Auch diesmal eine volle Kirche

Die Kirche Kappel war am Sonntag sehr gut gefüllt. Bereits zum zehnten Mal wurde von Pfarrer Philippe Müller der Velogottesdienst durchgeführt.

Stefan Füeg
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Das Velo abgestellt, der Gottesdienst kann also beginnen. (Bild: Stefan Füeg)

Das Velo abgestellt, der Gottesdienst kann also beginnen. (Bild: Stefan Füeg)

EBNAT-KAPPEL. Alles hat vor zehn Jahren begonnen. Philippe Müller zu seinen damaligen Beweggründen: «Es gab die Gottesdienste für Motorradfahrer. Ich überlegte mir, ob das nicht auch etwas für die Velofahrer sein könnte.» Vorgängig suchte er das Gespräch auch mit Stefan Seewer, dem seinerzeitigen Velohändler in Ebnat-Kappel. «Der hat mir abgeraten, er meinte, dass die Velofahrer ein eigenes Völklein seien.» Doch Philippe Müller liess sich nicht abhalten und initiierte trotzdem den Gottesdienst. «Natürlich kamen am Anfang noch nicht so viele wie heute, aber jedes Jahr sprach es sich mehr herum.»

Der Pfarrer ist selber ein «angefressener» Velofahrer, jedes Jahr fährt er im Frühjahr für eine Trainingswoche in den Süden. Für sehr viele Schweizer ist Mallorca dafür die Hauptdestination. Und jedes Jahr spult Philippe Müller zwischen 6000 und 8000 Kilometer selber ab. «Für mich gehört es ganz einfach dazu, das Virus hat mich schon früh gepackt.» Dazu kommt, dass er auch im Militär bei den damaligen Radfahrern eingeteilt war, Militär-Velorennen gehörten und gehören, wenigstens eines pro Jahr, immer noch in seinen Terminkalender. Und diesen Sonntag? Philippe Müller ist begeistert, dass trotz Regenwetter die Kirche praktisch voll ist. Es sei aussergewöhnlich, viele seien aus Witterungsgründen mit dem Auto angereist: «Aber trotzdem sind sie gekommen und das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» In seiner Predigt würdigte er die Radfahrer als «Lebensfahrer». Sei es mit dem Rad oder ganz einfach im Leben.

Es gelte, alles dem Ziel unterzuordnen, sei es im Sport oder ganz allgemein. Und: «Es kommt auch auf das kleinste Detail an, wenn nur etwas ganz Gewisses nicht ganz stimmt, dann geht das Ganze nicht auf.» Aber etwas dürfe nicht sein, meinte er, Leidenschaft dürfe nicht zum «Knochenfrass» werden. Es gelte ganz klar abzuwägen, was und wann erledigt werden solle und dürfe. «Lebe so, glaub so, dass es für dich und die anderen gut ist».

Die Erfolgsgeschichte des Velogottesdienstes wird wohl auch im kommenden Jahr weitergeführt, denn viele haben sich den nächsten Termin bereits wieder notiert.