Arbeit eines Kurators reizt

Der Verein «Ereignisse Propstei St. Peterzell» präsentiert derzeit eine Ausstellung über das verlegerische Werk von Josef Felix Müller. Bei der Wahl des Kurators setzte man auf den Nachwuchs: Ramon Lenherr ist ins kalte Wasser gesprungen.

Nadine Rydzyk
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Jung, frisch und voller Ideen: Ramon Lenherr weiss, was ihm wichtig ist und wie er seine Ideen bei Ausstellungen wirkungsvoll umsetzen kann. (Bild: Thomas Geissler)

Jung, frisch und voller Ideen: Ramon Lenherr weiss, was ihm wichtig ist und wie er seine Ideen bei Ausstellungen wirkungsvoll umsetzen kann. (Bild: Thomas Geissler)

ST. PETERZELL. «Zum Kuratorium der Propstei St. Peterzell bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind», lacht Ramon Lenherr. Der 27-Jährige kam durch ein Projekt für eine neue Website für die Kunsthalle Wil in Kontakt mit der Propstei. Von hier aus wurde er dem bisherigen Kurator der Propstei, Roman Menzi, als möglicher Nachfolger empfohlen. Dieser nahm umgehend Kontakt zu dem jungen Gestaltungstalent auf. Das geschah vor rund einem Jahr. Kurz darauf begann Ramon Lenherr bereits mit den Vorbereitungen zur kürzlich eröffneten, ersten Ausstellung, die seine Handschrift trägt.

Gute Grundlagen

In die gestalterische Richtung sollte es für ihn beruflich schon immer gehen, darüber war sich Ramon Lenherr bereits früh im klaren. Nachdem er die Volksschule abgeschlossen hatte, besuchte er erfolgreich den einjährigen gestalterischen Vorkurs an der Schule für Gestaltung St. Gallen. Hier erlernte er die Grundlagen des Handwerks, das genaue Betrachten, den Blick für Details wie für das grosse Ganze und vor allem das Zeichnen. An diese Basis knüpfte er mit einer Lehre als Dekorationsgestalter an. Hier lernte er, wovon er bis heute sowohl in seiner Stellung als Art Director bei der St. Galler Firma Vitamin 2 wie auch bei seinem Mandat als Kurator des Vereins «Ereignisse Propstei St. Peterzell» profitiert. «Besonders spannend fand ich, dass dieser Beruf sehr vielseitig ist. So lernte ich in der Ausbildung alles vom Streichen bis zum Verkabeln, konnte Schreinerarbeiten und alle möglichen anderen handwerklichen Tätigkeiten erlernen, aber auch von der Konzeption über die Grafik bis zur Umsetzung an Ausstellungen, Messen und Events mitarbeiten», erläutert der junge Kurator. Zu den grössten und für ihn persönlich eindrücklichsten Projekten innerhalb seiner Zeit bei der Migros Ostschweiz, wo er nach der vierjährigen Lehre noch weitere vier Jahre bleiben sollte, gehörte das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld. «Hier durfte ich von der ersten Skizze bis zur Umsetzung vor Ort mitwirken», schwärmt er noch heute. So war auch der grosse Eichenlaubkranz, der die Tribüne umrankte, seine Idee. «Es ist besonders reizvoll, wenn etwas entsteht, was die Menschen begeistert», so Ramon Lenherr.

Während seiner Zeit bei der Migros absolvierte er das berufsbegleitende Studium «Visuelle Kommunikation». «Das war eine strenge Zeit, die aber auch so schön war, dass sie wie im Flug vergangen ist», erinnert er sich. Mit einem weiteren Abschluss in der Tasche fand er bald den Weg zu seinem heutigen Arbeitgeber, der Vitamin 2 AG in St. Gallen.

Positive Reaktionen

Als Kurator in der Propstei wirkt er nebenher, was wiederum viel Arbeit für ihn bedeutete. «Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie zeitintensiv so etwas ist und wie gross der administrative Aufwand, der hinter so einer Ausstellung steckt», räumt er ein. «Die Reaktionen der Leute und das tolle Feedback sind aber eine wunderbare Motivation für die nächste Ausstellung.» Und an dieser wird Ramon Lenherr in jedem Fall noch für die Propstei St. Peterzell beteiligt sein. Ideen hat er bereits jetzt viele. Diese verrät er zwar noch nicht, doch gibt er schon einmal einen interessanten Hinweis: «Die nächste Ausstellung wird einen stärkeren regionalen Zusammenhang haben, denn dieser Bezug ist mir sehr wichtig. Ich habe den Anspruch, dass eine Ausstellung selbst erklärend und gleichzeitig auch überraschend sein soll – sowohl für Besucher, die mit dem jeweiligen Thema vertraut sind, als auch für diejenigen, die völlig unbelastet in eine Ausstellung gehen.» Auf diese Weise möchte er Anregungen schaffen und im Grossen wie auch in Details das Unvorhergesehene bieten. Dabei will er, wie in der aktuellen Ausstellung, kleine Finessen einbauen, die auch einen zweiten oder dritten Besuch mit neuen Entdeckungen belohnen.

Da, wo er hin wollte

Ob Ramon Lenherr nach 2013 noch Kurator der Propstei bleibt, weiss er noch nicht. «Die Arbeit eines Kurators ist sehr spannend und hat ihren Reiz», meint er. Von seiner ersten Ausstellung in dieser Funktion ist ihm vor allem die Zusammenarbeit mit Felix Müller sowie mit Roman Signer als grosser Gewinn geblieben. «Das war natürlich eine tolle Sache, live zuzusehen, wenn so ein berühmter Künstler wie Roman Signer Hand anlegt», schwärmt der junge Kurator. Und generell kann er derzeit nur zufrieden sagen: «Ich bin da, wo ich hinwollte.»

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