Atelierbesuch bei Kuk

SCHWELLBRUNN. Die halbe Schweiz kennt ihn aus der Fernsehserie «SRF bi de Lüt». Der Künstler und Sammler Matthias Krucker alias Kuk lebt und wirkt seit 16 Jahren in Schwellbrunn.

Karin Erni
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Der Eindruck täuscht: Kuk trennt sich nicht von seinen Stücken.

Der Eindruck täuscht: Kuk trennt sich nicht von seinen Stücken.

Schwellbrunn. Die halbe Schweiz kennt ihn aus der Fernsehserie «SRF bi de Lüt». Der Künstler und Sammler Matthias Krucker alias Kuk lebt und wirkt seit 16 Jahren in Schwellbrunn.

Sein Häuschen im Sommertal ist eine Art Gesamtkunstwerk, das sich laufend verändert. «Künstler, die bei mir zu Gast sind, verewigen sich oft mit einem Werk», so Kuk. Das sieht dann aus, als ob die Hexe aus «Hänsel und Gretel» ihr Knusperhäuschen radikal umgestaltet hätte. Graffiti statt Zuckerguss und Skulpturen statt Lebkuchen zieren die Fassade, und zwar gleich in mehreren Schichten.

Drinnen wähnt man sich in einem gut assortierten Brockenhaus. Kurioses und Kreatives stapelt sich bis unter den Giebel. Kein Eckchen, in dem nicht noch irgendein Fundstück seinen festen, ihm zugewiesenen Platz gefunden hätte. «Es braucht eine starke Psyche, um so zu wohnen», sagt Kuk. Der unverstellte Platz im Haus reicht für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer knapp aus, um sich von einem Raum in den nächsten zu bewegen. Ausser der Küche gibt es noch zwei Zimmerchen. «In diesem Haus haben früher einmal sieben Leute gelebt. Heute hat jeder das Gefühl, er brauche ein eigenes Zimmer», sagt Kuk.

Sein Schlafzimmer, oder «die Reithalle», wie er es nennt, ist eine Nische, in der gerade mal eine Matratze Platz findet. Der Rest des Raumes ist gefüllt mit Möbeln, Statuen, Bildern und unzähligen Kuriositäten. Fotografieren darf man das Ganze nicht. «Sonst kommen die Leute noch vorbei und wollen etwas kaufen», sagt Kuk.

«Wer staubt denn das alles ab?», fragt die besorgte Hausfrau. «Das macht der Durchzug», sagt Kuk und grinst. Aber eigentlich habe er es ganz gern, wenn etwas Staub liege.

Etwas mehr Raum als das Schlafgemach bietet das Atelier. Wobei «mehr» relativ ist. Vier, fünf Quadratmeter sind es vielleicht. Und auch diese Fläche ist mit allerlei Sammelgut gefüllt. Bis auf einen kleinen Platz in der Mitte. Eine Insel mit Stuhl und Staffelei. Hier sitze er jeweils und male, sagt Kuk. «Es ist der einzige Raum, in dem ich heizen kann.»

Er winkt. «Chomm, sitz ane, i zeig der e paar Bilder.» Es folgt eine Kunstausstellung der besonderen Art. Kuk trägt feierlich ein Werk ums andere aus dem Nebenzimmer herüber und stellt die Bilder sorgsam choreographiert im Raum auf. Dazu ertönt sphärische Musik aus der 80er-Jahre-Stereoanlage.

Hat sich sein Leben verändert seit der TV-Serie? Er bekomme mehr Besuch und mehr Post als früher, stellt der 35-Jährige fest. «Ja, richtige Briefe, wie früher. Die beantworte ich dann auch.» Mails zu schreiben könnte er sich nicht vorstellen. «Irgendwann hockst du nur noch vor dem Affenkasten und bist nicht mehr kreativ.» Die Filmarbeiten zur Serie hat er sehr positiv erlebt. «Das Filmteam bestand aus künstlerisch denkenden Leuten, mit denen habe ich mich sofort gut verstanden.»

Was dem Aussenstehenden als Chaos erscheinen mag, hat für Kuk durchaus System. Von seinen Bildern hat er gar ein Werkverzeichnis angelegt. Jedes seiner Bilder ist darin mit Foto aufgeführt. «Damit sie später wissen, was ich gemacht habe und was nicht», so der Maestro. Es könnte ja sein, dass dereinst jemand auf die Idee kommen könnte, ihn zu kopieren.

Eines der neueren Werke im Atelier.

Eines der neueren Werke im Atelier.

Gebrauchskunst im Garten.

Gebrauchskunst im Garten.

Kein Platz bleibt ungenutzt.

Kein Platz bleibt ungenutzt.

Kuk mit einem seiner ersten Werke: Ein Kästchen mit Schublädli. (Bild: Karin Erni)

Kuk mit einem seiner ersten Werke: Ein Kästchen mit Schublädli. (Bild: Karin Erni)

Klare Worte eines Kunstschaffenden.

Klare Worte eines Kunstschaffenden.

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