Arbeitsmodell Teilzeit-Mann

Der Wunsch nach Teilzeitanstellungen verstärkt sich bei den Männern. Besonders Familienväter wollen mehr Zeit für ihre Kinder. Am Plattform-Anlass des Amtes für Gesellschaft Appenzell Ausserrhoden werden Vor- und Nachteile diskutiert.

Stephanie Sonderegger
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Das Interesse an den Teilzeit-Männern und ihren Arbeitsmodellen war gross an diesem Abend. (Bild: sso)

Das Interesse an den Teilzeit-Männern und ihren Arbeitsmodellen war gross an diesem Abend. (Bild: sso)

WALZENHAUSEN. Beim 6. Plattform-Anlass des Amtes für Gesellschaft Appenzell Ausserrhoden wurden am Montagabend Begriffe wie «Flexible Arbeitszeiteinteilung» und «Teilzeit-Modelle» diskutiert. Schwerpunkt dabei war die Stellung der Männer als Teilzeitarbeitende. «Was definiert einen ganzen Mann?», fragte Max Eugster, Fachperson für Asyl des Amtes für Gesellschaft, zu Beginn der Veranstaltung. Die Fragestellung leitete das Thema «Dann ist ein Mann ein Mann – wenn weniger mehr ist» ein, welches an diesem Abend von allen Facetten beleuchtet wurde.

Ein Thema, das bewegt

«Es ist der erste Anlass zu diesem Thema», sagte Eugster, der selber in einer 60-Prozent-Anstellung arbeitet. Über 55 Personen waren anwesend, als der Familienvater den Anlass eröffnete: «Noch immer arbeiten 89 Prozent der Schweizer Männer in einer Vollzeitanstellung. Wir haben aber gemerkt, dass auch in Appenzell Ausserrhoden Bewegung in das Thema gekommen ist.» Die Einstellung zu Job und Freizeit verändere sich. Aus diesem Grund hatte das Amt für Gesellschaft zu diesem Anlass vier Familienväter eingeladen, die im Teilzeit-Modell tätig und mit der Thematik vertraut seien.

Flexibilisierung notwendig

Hans-Caspar Schegg war einer der geladenen Männer an diesem Abend. Dem Leiter der Personalentwicklung und -ausbildung der Helvetia Versicherungen wurde die Aufgabe zugetragen, sein Leben zwischen Job und Familie zu veranschaulichen. «Man muss sich entscheiden, was einem im Leben wichtig ist», so der zweifache Familienvater. Er selber ist zurzeit in einer 90-Prozent-Anstellung tätig. Seine Frau arbeite zu 50 Prozent. «Eine gute Planung und ein gutes soziales Netzwerk ist wichtig für das Modell», sagte Schegg. Dennoch kennt auch er die Hürden, die es zu überwinden gilt, um als Teilzeit-Mann leben und arbeiten zu können: «Eine Flexibilisierung ist notwendig. Es muss für Arbeitgeber und Arbeitnehmer stimmen.» Dazu sei unter anderem viel eigenes Engagement gefragt, aber auch verständnisvolle Vorgesetzte. «Das Gefühl, zwischen Familie und Karriere hin und her gerissen zu sein, ist dennoch vorhanden. Man muss lernen, damit umzugehen», so Hans-Caspar Schegg.

Podium ohne Kontroversen

Beim anschliessenden Podium wurde das Thema durch drei weitere Teilzeit-Männer beleuchtet. Dazu wurden Bruno Fritsche, Polizist, und Christian Löhrer, Unternehmer, eingeladen. Nationalrat Andrea Caroni sprang aufgrund einer Terminkollision ab. Ersetzt wurde dieser durch Thomas Walliser Keel, Kommunikationsverantwortlicher der Verwaltung Herisau. Cornel Rimle, Präsident des «ForumMann», leitete die Gesprächsrunde. Er konfrontierte die Gäste mit kontroversen Aussagen: «Sonst ist das Podium kein Podium. Unsere Meinung ist ja bereits gemacht.»

Seltene Wert-Diskussionen

Christian Löhrer beschäftigte besonders der Punkt der Wertschätzung: «Es geht nicht um die Wertschätzung, sondern um die Frage: Was ist es mir wert?» Löhrer arbeitet zu 80 Prozent, seine Frau zu 60 Prozent. Den Entscheid für das Teilzeit-Modell traf er bereits früh: «Wir haben dafür investiert, damit wir heute so leben können.» Auch Thomas Walliser Keel ist es bewusst, dass das Modell aus finanzieller Sicht nicht für jede Familie möglich ist: «Es ist Luxus.» Probleme mit den Arbeitgebern hatten weder Walliser Keel noch Fritsche. «Wär das der Fall gewesen, hätte ich die Stelle gewechselt», bestätigt der Polizist. Er arbeitet erst seit kurzem in einer Teilzeitanstellung. Wert-Diskussionen zur Rollenverteilung seien selten geworden: «Heute führt kein Weg mehr an diesem Thema vorbei», so Löhrer.

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