Arbeit der Gemeinderäte aufwerten

MOSNANG. Nach der Ankündigung von Bernhard Graf, dass er bei den nächsten Wahlen nicht mehr antritt, wurde die Arbeitsgruppe «Gemeindemodell» gebildet. Deren Arbeit ist nun abgeschlossen. Man ist sich einig: Der künftige Gemeindepräsident soll ein 80-Prozent-Pensum erhalten.

Beatrice Bollhalder
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Wer ab 2017 an der Spitze der Gemeinde Mosnang stehen wird, ist noch nicht bestimmt. Aber man ist sich einig, dass der künftige Gemeindepräsident mit einem 80-Prozent-Pensum angestellt werden soll. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Wer ab 2017 an der Spitze der Gemeinde Mosnang stehen wird, ist noch nicht bestimmt. Aber man ist sich einig, dass der künftige Gemeindepräsident mit einem 80-Prozent-Pensum angestellt werden soll. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Wie geht es 2017 in Mosnang weiter? Dann wird die Ära von Bernhard Graf als Gemeindepräsident zu Ende sein. In einer Arbeitsgruppe, in der nebst fünf Gemeinderäten auch je zwei Mitglieder aller drei Ortsparteien mitarbeiteten, wurden mögliche Varianten für die zukünftige Führung der Gemeinde ermittelt. Urs Stillhard, Ortsparteipräsident der FDP, findet es gut, dass Bernhard Graf bereits sehr früh die Bürger davon in Kenntnis gesetzt hat, dass er bei den kommenden Wahlen nicht mehr antreten wird. «So haben wir genug Zeit, die Situation zu analysieren und einen Stellenbeschrieb für den künftigen Präsidenten zu erstellen», erklärt er.

Bedeutende Persönlichkeiten

Alle Teilnehmer der Arbeitsgruppe «Gemeindemodell» seien sich einig, dass nach 27 Jahren Otto Bürge und 24 Jahren Bernhard Graf, die beide grosse und bedeutende Persönlichkeiten waren, ein neuer Weg eingeschlagen werden soll, hält Urs Stillhard fest. Bei den beiden Gemeindepräsidenten seien viel Wissen und Entscheidungen auf die jeweilige Person fixiert gewesen. «Das ist auch logisch, wenn der Gemeindepräsident fast alle Kommissionen selber präsidiert.» Was also muss geändert werden? «Nebst dem bisherigen Modell wurde die Möglichkeit eines deutlich reduzierten Pensums des Präsidenten, einem Verwaltungsleiter und der Einführung des Ressortsystems für die Gemeinderäte diskutiert», erklärt Max Gmür, Leiter der Arbeitsgruppe. «Beim Ressortsystem würden Gemeinderäte die volle Verantwortung für ganze Bereiche der Gemeindeführung übernehmen (zum Beispiel Finanzen)», führt Gmür weiter aus. Mitglieder der Arbeitsgruppe sehen in diesem Modell den Vorteil, dass die Belastung besser verteilt und der Gemeindepräsident nicht zu dominant werden kann. Vize-Gemeindepräsident Renato Truniger glaubt ausserdem, dass damit Gemeinderäte als mögliche Nachfolger herangebildet und für die Politik begeistert werden können. Bei einer Bürgerversammlung müssten die Räte nämlich ihr Ressort selbständig vor den Bürgern präsentieren und für die gefällten Entscheide geradestehen, begründet er.

Mix aus beidem

Die Arbeitsgruppe hat Vor- und Nachteile geprüft und sich schliesslich für einen Mittelweg entschieden. Der zukünftige Gemeindepräsident oder die -präsidentin soll in einem 80-Prozent-Pensum angestellt werden. Sollte die Person aus dem Verwaltungsbereich kommen, könnte sie (natürlich zu einem geringeren Lohn) zusätzlich ein Pensum auf der Verwaltung übernehmen. Genauso gut könnte es aber auch eine aussenstehende Person sein, die sich für das Präsidium meldet. «Die Hauptaufgaben des künftigen Präsidenten sind die Führung der Amts- und Betriebsleiter, die regionale Vernetzung und die Entwicklung der Gemeinde», hält der FDP-Präsident fest. Gegenüber früher wendet ein Gemeindepräsident heute viel mehr Zeit auf, um die Fäden nach aussen zu knüpfen und zu erhalten. Indem Aufgaben an die Räte delegiert werden, bleibt dem Präsidenten zudem mehr Zeit, um bedeutende Projekte für die Gemeindentwicklung voranzutreiben. Die Arbeit auf der Verwaltung soll von den Mitarbeitern und nicht vom Gemeindepräsidenten geleistet werden. Urs Stillhard und auch Pius Bürge sind überzeugt, dass damit in Mosnang eine hoch attraktive Stelle geschaffen wird.

Gemeinderat stärken

Die Arbeitsgruppe ist auch zum Schluss gekommen, dass die Arbeit des Gemeinderates künftig gestärkt werden soll. Bisher verfügte der Gemeindepräsident im Gegensatz zu den Räten bei Geschäften, die an den Sitzungen diskutiert wurden, über einen grossen Wissensvorsprung. Diesem Umstand kann entgegengewirkt werden, indem die einzelnen Räte mehr Kompetenzen, aber auch mehr Verantwortung erhalten, indem sie bedeutende Kommissionspräsidien übernehmen und deren Geschäft auch an der Bürgerversammlung vertreten. «Die Arbeit wird damit interessanter, aber auch anspruchsvoller», ist sich Stillhard sicher. «Nun gilt es Personen zu finden, die eine solche Herausforderung auch eingehen wollen und können.»

«Obwohl in der Arbeitsgruppe zuerst von grossen Veränderungen gesprochen worden ist, ist das Bedürfnis nun aber doch nicht so stark, denn man muss auch festhalten, dass Bernhard Graf seine Arbeit gut gemacht hat», stellt Renato Truniger fest. «Zum Wechsel zu einem voll ausgebauten Ressortsystem haben der Mut und die Überzeugung gefehlt. Und vielleicht läuft es bisher einfach zu gut, so dass radikale Veränderungen nicht gefragt sind», vermutet Renato Truniger. Er befürchtet, dass es anfangs zwar nach Plan laufen könnte, aber bereits bei einem Wechsel im Gemeinderat Kommissionspräsidien wieder an den Gemeindepräsidenten zurückfallen könnten.

Parteien gefordert

Gefordert sind nun die Parteien. Gemäss Pius Bürge, Präsident der CVP, hat ein überparteiliches Komitee nun die Aufgabe, das Anforderungsprofil des künftigen Präsidenten zu erstellen. In diesem Zusammenhang hat Bruno Fischbacher, SVP-Ortspartei, noch einen Wunsch. Er möchte nämlich, dass die Mosnanger Stimmbürger beim Aufgabenbereich ihres neuen Gemeindepräsidenten mitbestimmen können. Konkret stellt er sich vor, dass mittels einer Umfrage an der Bürgerversammlung oder via «Aktuell» ermittelt wird, ob die Bürger wünschen, dass der Gemeindepräsident etwa an Beerdigungen oder bestimmten Anlässen teilnimmt. «Wie genau die Kandidatensuche ablaufen wird, beispielsweise ob das jede Partei für sich macht oder gemeinsam, ist noch nicht entschieden», sagt Bürge. Nebst den Parteien können auch andere Gruppierungen Kandidaten vorschlagen und bei den Wahlvorbereitungen unterstützen. An der Bürgerversammlung, die am 24. November stattfinden wird, werden die Bürger von der Arbeitsgruppe über die erreichten Ziele und Resultate sowie über das weitere Vorgehen noch orientiert.