Auch den Leader wieder besiegt

EISHOCKEY. Der SCH kommt in einer Partie von hohem Niveau gegen Prättigau zu einem 1:0 und zum achten Heimerfolg in Serie. Das einzige Tor erzielt die Nummer 17, Florian Jeitziner. Der Vorstand muss sich vielleicht bald in einer Frage entscheiden, an die im Sommer wohl kaum jemand gedacht hat.

Lukas Pfiffner
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Herisau setzt sich zum zweitenmal gegen den Tabellenführer durch (mit Nummer 17 der einzige Torschütze, Florian Jeitziner). (Bild: pf)

Herisau setzt sich zum zweitenmal gegen den Tabellenführer durch (mit Nummer 17 der einzige Torschütze, Florian Jeitziner). (Bild: pf)

Nach 59:32 Minuten nimmt der Bündner Gast im resultatmässigen Notstand sein Time-out und den Goalie vom Feld. Einwurf der Scheibe vor Klingler: Ein nächster Schuss fliegt knapp über das Herisauer Tor. 15 Sekunden vor der Sirene kommt es zum nächsten Bully in der Herisauer Abwehrzone – die Ausserrhoder können sich befreien. Eine starke Teamleistung von A bis Z attestiert Trainer Markus Rechsteiner seinen Spielern. «Jeder hat aufopfernd gekämpft. So energisch müssen wir in den Playoffs auftreten.»

Jeitziner trifft

«Prättigau komplett!», hatte der Speaker in der 32. Minute eben gerufen. Das erste Herisauer Powerplay des Abends war zu Ende. Der Puck kam aufs Bündner Tor, am schnellsten auf den Abpraller reagierte Stürmer Florian Jeitziner. Dessen Treffer zum 1:0 entschied einen Match, der hervorragende Werbung für die 2. Liga darstellte: Beide Mannschaften hatten Respekt voreinander, verhielten sich aber alles andere als passiv. Viele Angriffsauslösungen waren als vorbildlich zu bezeichnen, es gab wenige Unterbrüche und lange Zeit so gut wie keine Strafen. Dies führte dazu, dass bis in die Schlussphase hinein die Eiszeiten über die Linien fast gleichmässig verteilt waren.

Eine bemerkenswerte Serie

Die Torhüter Klingler und Seiler zeigten überragende Leistungen und erhielten sogar von den Gegenspielern Gratulationen. Die spektakulärste Parade gelang Herisaus Schlussmann in der 26. Minute mit der Fanghand gegen Pfister. Prättigau (bei dem der beste Skorer der Gruppe 2, Däscher, fehlte) war überlegen in den zweiten Abschnitt gestartet, konnte das Spiel als Tabellenführer aber nicht in die gewünschte Bahn lenken. Der SC Herisau hat seit dem Samichlaus-Tag immer gewonnen (nun siebenmal) und weist die bemerkenswerte Serie von 20 Dritteln auf, in denen er immer höchstens ein einziges Gegentor kassiert hat. Rechsteiner, der den SCH nach dem Abstieg übernommen hat, coacht unaufgeregt und muss in den vergangenen Monaten ausserordentliche Arbeit geleistet haben.

Erstaunlich, wie der völlig neu zusammengestellte SCH zu einer Einheit geworden ist. «Dass wir so gut dastehen würden, habe ich nicht erwartet», meint Verteidiger Stefano Figini. «Aber ich wusste zwei Dinge. Erstens: Die aus der letzten Saison verbliebenen Spieler haben grosse Lust zu helfen, dass es nach dem Frust von 2013/14 besser wird. Zweitens: Die Jungen werden sich beweisen wollen und alles tun, um ihren Mann zu stellen.» Figini (Jahrgang 1983) ist einer der Akteure aus der vergangenen Meisterschaft, sein Abwehrpartner Yanneck Hofstetter (Jahrgang 1998) einer der Youngsters. «Für mich ist es cool neben ihm, und er macht das sehr gut, hört auf uns Routiniers, setzt die Sachen um.» Die Jungen seien ausgezeichnet integriert und würden ihre Leistung bringen.

«Nur eines im Kopf»

Für 2014/15 war beim SCH richtigerweise die Stabilisierung als Schwerpunkt ausgegeben worden. Wer den Tabellenführer zweimal besiegt und zu acht Heimsiegen in Folge kommt, muss sich trotzdem einer Frage stellen: Wie ist die Einstellung zum Szenario «Wiederaufstieg in die 1. Liga»? Zuzutrauen ist diesem SCH einiges. Präsident Markus Bachschmied bleibt gelassen: «Wir haben im Moment nur eines im Kopf, nämlich den Verein zu sanieren.» Der Vorstand führe viele Gespräche, um Lösungen im Finanziellen zu finden. «Wir lassen die Mannschaft jetzt einfach einmal machen.»

Festlegen müsse man sich ja noch nicht jetzt. «Wenn es so weit kommen sollte, werden wir jenen Entscheid für den Verein fällen, der am besten ist.» Spätestens bis zum Beginn der Playoff-Halbfinals müssen die Clubs dem Verband mitteilen, ob sie aufstiegswillig sind. Die Achtelfinals beginnen am 10. Februar «übers Kreuz» gegen die Teams der Gruppe 1. Vorher spielt der SCH noch gegen Uzwil (a), St. Moritz (h) und Engiadina (a).

Herisau – Prättigau 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) Sportzentrum. – 317 Zuschauer. – Sr. Baum/Mattli. Tor: 32. Jeitziner (M. Koller, Bommeli) 1:0. Herisau: Klingler; M. Koller, Homberger; Figini, Hofstetter; Schmidt, Studerus; Jeitziner, T. Koller, Bommeli; Popp, Ammann, Graf; Hausammann, Brühwiler, Biefer; Heinrich, Rutishauser, Kubli. Prättigau-Herrschaft: Seiler; Käppeli, Tischhauser; Marugg, Peterhans; Rada, Mullis; Pfister, Kessler, Cola; Schumacher, Gabathuler, Lampert; Siegrist, Janki, Hobi. Strafen: Herisau 6mal 2 Minuten, Prättigau 3mal 2 Minuten. Bemerkungen: Herisau ohne Pace (verletzt).

Herisau setzt sich zum zweitenmal gegen den Tabellenführer durch (mit Nummer 17 der einzige Torschütze, Florian Jeitziner). (Bild: pf)

Herisau setzt sich zum zweitenmal gegen den Tabellenführer durch (mit Nummer 17 der einzige Torschütze, Florian Jeitziner). (Bild: pf)