüber ausländischen Währungen. Wie wirkt sich das auf die Industrie im Toggenburg aus?

Die Fritz Schiess AG, Lichtensteig, verkauft die Hälfte der Produktion im Euroraum. «Wir haben gegenüber unseren Konkurrenten aus dem Euroraum an Wettbewerbsfähigkeit verloren», sagt Geschäftsführer Kurt Köppel. Ob Stellen abgebaut werden müssten, könne er jetzt nicht sagen. Es werde aber die Zulieferer treffen. Man müsse von Kunden höhere Preise fordern, wobei die Gefahr bestehe, dass Grosskunden abwanderten. Bei Konjunkturproblemen müsse man mit Kurzarbeit reagieren, sagt Kurt Köppel.

Kann die Firma mehr im Euroraum einkaufen? Man kaufe den Stahl, der ein wichtiger Kostenfaktor sei, schon im Euroraum, sagt Kurt Köppel, aber die Vorräte hätten innert Stunden an Wert verloren. Die Arbeitszeit bei gleichem Lohn zu erhöhen, wie das Schweizer Firmen 2011 getan haben, sei nur sinnvoll, wenn es viele Aufträge gebe. Momentan gingen diese zurück.

«Konkurrenz schläft nicht»

Die Ganterschwiler Berlinger & Co. AG hat einen Exportanteil von 95 Prozent mit Kunden in über 140 Ländern. Die Firma ist in den Bereichen Antioping und Temperaturüberwachung tätig. In beiden Bereichen schlafe die Konkurrenz nicht, sagt CEO Daniel Schwyter-Berlinger. Man müsse abwägen, welchen Teil der Kostensteigerung man dem Kunden belasten könne, und welchen Teil man selber trage.

Die Verbände hätten ihre Budgets für Dopingkontrollen und würden Preiserhöhungen spüren. Ein Stellenabbau, Kurzarbeit oder Lohnsenkungen wegen der Frankenstärke stünden nicht zur Diskussion, sagt Daniel Schwyter. Er rechnet weiter mit einer guten Auftragslage, allerdings bei tieferen Margen. Die Firma investiere den Gewinn in die Zukunft. Die Entwicklung neuer Produkte brauche jedoch Zeit und Geld, sagt er.

«Wie ein Hammerschlag»

Die Wattwiler Turbo Separator hat 85 Prozent Exportanteil. «Die Aufhebung der Frankenuntergrenze traf uns wie ein Hammerschlag. Es war ein Schock.» 2011 habe man mit Kunden vereinbart, den Eurokurs für Bestellungen schrittweise auf 1.20 Franken zu senken. Dank dieser Massnahme und dank Optimierungen, einzelnen Stellenstreichungen und Massnahmen beim Einkauf sei jetzt ein Silberstreifen am Horizont zu sehen gewesen, sagt Ruedi Bannwart. Ein Kunde habe wegen der Frankenstärke gefordert, dass die Turbo Separator künftig mit definiertem Kurs in Euro fakturiere oder entsprechenden Rabatt auf Frankenpreise gebe. Zugleich sei die Nachfrage aus Russland – rund eine halbe Million Franken im Jahr – weggebrochen, Schweizer Kunden schöben Bestellungen wegen der Unsicherheit über die Entwicklung auf. Man habe Lieferanten gebeten, angekündigte Preiserhöhungen rückgängig zu machen oder kurzfristig Rabatt zu geben. Der Einkauf erfolge zu 60 Prozent im Euroraum.

«Erwarten happige Gespräche»

Stefan Jud, Geschäftsführer der Wattwiler Ceka AG, erwartet happige Gespräche mit Kunden. Die Ceka liefere an Firmen, die in den Euro- und den Dollarraum verkauften und die unter der Aufwertung des Frankens litten. Einige Kunden wollten nun in Euro oder Dollar zahlen, sagt Stefan Jud. Die Ceka kaufe im Franken-, Euro und Dollarraum ein, doch Löhne, Mieten und Versicherungen fielen in Franken an. Die tief hängenden Früchte der Kostenreduktion seien längst gepflückt, sagt Stefan Jud. Die Tragweite der Frankenaufwertung sei noch nicht absehbar, sagt er. Produktionsverlagerungen wären schwierig, da die Produktelinien und die Mitarbeiter hier seien. Kunden legten Wert auf Swiss made, da es um Premium-Produkte gehe.

Die Bütschwiler Egli AG Process Technology fakturiere bei Kunden im Euro- und Dollarraum in diesen Währungen, antwortet Rudenz Egli, Präsident der Geschäftsleitung. Bei den Zulieferern werde man zwangsläufig auf Alternativen im Euroraum ausweichen müssen.

Die Frage, ob Stellenabbau, Kurzarbeit oder Lohnkürzungen drohten, sei momentan schwierig zu beantworten, doch die Mitarbeiter seien an der ordentlichen Mitarbeiterorientierung vom Montag über allfällige Änderungen vororientiert worden. Wegen der Währungsentwicklung sei ein grosser Auftrag aus Russland zurückgestellt worden. Investitionen seien momentan nicht vorgesehen.