«Attraktiver Standort»

Ausserrhodens Wirtschaftsförderin Karin Jung erklärt, warum die Anzahl Firmen seit 2007 in Ausserrhoden um mehr als einen Drittel zugenommen hat.

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Karin Jung (Bild: mab)

Karin Jung (Bild: mab)

Karin Jung, 2012 gab es in Ausserrhoden 18 Firmengründungen weniger als im Vorjahr. Eine Punktlandung?

Karin Jung: Ja. 2011 war es eine Zunahme von 208 und 2012 von 221 Firmen. Schaut man die Gesamtzahl an Unternehmen an, ist die Tendenz in Ausserrhoden leicht steigend.

Ein Grossteil der Neuen kommt aus der Branche Unternehmens- und Steuerberatung. Ist das ein allgemeiner Trend, oder ist Ausserrhoden besonders interessant für solche Firmen?

Jung: Ich habe die Zahlen der anderen Kantone noch nicht gesehen. Tatsache ist aber, dass der grösste Teil der Neugründungen aus dem 3. Sektor kommt – das ist schweizweit der Fall.

Seit 2008 haben sich in Ausserrhoden 38 Prozent mehr Firmen angesiedelt, gesamthaft sind es jetzt 4651. Ist dies der guten Arbeit des Amtes für Wirtschaft zu verdanken?

Jung: Sicherlich machen wir eine gute Arbeit, aber eine wichtige Rolle spielen die seit 2007 tiefen Unternehmenssteuern. Zudem profitiert Appenzell Ausserrhoden von der Attraktivität der gesamten Schweiz. National gesehen hat die Anzahl der Firmen zugenommen, das ist nicht nur bei uns so. Die Schweiz ist als Firmenstandort sehr beliebt.

Was unternimmt die Wirtschaftsförderung in den nächsten Jahren konkret, um noch mehr Firmen nach Appenzell Ausserrhoden zu holen?

Jung: Das Ansiedlungsgeschäft ist in den vergangenen Jahren internationaler geworden. Als ich mein Amt als Wirtschaftsförderin angetreten habe, kamen die meisten Firmen, die mit uns in Kontakt getreten sind, aus Deutschland. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Anfragen und Projekte, die wir von der Wirtschaftsförderung aus begleiten, kommen aus der ganzen Welt. Appenzell Ausserrhoden ist ein kleiner Kanton, daher haben wir die Zusammenarbeit mit den Kantonen Appenzell Innerrhoden, St. Gallen und Thurgau verstärkt.

Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?

Jung: Besonders die internationale Standortpromotion wurde intensiviert. Dies geschieht unter dem Namen «St. GallenBodenseeArea». Gerade weil die Ansiedlungsgeschäfte immer internationaler werden, sind wir darauf angewiesen, dass wir mit den umliegenden Kantonen eine gute Zusammenarbeit haben.

Das tönt alles sehr positiv. Aber gibt es keinen Kampf um die Firmen?

Jung: Nein. Die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit sind vorab klar abgesteckt worden. Ein Beispiel: Wir hatten Ende letztes Jahr die Anfrage einer Firma, die bei uns einen grösseren Produktionsstandort gesucht hat. So viel Platz finden wir in Ausserrhoden aber nicht. Also haben wir zusammen mit St. Gallen eine Offerte erstellt. Darin ist vorgesehen, dass ein Teil in Ausserrhoden und ein Teil in St. Gallen angesiedelt wird. Das Ziel ist es, das Unternehmen für die «St. GallenBodenseeArea» und damit für die gesamte Ostschweiz zu gewinnen. Davon profitieren wir alle – beispielsweise, wenn Mitarbeitende dann bei uns wohnen. Es muss uns miteinander gelingen, die Ostschweiz weiterhin wirtschaftlich zu stärken.

Interview: Markus Fässler

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