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«Auch Dunant war fassungslos»

HEIDEN. Man habe in humanitären Anliegen doch schon einiges erreicht, meint Völkerrechtsexperte Hans-Joachim Heintze am Gedenktag «Genfer Konvention» in Heiden. Sein Referat und ein Film umrahmen die Klänge der Friedensglocke.
Lukas Pfiffner

«Hermann, darf ich dich bitten?», sagt Gemeindepräsident Norbert Näf. Hermann Bergundthal, Ehrenpräsident des Vereins Henry-Dunant-Museum, Heiden, lässt die Friedensglocke erklingen. Eine Kolonne mit einigen Dutzend Personen bildet sich hinter ihm. Die «Peace Bell» in Heiden ertönt jedes Jahr am 9. August, um dem Wunsch der Bevölkerung nach Frieden Ausdruck zu verleihen. Vorgestern war aber der feierliche Moment von Alphornklängen umrahmt, von einem Apéro für die Öffentlichkeit begleitet und in einen Gedenktag eingebettet. Zu diesem hatten drei Institutionen eingeladen: das Henry-Dunant-Museum, der Verein «Dunant2010plus Heiden» und die Vereinigung der Ärzte für soziale Verantwortung und gegen Atomwaffen.

Nicht vom Denkmal abhängig

Vor 150 Jahren hatte Henry Dunant den Grundstein für das heute gültige humanitäre Völkerrecht gelegt; zwölf Staaten unterzeichneten die erste Genfer Konvention. «Ein sinnvolles Andenken an Dunant hängt nicht nur von Denkmal, Museum oder Platzbenennung ab. Wir dienen Dunants Ideen am nachhaltigsten, wenn wir sie weiterentwickeln», meinte Norbert Näf.

«Kämpfen und Einstehen»

Heiden sei ein geeigneter Ort für Aktivitäten im Zusammenhang mit Frieden und Abrüstung, sagte der Gemeindepräsident, der zugleich Präsident des Henry-Dunant-Museums ist. Ein Mitglied des Internationalen Roten Kreuzes habe es vor einem Jahr an einer Diskussionsveranstaltung so formuliert: «Die Bewegung soll hier von Heiden, von diesem Saal aus lawinenartig in die Welt hinaus bis nach Nordkorea überschwappen.»

Auch wenn Henry Dunant nicht explizit von atomaren Waffen habe sprechen können, habe er doch das gemeine, zerstörerische Wettrüsten zum Ausdruck gebracht. «Dieses fand im 20. Jahrhundert mit der Erfindung der hässlichen atomaren Waffen seinen traurigen Höhepunkt.» Fassungslos stehe man dem kriegerischen Geschehen in Syrien, in der Gaza-Region oder in der Ukraine gegenüber, hatte Hans-Joachim Heintze vom Bochumer Institut für Friedenssicherungsrecht und humanitäres Völkerrecht zum Auftakt des Gedenktages gesagt. «Auch Henry Dunant war einst fassungslos. Aber stetes Kämpfen und Einstehen für unsere humanitären Anliegen lohnen sich zweifellos. Man hat doch schon einiges erreicht», sagte er.

Durchsetzen fällt schwer

Hans-Joachim Heinze gab in seinem Referat einen Überblick über die Entwicklung der Genfer und Haager Abkommen, ihre Inhalte sowie über die grossen Schwierigkeiten im Bestreben darin, ein internationales Recht durchzusetzen. «Es gibt eben keine Weltregierung. Bei nationalen Rechten ist es deutlich einfacher, weil sich leichter sagen lässt, wer der Polizist und der Richter sind.» Im Moment unterstehe er dem schweizerischen und dem deutschen Recht, weil er hier stehe und Deutscher sei, meinte er im Kino Rosental. Vieles könne im Zusammenhang mit der Kriegsführung und dem Schutz von Opfern nur über Vereinbarungen und Verhandlungen laufen. «Steter Tropfen höhlt den Stein.» Das Rote Kreuz sei eine hervorragende Organisation, die sich eigentlich nicht genug würdigen lasse. Hans-Joachim Heintze erzählte auch von der Arbeit in Kommissionen «vor Ort» und der Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit.

350 000 Tonnen Atommüll

Der letzte Programmpunkt des Gedenktages war «Die Reise zum sichersten Ort der Erde». Der Aufführung des Films mit diesem Titel folgte im Kino ein Gespräch mit dem Regisseur Edgar Hagen. Nicht weniger als 350 000 Tonnen Atommüll warten auf ihre Endlagerung; Hagen macht sich im Film auf die Suche nach dem sichersten Ort der Welt, den es allerdings vielleicht gar nicht gibt.

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