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«Armer Tropf» und «lieber Kerli»

Der Verein Kulturprojekte zeigt in der Alten Stuhlfabrik das Theater «Glöck ond Sege of de Schüüssealp oder Em Röbi sin Traum». Am Wochenende haben die ersten, gut besuchten Aufführungen kritische bis witzige Einblicke ins Leben von Verdingkindern gegeben.
Lukas Pfiffner

HERISAU. Röbi kniet am Boden und betet. «Auf die Alp gehen würde ich schon gerne, und dann zu einem Schreiner.» Einer der innigsten Wünsche ist es zudem, zu einer richtigen Familie zu gehören. Im Theaterstück «Glöck und Sege of de Schüüssealp oder Em Röbi sin Traum» geht es um das Schicksal der Verdingkinder. Vom «armen Tropf» ist am Samstagabend im Verlauf der Premiere in der Alten Stuhlfabrik ebenso die Rede wie vom «lieben Kerli».

Ins Glück geführt

Röbi wächst in der Pflegefamilie Eugster auf. Diese hat früher ein Waisenhaus geführt und nun ein paar Kinder zur Betreuung behalten. Der Traum des Jungen spielt auf der «Schüüssealp», wo die drei Helden Ueli, Köbi und Fritz ins Glück geführt werden – wenigstens in den Vorstellungen des Waisenkinds Röbi.

«…auf dem Geldsäckel gelegen»

«Das Theaterstück von Lina Hautle-Koch möchte unterhalten, es will aber auch eine Botschaft vermitteln», wird in der Einführung auf der Bühne des Kleintheaters gesagt. Die Gemeinde habe jeweils entschieden, wohin die Kinder versorgt würden. «Eine Lehre anzutreten, ist kaum in Frage gekommen: Sie wären sonst der Gemeinde viel zu lange auf dem Geldsäckel gelegen.» Gesellschaftskritische und nachdenkliche Elemente wechseln sich mit witzigen Dialogen ab. Ueli (seine prägende Rolle wird überzeugend gespielt von Martin Schmid) wird einmal gefragt: «Heimweh hattest du keines?» «Wozu denn? Ich hatte ja niemanden!» Köbi sinniert später: «Und dann soll ich handlangern gehen, für den Vormund? Mir wurde schon oft gesagt, es gebe manche, die viel gescheiter seien als ich.» Ueli vertritt sich später bei einer ungeschickten Bewegung auf der Alp den Fuss, und Köbi wird von Lisi weggeschickt, um nachzuschauen, ob Essig für einen Umschlag vorhanden sei. Er kommt strahlend zurück: «Essig gibt's nicht, aber Öl.»

Auch Röbi singt

Lina Hautle hat das Stück wie die meisten ihrer Werke für Unterhaltungsabende von Jodelclubs verfasst, weshalb auch das Singen und Zauren in der Aufführung eine Rolle spielt. Röbi nimmt ebenfalls an den musikalischen Einlagen teil. Sehr wirkungsvoll inszeniert sind auch die Teile gegen Schluss der Aufführung: Der Knabe kopiert in Gesten und Mimik Ueli, der auf der Schüüssealp Besuch erhält von einer Delegation der Gemeinde.

Vier weitere Vorstellungen

Die zehn Laiendarstellerinnen und -darsteller aus Urnäsch, Schwellbrunn, Schachen bei Reute, Degersheim, Heiden und Rorschach geben eindrückliche Einblicke ins Leben auf der Alp und in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Für den Verein Kulturprojekte ist es die dritte Produktion nach Stücken von Lina Hautle-Koch. Die Gruppe ist 2012 auf der Bühne der Alten Stuhlfabrik sesshaft geworden. Nach den beiden sehr gut besuchten Aufführungen vom Wochenende sind die weiteren Vorstellungen auf den 16., 18., 19. und 20. März festgelegt.

Informationen, Reservation: www.altestuhlfabrik.ch

Auf der Schüüssealp gibt es schwierige und schöne Momente. Eine Gemeindevertretung kommt auf Besuch, und Röbi träumt. (Bilder: pf)

Auf der Schüüssealp gibt es schwierige und schöne Momente. Eine Gemeindevertretung kommt auf Besuch, und Röbi träumt. (Bilder: pf)

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