Asbestschulhaus wirft Fragen auf

Angesichts des Asbests im Realschulhaus Gringel mahnt der Bereichsleiter Chemie von der Suva zu einem vorsichtigen Umgang. Der Schulrat beruhigt: Laut Expertenberichten bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Roger Fuchs
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Das Realschulhaus Gringel ist mit Schadstoffen belastet. Noch wird darin unterrichtet. Für knapp zehn Millionen Franken soll das Gebäude saniert werden. (Bild: Roger Fuchs)

Das Realschulhaus Gringel ist mit Schadstoffen belastet. Noch wird darin unterrichtet. Für knapp zehn Millionen Franken soll das Gebäude saniert werden. (Bild: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

«Asbest» lässt aufhorchen. Schon oft erkrankten Menschen wegen dieses Schadstoffs. Seit dieser Woche ist öffentlich bekannt, dass das Realschulhaus Gringel in Appenzell wegen Asbest saniert werden muss. Bei der Unfallversicherung Suva führt man zwar keinen Kataster über asbesthaltige Gebäude, als zuständiges Organ für den Arbeitnehmerschutz weiss die Suva aber um die Gefahren. «Bei Asbest handelt es sich um eine natürliche mineralische Faser, die nach dem zweiten Weltkrieg vielen Baustoffen beigemischt wurde», sagt Edgar Käslin, Bereichsleiter Chemie bei der Suva. 1990 hat der Bund diese Anwendung verboten. «Werden Asbestfasern freigesetzt, können diese in die Atemwege gelangen und schwere Lungenkrankheiten hervorrufen», so Käslin. Oft würden solche Krankheiten erst 30 bis 40 Jahre später ausbrechen. Sofortsymptome gebe es bei Asbest nicht. Solange dieser aber im Baustoff gebunden bleibe und nicht freigesetzt werde, sei das Ganze ungefährlich.

Unterschiedliche Risiken einer Asbestbelastung

Aus der Distanz zu beurteilen, wie gross im Appenzeller Realschulhaus die Gefahr ist, dass beim laufenden Alltagsbetrieb Asbestfasern freigesetzt werden, ist schwierig. Dies hängt von zahlreichen Faktoren ab, wie Käslin ausführt. Beispielsweise davon, wie kompakt das asbesthaltige Material ist oder auch davon, wie stark die Räume beansprucht werden. Und wird einmal Asbest festgestellt, so gäbe es durchaus unterschiedliche Risikograde einer Asbestbelastung, die darüber entscheiden, wie dringlich eine Sanierung ist. Zwingend ist gemäss Edgar Käslin allerdings, dass durch Asbestdiagnostiker oder speziell ausgebildete Fachbauleiter abgeklärt wird, ob durch die noch laufende Beanspruchung des Schulhauses Asbestfasern freigesetzt werden könnten. Der Appenzeller Schulratspräsident Daniel Brülisauer versichert, dass solches geschehen ist. «Seitdem der Schulrat der Schulgemeinde Appenzell Kenntnis hat über die Problematik, wurden sporadisch Abklärungen und Untersuchungen in Auftrag gegeben», sagt er. Zudem seien bereits vor über zehn Jahren ein sogenannter Gebäudescan sowie eine Untersuchung der Luftqualität in den Schulzimmern in Auftrag gegeben worden. Die entsprechenden Abklärungen und Untersuchungen seien von Fachexperten im Umweltbereich durchgeführt worden und hätten ergeben, dass absolut keine Gefahr für Personen bestehe, solange an der betroffenen Gebäudestruktur keine Veränderungen vorgenommen würden.

Kann demnach heute davon ausgegangen werden, dass keine späteren Folgeschäden bei Schülern und Lehrern in diesem Schulhaus möglich sind? «Davon geht der Schulrat unter Beachtung der vorgenannten Expertenberichte aus», sagt Daniel Brülisauer.

Bei Sanierung auch Umgebung schützen

Dass im Realschulhaus Gringel überhaupt Asbest gefunden wurde, überrascht Edgar Käslin von der Suva nicht. Angesichts des bundesweiten Verbots im Jahr 1990 könne davon ausgegangen werden, dass bei früher erstellten Bauten mit grosser Wahrscheinlichkeit Asbest in irgendeiner Form vorhanden sei. Diese Faser sei während der Boomjahre wohl mehr als 3000 Materialien beigemischt worden.

Wird ein asbesthaltiger Bau saniert, so hat der verantwortliche Unternehmer dies zwei Wochen im Vorfeld der Suva zu melden. «Die entsprechenden Firmen haben neben der Wahrung der Arbeitssicherheit die Pflicht, auch die Umgebung zu schützen und dafür zu sorgen, dass keine Fasern dorthin gelangen», so Edgar Käslin.