Armee und Sicherheit

Ich bin kein Freund einer Freiwilligenarmee. Selber habe ich nicht ungern zwei Jahre Militärdienst geleistet. Was aber die Armee zum Schutz des Landes als Sicherheit vorgibt, könnte im konkreten Fall ja gar nicht mehr eingelöst werden.

Hermann Neff Schwantlern 5 9056 Gais
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Ich bin kein Freund einer Freiwilligenarmee. Selber habe ich nicht ungern zwei Jahre Militärdienst geleistet. Was aber die Armee zum Schutz des Landes als Sicherheit vorgibt, könnte im konkreten Fall ja gar nicht mehr eingelöst werden. Denn die Grundlage einer glaubwürdigen und nachhaltigen Verteidigung, nämlich die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, ist von Politik und Wirtschaft verantwortungslos zerstört worden. Die Schweiz wurde und wird weiterhin systematisch zugebaut. Es braucht keinen Feind von irgendwoher. Wir sind uns mit unserer Wohlstandsverblödung selber Feind. Die dringend notwendige Aufstockung des Polizeikorps wäre ein Gebot der heutigen Zustände. Lang lebe die Sicherheit, und wär's auch nur die Scheinsicherheit!

Kontaktbar in Herisau

Kürzlich war in der Appenzeller Zeitung zu lesen, dass der Gemeinderat Herisau eine Kontaktbar an der Schmiedgasse bewilligt habe, und auch, dass deren Besitzer hoffe, diese im November eröffnen zu können. Die Nachbarn im weiteren Umkreis sind gegen diese Umnutzung des «Weissen Rössli», der ehemaligen Quartierbeiz, in einen «Ritter-Salon».

Welche Entwicklung soll denn unser Dorf nehmen? Der Kanton investiert zurzeit viel Geld und Interesse in die Förderung des Zentrums Herisau. Man sucht eine Steigerung der Attraktivität für Familien, Gewerbe etc. Eine Gruppe um die Stiftung Dorfbild bemüht sich aktiv um die architektonische Entwicklung des Dorfkerns. Es geht also nicht allein um diese Kontaktbar, sondern um die Situation an sich. Im Kanton Thurgau antwortete der Regierungsrat auf eine entsprechende Einfache Anfrage: «Die von solchen Betrieben ausgehenden ideellen Immissionen sind in einem Gebiet mit überwiegender Wohnnutzung als stark störend einzustufen und daher mit einer üblichen Wohnnutzung unverträglich.» (Tagblatt Online 20. September 2012) Wenn die Gemeinde Herisau also in der Frage der weiteren Entwicklung ohne nötiges Konzept vorgeht, wäre das mehr als schade! Das Herisauer Dorfzentrum hat es ohne Zweifel verdient, nicht einfach zum Rotlichtbezirk zu werden.

Wir sind keine Krieger

Um es gleich vorwegzunehmen: Mir ist es egal, ob die Wehrpflicht abgeschafft wird oder nicht. Unterm Strich ändert sich, so oder so, nichts. Ausser, dass es mehr oder weniger teuer wird.

Bundesrat Maurer liegt natürlich richtig, wenn er befürchtet, dass sich seine Freiwilligen im Ernstfall vom Acker machen. Als ob das mit Wehrpflichtigen anders wäre! Von meinen Eltern weiss ich, dass im Mai 1940, als es an der Grenze brenzlig wurde, in der Ostschweiz kaum noch ein Offizier zu finden war. Heute wär das noch schlimmer, es würde auch das Gros der Soldaten den Marty machen. Zur Erinnerung: André Marty war der Fernsehkorrespondent im Gaza-Streifen, der während einem laufenden Bericht völlig verstört abtauchte, als ihm eine Kugel um die Ohren pfiff. Und ward nicht mehr gesehen.

Die heutigen Kriege finden bei uns, wie grad erwähnt, im Fernsehen statt. Da sieht man dann vorwiegend Pick-ups, bestückt mit Maschinengewehren, darauf hochmotivierte Männer mit schwarzen Bärten, in Sandalen und wallenden Kleidern. Und sie gewinnen meistens. In unserer Armee sehe ich keine Pick-ups, selten Männer mit schwarzen Bärten und motiviert, den Kopf vorzustrecken, ist kein einziger. Das ist ja auch kein Wunder, sind wir doch weitgehend so erzogen, dass die Solidarität immer mehr des Teufels ist und dass jeder gefälligst für sich selber schauen soll. Und plötzlich sollen, vereinfacht ausgedrückt, die Pflichtbewussten für die Drückeberger das Leben riskieren. Wir alle sind doch ein zu sehr verwöhntes und komplett kriegsuntaugliches Volk. Hand aufs Herz, der Ernstfall würde innert kürzester Zeit zum Desaster werden. Gott bewahre uns (wieder)!

Wer genau hinschaut, stellt auch fest, dass über 80% der Kriege gegen das eigene Volk geführt werden. Da ist natürlich die Situation eine ganz andere. Das wäre dann für unsere Armee der einzige Auftrag, der noch im Bereiche des Machbaren läge. Wer glaubt, dass das absurd sei, der sei einfach daran erinnert, dass auch der letzte ernsthafte Einsatz unserer Armee im November 1918 anlässlich des Generalstreikes gegen die eigene Bevölkerung war! Die Gewährleistung der inneren Sicherheit, was immer das sein mag, ist nach wie vor Armeesache.

Und dann noch eines: Beim Thema Militär fehlt mir vor allem die Ernsthaftigkeit. Militär heisst Vorbereitung auf den Krieg. Und nicht Rechtfertigung für (wichtige!) Katastrophenhilfe oder Bautrupps für Schwingfeste und Reitturniere. So auch bei der anstehenden Flugzeugbeschaffung. Den Gripen gibt's nur, wenn lukrative Gegengeschäfte garantiert sind. Wenn nicht, reichen offenbar auch die, die wir haben. Und um, wie kürzlich geschehen, dem Schwingerkönig buchstäblich einen tollen Ausflug zu bieten, reichen sie tatsächlich.

Kurzum, unsere Armee ist für ein paar wenige ein Spielzeug und für ein paar andere eine Gelddruckmaschine. Was darüber hinausgeht, ist entweder ein Mythos längst vergangener Tage oder gehört ins Reich der Phantasie und Illusion, und deshalb sollte die richtige Antwort eigentlich klar sein: Das geht auch viel billiger.

RICHTIG

Am vergangenen Mittwoch haben wir einen Leserbrief von Severina Krüsi-Schnellmann abgedruckt. Sie schreibt darin unter anderem, dass sie gerne die Kinder für eine Reise aus der Schule genommen hätte, dieser Antrag aber abgelehnt worden sei. Die Gemeinde Herisau ist dieser Angelegenheit nachgegangen und hat festgestellt, dass nie ein solcher Antrag gestellt worden ist und dass in Herisau niemand mit dem Namen Severina Krüsi-Schnellmann lebt. Unsere Zeitung druckt gerne weiterhin Leserbriefe ab. Zur Fairness gehört es aber, dass man mit dem Namen zu seiner Meinung steht und nur Beiträge von echten Personen eingereicht werden. (red.)