Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Arthur junior, sturmfreie Kunst mit Bratwurst

WATTWIL. «Arthur junior hat sturmfrei!» – so der Titel der neuesten Toggenburger Kunst-Initiative. Da hüpft das junge Herz und ältere Semester schauen wohl neugierig nach, ob die Jungen nun so viel wilder sind als die Alten.
Felix hat Hunger: «Soziales Kunstwerk» von Karin Kurzmeyer.

Felix hat Hunger: «Soziales Kunstwerk» von Karin Kurzmeyer.

«Arthur junior hat sturmfrei!» – so der Titel der neuesten Toggenburger Kunst-Initiative. Da hüpft das junge Herz und ältere Semester schauen wohl neugierig nach, ob die Jungen nun so viel wilder sind als die Alten. Die «sturmfreie» Bude ist das alte «Magasä» an der Wilerstrasse zwischen Wattwil und Lichtensteig. Es ist ein Haus mit Geschichte, wenig Zukunft und elf ziemlich kleinen Räumen: Ein idealer Ort also für eine spontane Ausstellung mit jungen Künstlerinnen und Künstlern, die mit ihrem Werk weder grosse Säle noch teure Galerien füllen.

Ein Haus mit Geschichte

Das Haus gehört der Familie Schönenberger, die gleich nebenan ihr Recycling-Unternehmen betreibt. Der Grossvater des Firmenbesitzers François Schönenberger hat das Haus 1905 gekauft und jahrzehntelang mit seiner Familie bewohnt. Gelegentlich übt die Feuerwehr Wattwil-Lichtensteig mit Atemschutzgeräten im leeren Haus (François Schönenberger war Kommandant der örtlichen Feuerwehr).

Dass junge Kunst dank der Initiative von Sirkka Ammann und Maura Kressig (die Ausstellung ist gleichzeitig ihre Maturaarbeit) das Haus in Beschlag nimmt, gefällt François Schönenberger enorm. Miete zahlen müssen die Ausstellerinnen darum keine. Weitere Ausstellungen seien erwünscht, meint Schönenberger. Die Zukunft des Hauses sei noch nicht verplant: Abgebrochen werde es erst, wenn die Firma bei einem Ausbau Platz benötigt.

Gastfreundliche Kunst

Vorläufig kann man sich also über ein Kunst-Provisorium freuen. Und der Empfang dort ist schon gastfreundlich: «Felix hat Hunger» – der rot gekleidete Karton-Mann mit kreideweissem Gesicht sitzt mit leeren Augen geduldig am Küchentisch. Freut er sich auf Besuch? Muss er gefüttert werden? Jedenfalls steht die Fotokamera bereit, mit der sich Felix mit seinen Gästen ablichten lässt.

Oder sehnt er sich nach der monumentalen Styropor-Bratwurst, die eine Etage höher hinter einer Abschrankung zum Kunstobjekt geadelt, aber unerreichbar bleibt? «Felix» ist ein Nomade: Karin Kurzmeyer lässt sich mit Felix zu Leuten einladen und nimmt als Andenken einen Gegenstand mit, der während des Essens auf dem Tisch stand.

Was wollen Junge von Kunst?

Mit diesem «sozialen Kunstwerk» passt Kurzmeyer genau in das «Sturmfrei»-Konzept: «Ausstellungen, bei denen man bloss von Bild zu Bild geht, wollen die Jungen nicht», sagen die Ausstellungsmacherinnen Sirkka Ammann und Maura Kressig. Sie sind von Kindesbeinen mit Kunst «gefüttert» und an Ausstellungen «mitgeschleppt» worden.

Ihre Eltern gehören zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Kunsthallen Toggenburg, und sind sozusagen «Arthur-Senioren». Ammann und Kressig haben für ihre Maturaarbeit eine Umfrage bei Jugendlichen gemacht. Sie wollten wissen, wie eine Kunstausstellung sein soll, damit sie hingehen. Ergebnis: Die Jungen wollen Vielfalt der Objekte und Stile, Anteil nehmen können und wenn möglich sollten die Künstler für ein Gespräch vor Ort sein.

Zertrümmern, recherchieren

Die jungen Künstler kommen von St. Gallen bis Bern. Sirkka Ammann und Maura Kressig haben sie per Mails an Kunst- und Graphikschulen gefunden. Vielfältig ist die Ausstellung: Da gibt es die Konzeptkunst – mit einer Styropor-Bratwurst wird elegant der Statusanspruch von Kunst und das Markenzeichen der Ostschweiz karikiert; die Autobiographiezertrümmerung – Rilana Frey hat eigene Bilder zerschnitten, neu zusammengeklebt und vernagelt und damit eine

biographische Baustelle kreiert; die Recherche – Andreas Spörri imaginiert sich in das Schönenberger-Haus und legt dessen ehemaligen Bewohnern malerisch Sprüche in den Mund wie «hey guys, i made some cookies for you». Entdecken kann man Miniatur-Bilder in Schränken und einen düster-schwarzen Geier aus mit Wachs überzogenen Textilien, auf zwei Videos kann man ein gekochtes Ei auf einem Teller beobachten und daneben ein Lavabo, in dem jemand Zähne putzt – oder ganz einfach den mit Graffitis bemalten Flur bewundern.

Hansruedi Kugler

«Arthur junior hat sturmfrei» «Magasä» an der Wilerstrasse, zwischen Wattwil und Lichtensteig 16. und 19. Juni 14 bis 18 Uhr 20. Juni Finissage mit Grill

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.